Die spirituelle Quelle

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Die Geschichte der Herz-Jesu-Verehrung beginnt im Evangelium selbst, besonders im Johannesevangelium. “Als sie aber zu Jesus kamen und sahen, dass er schon tot war, zerschlugen sie ihm die Beine nicht, sondern einer der Soldaten stieß mit der Lanze in seine Seite und sogleich floss Blut und Wasser heraus.” (Joh 19,33–34)+

Die Kirchenväter blicken auf die geöffnete Seite des Gekreuzigten und sehen in der Herzwunde Jesu die geöffnete Pforte des Heils, aus der die Kirche und ihre Sakramente und alle Ströme der Gnade uns zufließen. Sie sahen in dem Blut und Wasser einen Hinweis auf die zwei Sakramente der Taufe und der Eucharistie.

Ebenso schauen sie gern auf Johannes, den Evangelisten der Jesus-Liebe, der „am Herzen Jesu ruhte“ und dem die Geheimnisse eben dieses Herzens offenbar wurden. In diesem Licht betrachteten sie die zahlreichen Aussagen des Alten und Neuen Testamentes, in denen die Liebe Gottes zu uns spricht: die Bilder von Gott als dem Vater Israels, vom göttlichen Gemahl, der trotz aller Sünden Israels seiner ersten Liebe treu bleibt, das Bild vom guten Hirten.

Der heilige Anselm griff das Gedankengut der Väterzeit auf und machte es für seine Zeit lebendig. Der heilige Bernhard von Clairvaux, den eine besondere Liebe zum menschgewordenen und gekreuzigten Herrn auszeichnet, sieht im geöffneten Herzen Jesu die Offenbarung der tiefsten Herzensgeheimnisse Gottes, die Pforte des Heils und die Zuflucht der Sünder.

Wohl noch größer ist der Einfluss des heiligen Franz von Assisi und seines Ordens. Franziskus steht vor uns als der liebende Jünger, der dem Herzen des geliebten Meisters so nahe war, dass dieser ihm sichtbaren und spürbaren Anteil an seiner Herzenswunde gab.

Eine in der Liturgie verwurzelte Hochblüte erlebte die Herz-Jesu-Verehrung im 13. Jahrhundert im Benediktinerinnenkloster zu Helfta unter der heiligen Mechtild und der heiligen Gertrud der Großen. Die Betrachtung des geöffneten und für uns in Liebe verströmenden Herzens Jesu taucht bei ihnen nicht nur gelegentlich auf, sondern bildet die Mitte ihrer Frömmigkeit, die eine große Ausstrahlung besitzt.

Der Dominikanerorden hat eine große Zahl von einflussreichen Förderern der Herz-Jesu-Verehrung aufzuweisen, angefangen mit dem heiligen Dominikus, seine größten Theologen wie Albert der Große und Thomas von Aquin und ganz besonders die großen Mystiker Meister Eckhart und Tauler. Einzigartig ist die Rolle des seligen Heinrich Seuse (+ 1366). Seine Liebe zum geöffneten Herzen Jesu ist beinahe grenzenlos. Als großer Dichter und Sprachkünstler weiß er weite Kreise zu begeistern. Vor ihm steht Christus in seiner vollen Menschlichkeit mit der Macht seiner anziehenden Liebe. Kennzeichnend für Seuse ist der ständige Lobpreis auf die barmherzige, im Leiden sich offenbarende Liebe Jesu. Der Sühnegedanke kommt bei Seuse in einer geläuterten Weise zur Geltung. Im Mitleiden mit Jesus, in der Bereitschaft an seinem Erlöserleiden teilzunehmen, hofft er zu letzten Gelassenheit zu kommen. Die Gleichförmigkeit mit dem Willen Gottes geht bei ihm wesentlich über die Leidensschule des Herzen Jesu. Als der selige Seuse einmal verleumdet und geschmäht wurde, war seine Antwort: „Das klage ich dem leidbedrückten Herzen Jesu Christi.“

Die Schriften von Eckhart, Tauler und vor allem von Seuse hatten nicht nur in Deutschland, sondern auch in Frankreich und Italien einen nachhaltigen Einfluss. In Italien blieben sowohl Dominikaner wie Franziskaner eifrige Förderer der Herz-Jesu-Verehrung. Ganz besonders die heilige Katharina von Siena verstand, zum Herzen vieler zu sprechen.

In Frankreich waren die Übersetzungen der Werke der großen Dominikaner-Mystiker viel gelesen. Dort verband sich, vor allem dank der Spiritualität des Kardinals Pierre de Berulle und seiner Schule, die mystische Innigkeit mit einer sakramental ausgerichteten Frömmigkeit.

In der Neuzeit, im 17. Jahrhundert ist der französische Priester Johannes Eudes der erste, der die Feier eines liturgischen Festes zu Ehren des Herzens Jesu in der Kirche einführt. Im Jahre 1668 stellte Johannes Eudes Meßtexte zu Ehren des Herzen Jesu zusammen und bereits 1670 wurde dafür die bischöfliche Genehmigung erteilt. Am 20. Oktober 1672 wurde in seiner Kongregation das erste Herz-Jesu-Fest gefeiert.

Die geistliche Lehre des heiligen Johannes Eudes sagt uns, dass Christus sein Leben in den Christen fortsetzen und vollenden möchte. Wenn der Christ betet, so setzt er das Gebet Jesu fort und ergänzt es, ebenso wenn er arbeitet, setzt er das mühevolle Leben Jesu fort. Johannes Eudes weist hin, dass niemand mehr das Leben Jesu fortgesetzt hat als Maria. Jesus hat immer auf die innigste Weise in Maria gelebt, um sie zu heiligen. Das Herz Mariä ist so von Jesus erfüllt, dass es nur noch ein Herz mit ihm bildet. Wer sich also Maria nähert, nähert sich Christus, und wer sich dem Herzen des Herrn zuwendet, tut dies auch gegenüber dem Herzen der reinsten Jungfrau Maria: Jesus und Maria sind so eng miteinander verbunden, dass einer, der Jesus sieht, Maria sieht, und der Jesus liebt, Maria liebt, der sich Jesus schenkt, sich Maria weiht.

Weiters lehrt Johannes Eudes: Weil das christliche Leben das Leben Christi fortsetzt, gibt Jesus uns sein Herz, um unser Herz sein zu können. Unser Heiland gibt uns sein liebenswürdiges Herz, das Prinzip und Ursprung aller übrigen Gaben ist … Was geben wir dafür unserem Erlöser? … Er hat uns sein Herz ganz geschenkt: schenken auch wir ihm unsere Herzen ganz und ohne jeden Vorbehalt.

Er hat uns sein Herz für immer gegeben: geben wir ihm unsere Herzen für immer und unwiderruflich … Weil das Herz Jesu für uns da ist, darum ist es unser Herz geworden. Der Christ muss Gott und seine Brüder lieben mit dem Herzen Jesu.

In der heiligen Margareta Maria Alacoque (1647-1690) kommt der Strom vorausgehender Entwicklung zu neuer Akzentuierung und liturgischer Prägung. Charakteristisch für ihre Spiritualität ist vor allem der dringende Aufruf zur Sühne und zur Weihe an das Herz Jesu. Sie fühlte sich als demütiges Werkzeug berufen, die liturgische Feier des Herz-Jesu-Festes in der Kirche zu erreichen. Sie fand dabei die Unterstützung von eifrigen Jesuiten. Wir dürfen sie ohne Zögern die Fahnenträger der modernen Herz-Jesu-Verehrung nennen – und zwar bis in unsere Tage. Man denke zum Beispiel an Hugo Rahner und Karl Rahner.

Im Jahre 1856 wurde schließlich die Feier des Herz-Jesu-Festes durch Papst Pius IX. auf die ganze Kirche ausgedehnt. Dies war die logische Krönung einer reichen und vielgestaltigen Frömmigkeitsgeschichte von achtzehn Jahrhunderten. Zur Jahrhundertwende vertiefte Leo XIII. diese Andacht durch den Aufruf zu einer weltweiten Weihe an das Herz Jesu im Blick auf das Heil der Welt. So wird die Herz-Jesu-Verehrung zu einem begeisternden Volkskatechismus über das Geheimnis der Erlösung in allen ihren Dimensionen.

Die lehrhafte Entwicklung findet schließlich eine Zusammenfassung im Weltrundschreiben Pius XII. „Haurietis aquas“. Die von der einfachen Nonne von Paray-le-Monial, der heiligen Margarete Maria Alacoque, ausgehenden Impulse werden anerkannt. Dabei betont der Papst nachdrücklich, dass das Fundament nicht in Privatoffenbarungen, sondern in Schrift und Tradition zu suchen ist.

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