NACHFOLGE (Charles de Foucauld)

Es ist angebracht, über Charles de Foucauld zu berichten, in mehrfacher Hinsicht. Zum einen ist seine Lebensgeschichte ein beeindruckendes Beispiel dafür, wie ein Mensch zu großem Gehorsam gegenüber Gott finden kann. Zum anderen ist auf diesem Blog ausführlich vom Mystiker >>> Carlo Carretto zu lesen, und dieser ist ohne seinen Lehrmeister Charles nicht vorstellbar. Schließlich wird das Thema „Entweltlichung“ (Papst Benedikt XVI.) die katholische Kirche über die nächsten Jahrzehnte beschäftigen, und Charles de Foucauld zeigt uns, wie wir bei uns selbst beginnen können, ja müssen.

Charles de Foucauld - Portrait

„Was soll sich in der Kirche von heute ändern?“, lautete die Frage eines Journalisten. Antwort: „Du und ich“. Die berühmte Antwort der Seligen Teresa von Kalkutta weist uns auch zum Thema „Entweltlichung“ den Weg: Es ist müßig, nur Forderungen an die Kirchenführung zu stellen – denn die ersten Adressaten für ein entweltlichtes Leben sind Du und ich. Übrigens knüpft Papst Franziskus direkt an den Appell seines Vorgängers zur Entweltlichung an, indem er die ganz reale und praktische Seite des christlichen Lebens verdeutlicht: Es ist nicht wichtig, im päpstlichen Palast zu leben oder erster Klasse zu fliegen, allein der Gehorsam gegenüber Gott zählt.

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Charles de Foucauld

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Teil 1 – OHNE GLAUBEN

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Teil 2 – BEKEHRUNG UND GEHORSAM

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Teil 3 – WÜSTENVATER UND VORBILD

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Kurzer Lebenslauf von Charles de Foucauld

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Priester, Mönch, Missionar, Mystiker

* 15. September 1858 in Straßburg in Frankreich

† 1. Dezember 1916 in Tamanrasset in Algerien
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Charles Eugène Vicomte de Foucauld war Spross einer der reichsten Adelsfamilien Frankreichs, ein Lebemann und Frauenheld; in Paris musste er das Jesuiten-Gymnasium verlassen und stürzte sich im Alter von 17 Jahren in sexuelle Abenteuer und rauschende Partys. Er wurde dann in der elitären Offiziersschule Saint-Cyr in Coëtquidan ausgebildet zum Dienst in der französischen Armee. 1880 nahm er Teil an einem Feldzug in Algerien, dabei schmuggelte er seine Geliebte Mimi aus Frankreich mit und gab sie als seine Frau aus; in Algerien war er beeindruckt von der Würde und Schönheit des Islam und der Wüste, er lernte Arabisch und las den Koran. 1883 und 1884 – wegen seiner Lebensführung inzwischen aus der Armee entlassen – reiste er im Auftrag der „Societe de Geographie“ monatelang durch Marokko, ein damals für Christen verbotenes Land, deshalb hatte er sich als russischer Rabbiner verkleidet. 1885 durchquert er die südalgerische Wüste. Sein Buch „Erkundungsfahrt durch Marokko“ machte ihn berühmt, die „Belle Epoque“ hatte einen neuen Afrikahelden.

Zurück in Paris freundete de Foucauld sich mit Abbé Huvelin an, der ihn bekehrte; 1890 trat er nach einer Pilgerreise ins Heilige Land ins Trappistenordenkloster Akbès in Syrien ein. Doch trotz des strengen, entbehrungsreichen Lebens fand er dort das Ideal der Armut zu wenig verwirklicht, denn das Leben der Bewohner in den umliegenden Dörfern war weitaus erbärmlicher. Nach sieben Jahren trat er aus dem Orden aus und ging zu den Klarissen nach Nazaret; dort erledigt er als Knecht niedrigste Arbeiten und entdeckte seine Berufung zum Priester. 1901 wurde er im französischen Viviers zum Priester geweiht. 1904 begab er sich in die Oase Béni Abbès an der algerischen Grenze zu Marokko, wo er französische Soldaten betreute und gegen die Sklaverei kämpfte. Sein Jugendfreund Henri Laperrine, einer der Soldaten, riet ihm, sich als Einsiedler im Hoggar-Gebirge mitten unter den Tuareg niederzulassen.

Ab 1905 lebte er in Tamanrasset in einer Hütte aus Lehm und Schilf, weit weg von jeder Zivilisation in völliger Abgeschiedenheit. Die Felswüste war für ihn kein Ort der Weltflucht, sondern ein Ort zum Finden der Wahrheit: „Ich kann nicht hinsehen auf dieses Meer von Gipfeln und von wildzerklüfteten Felsen, ohne Gott anzubeten“. Mehrere Monate im Jahr war er tausende von Kilometern unterwegs, meist zu Fuß, begleitet nur von einem Kamel als Tragetier. In den Dörfern, die er besuchte, verteilte er Medikamente und Nahrung. Er wollte durch sein Vorbild eines exemplarischen Christseins wirken, nicht durch missionarische Einflussnahme: „Ich bin nicht hier, um die Tuareg zum Christentum zu bekehren, sondern um zu suchen, sie zu verstehen. Ich bin überzeugt davon, dass Gott uns alle empfangen wird, wenn wir es verdienen.“ Die Tuareg verehrten ihn bald als „großen Marabut“. Er erforschte ihre Sprache, hinterließ das bislang beste Wörterbuch, sammelte Texte, Gedichte und Sprichwörter der Tuareg.

1916 reichten die Wirren des 1. Weltkrieges bis in die Sahara; Charles wollte sich nicht in Sicherheit bringen, sondern bei den Dorfbewohnern bleiben. Er wurde während eines Überfalls von aufständischen Senussi erschossen. Seine Pläne zur Gründung eines eigenen Ordens konnte er nicht mehr verwirklichen.

Obwohl Charles de Foucauld mehrere Regelentwürfe für geistliche Gemeinschaften geschrieben hat, fand er erst lange nach seinem Tod Nachfolger: René Voillaume gründete auf der Grundlage der Ideen von Charles – auf die er durch die 1920 erschienene, von René Bazin verfasste Biografie, aufmerksam wurde – 1933 in der Sahara die Gemeinschaft der „Kleinen Brüder Jesu„, der 1939 durch Magdeleine Hutin die Gründung der Gemeinschaft der „Kleinen Schwestern Jesu“ folgte. Beide Gemeinschaften teilen jeweils das soziale Milieu ihrer Umgebung, ihre Mitglieder gehen einer weltlichen Berufstätigkeit nach. Heute berufen sich rund 20 religiöse Gemeinschaften auf de Foucaulds geistiges Erbe: mehrere Laiengemeinschaften und eine Priestergemeinschaft.

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Kanonisation: Die Seligsprechung erfolgte durch Papst Benedikt XVI. im November 2005 in Rom.

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