Charles de Foucauld (3/3) – Wüstenvater und Vorbild

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Charles de Foucauld

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Teil 3 von 3

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Sein Leben in der Wüste
– mit einer faszinierenden Ausstrahlung bis heute
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Per Schiff verlässt Charles de Foucauld am 17. Februar Italien und fährt erneut ins Heilige Land. Durch die Vermittlung eines Franziskaners findet er dort den Weg zu den Klarissen in Nazaret. Die Äbtissin akzeptierte ihn als Hausburschen. Er hat neben der Arbeit alle Zeit, sich mit Jesus zu befassen: Große Freude und Dankbarkeit erfüllen ihn. Besonders die Anbetung der Eucharistie zieht ihn an; das Allerheiligste Sakrament des Altars ist dem Kloster 8 Stunden am Tag ausgesetzt. Es wird der zentrale Bezugspunkt seiner Frömmigkeit – auch hierin folgt er der Anregung seines Seelenführers.

Eine von dessen Predigten aus der Zeit der Bekehrung von Charles, die uns erhalten ist, verkündet die Eucharistie als Gabe, die alles schenkt und uns lehrt, uns zu schenken. „In der Eucharistie gibt uns der Herr alles, ergibt sich selbst uns ganz: die Eucharistie ist das Geheimnis der Hingabe, sie ist die Gabe Gottes, dort müssen wir lernen zu geben, uns selbst zu geben, denn solange man sich nicht gibt, gibt es keine Gabe… man muss dieses fortdauernde Geben anschauen, dieses sich hinziehende Geben, das ewige Geben der Eucharistie… Höre ich auf, mich zu geben, wenn ich sehe, wie Er sich gibt, Er, ohne je aufzuhören?

Herz - flammendes Herz
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Abbé Huvelins Briefe des Jahres 1897 enthalten manche Hinweise, warum Charles der Nähe des eucharistischen Herrn bedarf. Er soll ein Leben führen, „dass sich in IHM verliert… An ganz unbedeutendem Ort, ganz ausgelöscht, im Schatten einer Kapelle im Dienst der Schwestern, die sich ganz Jesus geweiht haben“. So soll er Jesus nachfolgen „in Demut, Armut, Unauffälligkeit, wie er selbst es sein wollte, und unbekannt… Ein Leben der totalen Verfügbarkeit“. Wieder und wieder muss er Charles anhalten, in diesem Nazaret (dem Ort der Nähe zum Herrn) auszuhalten: „Ich stimme zu, dass sie in Nazaret bleiben… Verlassen sie Nazaret nicht… Es war Gottes Wille, der in Nazaret über sie wacht… Dies kleine Nest Nazaret, wo Gott ihnen all die Gaben schenkte… Bleiben Sie! Bleiben Sie in Ihrer Einsamkeit, im Schweigen und in der tiefen Unwichtigkeit… Ich möchte es ihnen aus ganzem Herzen sagen: Bleiben sie in Nazaret.“ Das ist der Tenor der geistlichen Führung während der Jahre 1897 bis 1899.

Entbrannte Liebe

Die Liebe des ihm Anvertrauten ist für Jesus von Nazaret entbrannt. Der Sohn Gottes ist der Einzige, der die Bekehrung dieses Weltmanns zu radikaler Entweltlichung vollenden kann. In einem Brief vom Oktober 1899 begründet der kluge Priester, warum die intime Nähe zu Jesus für Charles mehr ist als das Verkosten von tiefem inneren Frieden. Die Wurzeln der Vergangenheit sind noch stark genug und können die alten Irrtümer wieder wachsen lassen. Er braucht den Herrn, denn „Sie spüren immer noch den Stolz“. Selbstgefälligkeit und Ruhmsucht lassen sich nicht durch einen bloßen Willensakt besiegen. Abbé Huvelin rät Charles zur Begegnung mit dem eucharistischen Herrn, damit er gesundet und so für andere zum Echo von Gottes Heilswillen werden kann.

Charles de Foucauld - Algerien

Charles de Foucauld - Eremitage in Algerien
Charles de Foucauld – Eremitage in Algerien

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Geistliche Führung

In seinem Gehorsam gegenüber Abbé Huvelin lässt sich Charles auch in den vielen anderen Fragen leiten, die sich ihm bei der fortdauernden Suche nach seinem Weg stellen: beim Kauf des „Berges der Seligpreisungen“; bei der Einsicht in die Berufung zum Weihesakrament; bei der Absicht, an der Grenze zu Marokko eine Einsiedelei zu gründen; bei der Errichtung einer Herberge (Zaouia) in der Nähe der Oase Beni Abbès in der algerischen Sahara mit der Hilfe des zuständigen Bischofs Monsignore Guérin; bei dem Plan, eine Ordensgemeinschaft („ Die kleinen Brüder Jesu“) zu gründen; beim Bau einer Wohnanlage in Tamanrasset in der Sahara, etwa 2000 km südlich von Algier, die als Fluchtburg für die Bevölkerung dienen soll; und schließlich bei der Gründung einer Einsiedelei auf dem Assekrem im Hoggar-Massiv, 60 km nördlich von Tamanrasset.

Charles de Foucauld - Asskrem Hoggar
Faszination Sahara
Charles de Foucauld - Asskrem Hoggar
Charles de Foucauld – Asskrem Hoggar

Abbé Huvelin war für Charles de Foucauld der notwendige geistliche Beistand, um in freiwilligem, radikalem Gehorsam herauszufinden, welche Wege des Lebens und welches Glaubensengagement für ihn von Gott bestimmt waren.

Charles de Foucault - mit einem Armen
Charles mit einem Armen
Charles de Foucauld - mit einem Touareg
Charles mit einem Touareg
Charles de Foucauld - mit befreiten Sklaven
Charles de Foucauld mit befreiten Sklaven

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Bereit sein für das Martyrium

Auf Anregung von Abbé Huvelin hatte Charles zu Pfingsten 1897 in Nazaret angefangen, die Psalmen und die Propheten des Alten Testaments zu kommentieren. An diesem Tag schreibt er: „Denke daran, dass du als Märtyrer sterben musst, aller Dinge beraubt, zu Boden gestreckt, nackt, unkenntlich, mit Blut und Wunden bedeckt, gewaltsam und schmerzhaft getötet… und wünsche, es wäre schon heute! Damit ich dir diese unendlich große Gnade schenke, sei wachsam und trage das Kreuz in Treue.“ – Inzwischen hatte der Erste Weltkrieg begonnen. Gruppen aus dem nomadischen Volk der Touareg trieben in der Südsahara mit Raubzügen und Plünderungen ihr Unwesen.

Am 1. Dezember 1916 hat Charles ein wenig zu Abend gegessen, als jemand an die Tür seiner befestigten Eremitage klopft. Es ist El Madani, ein Moslem, den der Einsiedler kennt, weil er diesem Armen schon Speisen und andere Hilfe hatte zukommen lassen. El Madani sagt, er bringe die Post, und Charles öffnet ihm, ohne irgendeinen Verdacht zu schöpfen. Dann dringen gegen 30 Touareg ein. Charles muss niederknien, ihm werden Hände und Füße gefesselt, und das Fort wird geplündert. Nach dem Abzug der Räuber bleibt ein fünfzehnjähriger Junge allein zurück, der ihn bewachen soll, das Gewehr im Anschlag. Ungefähr 2 Stunden lang ist Charles ihm so ausgesetzt. Dann hört man, dass sich Kamele nähern. Obwohl sie nur zwei harmlose Besucher bringen, denken die Touareg, es seien französische Militärpatrouillen. Sie erschießen die Besucher und auch Charles de Foucauld. Gott hat seine Bereitschaft zum Martyrium angenommen.

Charles de Foucauld - letztes Foto
Charles de Foucauld – letztes Foto

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Charles‘ Ausstrahlung und Wirkung bis heute

Das Leben dieses eindrucksvollen Mannes fand in einem vergessenen Winkel der Welt ein erbärmliches Ende. Umso erstaunlicher ist seine Wirkungsgeschichte. Pater Yvon Baudoin war der Berichterstatter im Seligsprechungsprozess. Er notierte: „Nur wenige Kirchenleute und Diener Gottes haben im 20. Jahrhundert in der Presse und anderen Medien ein solches Interesse gefunden wie Charles de Foucauld. Eine Biografie von 1983 zählt 1175 Werke und wichtige Artikel in Zeitschriften und Zeitungen auf, die den Diener Gottes betreffen.“ Bemerkenswert ist auch, wie viele Gemeinschaften und kirchliche Gruppen sich direkt und indirekt auf seine geistlichen Impulse zurückführen.

Charles de Foucauld - Grab in El Menia, Algerien
Charles de Foucauld – Grab in El Menia, Algerien

Papst Johannes Paul II. stellte den Sahara-Eremiten in eine Reihe mit den ganz großen Gottsuchern und Mystikern, die die Kirche kennt. Er nennt ihn zusammen mit Franz von Assisi und Katharina von Siena, Teresa von Avila und Edith Stein: Sie alle sieht er als Beleg dafür an, dass wir Gottes Antlitz nicht schon allein durch unseren angeborenen „Sinn für das Göttliche“ entdecken; vielmehr hätten diese Männer und Frauen erfahren, dass es Christus ist, der uns das Antlitz des Vaters enthüllt.

Benedikt XVI schließlich nahm Charles de Foucauld am 23. November 2005 in die Zahl der Seligen auf. Die Papstansprache rückte Nazaret ins Licht als Symbol für Charles‘ Demut und Armut: vor allem im Ortsnamen Nazaret wird die Radikalität greifbar, mit der der geltungssüchtige Weltmann ganz unwichtig werden und sich in totalem Gehorsam selber vergessen machen wollte. Mit seinem Verweilen in Nazaret lade uns der Selige „zu der universalen Brüderlichkeit ein, die er später in der Sahara lebte, und zu jener Liebe, die Christus uns vorgelebt hat“.

Soeurs de la consolation-2008
Einer der „Nachfolgeorden“: Soeurs de la consolation, 2008

Sicher hat Papst Benedikt XVI. bei seiner Freiburger Rede auch an vorbildliche Christen wie Mutter Teresa, Bruder Klaus und Charles de Foucauld gedacht, als er am Ende sagte:

„Offen sein für die Anliegen der Welt heißt demnach für die entweltlichte Kirche, die Herrschaft der Liebe Gottes nach dem Evangelium durch Wort und Tat hier und heute zu bezeugen, und dieser Auftrag weist zudem über die gegenwärtige Welt hinaus; denn das gegenwärtige Leben schließt die Verbundenheit mit dem Ewigen Leben ein. Leben wir als einzelne und als Gemeinschaft der Kirche die Einfachheit einer großen Liebe, die auf der Welt das Einfachste und das Schwerste zugleich ist, weil es nicht mehr und nicht weniger verlangt, als sich selbst zu verschenken.“

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Der obige Text ist eine Zusammenfassung des Blogbetreibers aus dem Buch
„Benedikts Vermächtnis und Franziskus‘ Auftrag –
ENTWELTLICHUNG – eine Streitschrift“, Herder 2013

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Zitate von Charles de Foucauld

(Quelle siehe unten)

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Je mehr wir leiden,

je mehr wir in Versuchung sind,
um so mehr müssen wir beten.

Im Gebet ist unsere einzige Hilfe und Kraft,
unser alleiniger Trost.

(Charles de Foucauld)

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Versäume niemals…

durch eigene Schuld eine Kommunion.

Eine Kommunion, das ist mehr als das Leben,
mehr als alle Güter der Welt,
mehr als das ganze Universum,
das ist Gott selbst, das bin Ich, Jesus.
Kannst du etwas anderes Mir vorziehen?

(Charles de Foucauld)

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Überall, wo die Heilige Hostie ist,

ist der lebendige Gott,
ist dein Erlöser ebenso wirklich gegenwärtig
wie damals in Galiläa und Judäa
als Er lebte und sprach,
und wie Er jetzt im Himmel ist.

(Charles de Foucauld)

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Bitten wir ihn gewöhnlich…

mehr für die anderen als für uns
und vergessen wir uns selbst,
wie der Herr es ohne Unterlaß tut
und uns dadurch ein Beispiel gibt.

Bitten wir im allgemeinen nicht besonders für uns selbst,
sondern widmen wir den größten Teil unres Gebetes
der ganzen Menschheit,
wie uns der Herr im „Vater unser“ lehrt.

(Charles de Foucauld)

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Gebet ist …

jedes Gespräch der Seele mit Gott.

Es ist auch jener Zustand der Seele,
die Gott wortlos, einzig in seinen Anblick versunken betrachtet,
indem sie ihm mit ihren Blicken sagt,
daß sie ihn liebt,
während die Lippen,
ja auch die Gedanken stumm bleiben.

(Charles de Foucauld)

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Das beste Gebet…

ist jenes, das am meisten Liebe enthält.

(Charles de Foucauld)

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Ein Buchtipp…

 Charles de Foucauld - Buch über seinen geistlichen Werdegang

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Lassen wir ihn doch selbst zu Wort kommen,

seine Gedanken über das Gebet

können unser Gebetsleben neu entflammen.“

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(Quelle: sacerdos viennensis)

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2 Gedanken zu “Charles de Foucauld (3/3) – Wüstenvater und Vorbild

    1. Danke für deinen Kommentar!
      Mir ist es genauso gegangen mir diesem leuchtenden Vorbild; ich kenne Menschen und zumindest einen Priester, die durch Bruder Karl ihre Berufung gefunden haben…
      Gottes Segen sei mit dir!

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