P. Alfred Delp SJ

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P. Alfred Delp 1944 vor dem Reichsgericht
P. Alfred Delp 1944 vor dem Reichsgericht

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„Die Briefe von P. Alfred Delp und Graf von Moltke aus dieser Haftzeit gehören zu den bewegendsten persönlichen und religiösen Zeugnissen des deutschen Widerstands. Während des Prozesses vom 9. Bis zum 11. Januar 1945 müssen beide erkennen, dass es dem Ankläger und Richter im Kern darum geht, mit der Verurteilung dieser Christen die einzige noch existierende Alternative zum Nationalsozialismus, das bekennende und widerständige Christentum, zu vernichten. Delp schreibt: „Für Moltke und mich gibt es da keinen Ausweg mehr. Wir sind umzingelt von Vernichtungswillen.“ Beide wollen weiterleben, aber sie sind auch bereit, für den Gott zu sterben, der sich für sie in Jesus Christus offenbart hat“ (Der evangelische Theologe G. Brakelmann zum 100. Geburtstag von Alfred Delp).

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P. Alfred Delp SJ, 1907 in Mannheim geboren, gehört seit 1926 dem Orden der Jesuiten an und empfängt die Priesterweihe am 24. Juni 1937. Als Redakteur der von Jesuiten herausgegebenen Monatszeitschrift „Stimmen der Zeit“ in München ist er zuständig für Theologie und Gesellschaft. Innerhalb des »Kreisauer Kreises«, einer Gruppe von Intellektuellen und Politikern, die in Opposition zum Nationalsozialismus standen, entwickelt er Gedanken zu einer künftigen Gesellschaftsordnung.

In Verbindung mit dem Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 werden die Mitglieder des Kreises verhaftet. Der Jesuit Alfred Delp wird 1944 des Hochverrats angeklagt. Die Tatsache, dass er zu den Männern des Widerstandes im Kontakt gestanden und sich als Soziologe mit einer neuen demokratischen Ordnung in Deutschland befasst hatte, wird als schweres Verbrechen angesehen. Wegen seiner Zugehörigkeit zum »Kreisauer Kreis«, wegen seiner Treue zur Kirche und zum Orden, sowie seiner Vision einer menschlichen und sozialen Gesellschaft wird er zum Tode verurteilt. Am 2. Februar 1945 erleidet er in Berlin-Plötzensee den Tod durch Hängen, seine Asche wird auf Befehl Hitlers verstreut.

Ein Leitwort für die vorliegende Meditation des Kreuzweges Jesu

„Die Welt ist Gottes voll. Aus allen Poren quillt er gleichsam uns entgegen. Wir aber sind oft blind. Wir bleiben in den schönen und in den bösen Stunden hängen und erleben sie nicht durch bis an den Brunnenpunkt, an dem sie aus Gott herausströmen. Das gilt für alles Schöne und auch für das Elend. In allem will Gott Begegnung feiern und fragt und will die anbetende, hingebende Antwort. Dann wird das Leben frei in der Freiheit, die wir oft gesucht haben“.

Diese Gedanken schreibt der Jesuitenpater zwei Monate vor seiner Hinrichtung nieder. 65 Jahre später befinden wir uns in dem von Papst Benedikt XVI. für 2009/2010 ausgerufenen Jahr des Priesters. Dabei wollen wir, in der unmittelbaren Vorbereitung auf die Nacht der Auferstehung, das Vermächtnis des Priesters Alfred Delp lesen, der seine Charismen und seinen priesterlichen Dienst in einer schweren Zeit ausgeübt und uns ein starkes Zeugnis hinterlassen hat.

“… dass wir allen Zeugnis geben“

Ganz besonders für unsere Priester, die nach Augenzeugenberichten auf der Straße beschimpft und sogar angespuckt werden, ist Ermutigung und Stärkung gefragt. Starke Zeugen des Glaubens haben immer wieder bewiesen, dass gerade in schwierigen Zeiten die Nachfolge Christi annehmbar, gestaltbar und „not-wendend“ ist.

1.Station – Jesus wird zum Tode verurteilt

V: Deinen Tod, o Herr, verkünden wir,

A: und deine Auferstehung preisen wir.

Jesus hat sich durch ein weltliches Gericht zum Tode verurteilen lassen. Er hat vor Pilatus Zeugnis für die Wahrheit Gottes abgelegt. Dieser Mut zur Wahrheit und zum Glauben an den lebendigen Gott hat auch für den Priester Alfred Delp das Todesurteil bedeutet. Das Vertrauen, dass Gott mit uns lebt, gebe auch uns den Mut, vor allen Menschen für die Liebe Zeugnis abzulegen.

„Lasst uns dem Leben trauen, weil Gott es mit uns lebt. Es ist die unbegreiflichste Tatsache der Eingeschichtlichung Gottes. Dass er in unser Gesetz, in unsere Räume, in unsere Existenz eintritt; nicht nur wie, sondern als einer von uns. Das ist das Erregende und Unfassliche dieses Geschehens. Die Geschichte wird nun auch zur Daseinsweise des Sohnes, das geschichtliche Schicksal sein Schicksal.“

Gebet: Jesus, du hast vor Pilatus für die Wahrheit Zeugnis abgelegt. Durch deine Menschwerdung und Erlösung bist du nicht nur einer von uns geworden, sondern hast uns auch von Sünde und Tod erlöst. Du hast uns durch die Taufe berufen, deine Zeugen in der Welt zu sein und nicht zu schweigen über das, was wir als Geschenk des Glaubens mitbekommen haben. Schenk uns die Gnade, uns dieser gottgeschenkten Würde bewusst zu sein und auch in bedrohenden Situationen mutig Zeugen deiner Hingabe und Auferstehung zu sein.

V: So sehr hat Gott die Welt geliebt,

A: dass er seinen Sohn für uns hingab.

2.Station – Jesus nimmt das schwere Kreuz auf sich

V: Deinen Tod, o Herr, verkünden wir,

A: und deine Auferstehung preisen wir.

Jesus ist dem Kreuztragen nicht ausgewichen. Zu Zeugen der Liebe Gottes sind wir nicht nur in den schönen Stunden des Lebens berufen, sondern auch im Kreuztragen im Vertrauen, dass wir dazu die dafür notwendige Kraft von Gott bekommen. Der Jesuit Alfred Delp kämpfte mit allen ihm zur Verfügung stehenden Möglichkeiten gegen ein menschenunwürdiges Regime an und war auch bereit, sein damit verbundenes Kreuz und den Tod auf sich zu nehmen.

„Den Lasten Gottes soll man nicht ausweichen. Sie sind zugleich der Weg in den Segen Gottes. Und wer dem herben und harten Leben die Treue hält, dem werden die inneren Brunnen der Wirklichkeit entsiegelt, und ihm ist die Welt in ganz anderem Sinn nicht stumm, als er ahnen konnte. Die Silberfäden des Gottesgeheimnisses alles Wirklichen fangen an zu glänzen und zu singen. Die Last ist gesegnet, weil sie als Last Gottes anerkannt und getragen wurde.“

Gebet: Jesus, du hast das Kreuz auf dich genommen und uns so das Gottesgeheimnis der erlösenden Liebe erschlossen. Stärke uns, wenn unsere Treue aus Angst vor der Zukunft und an der Grenze unserer körperlichen Kräfte zu scheitern droht. Lass uns vertrauen, dass die Zusagen Gottes tragfähig sind -nicht nur in unseren Jubelstunden, sondern auch unter der Last des eigenen und der mit zu tragenden Kreuze.

V: Erbarme dich meiner, o Gott,

A: erbarme dich meiner.

3. Station – Jesus fällt das erste Mal unter dem Kreuz

V: Deinen Tod, o Herr, verkünden wir,

A: und deine Auferstehung preisen wir.

Wenn wir mit offenen Augen und hörenden Herzen durch die Welt gehen, erleben wir, dass viele Menschen von der Last des Alltags und ihrer Geschichte zu Boden gedrückt werden. Hier sind nicht große Worte gefragt, sondern ein „In-die-Knie-Gehen“, um wie Jesus in Augenhöhe mit den Menschen zu sein. Dort sind wir gefragt und will er uns Begegnung schenken.

„Er ist auf unseren Straßen anzutreffen. In den dunkelsten Kellern und einsamsten Kerkern des Lebens werden wir ihn treffen. Und das ist schon die erste Segnung und Weihung der Last, dass er unter ihr anzutreffen ist. Und damit auch gleich die zweite: alle, die denselben Lastballen schleppen, spüren es, wenn eine neue mächtige Schulter sich unter ihn schiebt und mitträgt“.

Gebet: Jesus, dich hat die Last des Kreuzes zu Boden gedrückt. Du willst von uns Zeugen die Bereitschaft, dich unter den Kreuztragenden und Daniederliegenden zu entdecken und ihnen in ihren oft ausweglosen Situationen beizustehen. Stärke uns, wenn uns das Hinablassen in die Nöte der Menschen schwer fällt, und gib uns – als deinen Gesandten – alles, was wir brauchen, um ihnen Hoffnung zum Weitergehen zu schenken.

V: Jesus Christus ist der Herr,

A: zur Ehre Gottes, des Vaters.

4. Station – Jesus begegnet seiner betrübten Mutter

V: Deinen Tod, o Herr, verkünden wir,

A: und deine Auferstehung preisen wir.

Gerade in der Begegnung mit seiner Mutter spürt Jesus auf seinem Weg die Sehnsucht nach dem Weiterleben-Dürfen. Sie, die ihm das Leben auf dieser Welt geschenkt hat, ist gefordert, ihre Pläne loszulassen und sie dem größeren Willen Gottes unterzuordnen. Auch im Ringen des vom Glauben erfüllten Alfred Delp wird uns die Schwere dieser Stunde bewusst.

„Ich will mich auch nicht trösten mit einer billigen Herabminderung des Irdischen und des Lebens. Ehrlich und gerade: ich würde noch gern weiterleben und gern und jetzt erst recht weiter schaffen und viele neue Worte und Werte verkünden, die ich jetzt erst entdeckt habe. Es ist anders gekommen. Gott halte mich in der Kraft, ihm und seiner Fügung und Zulassung gewachsen zu sein.“

Gebet: Jesus, du musstest in dieser Begegnung mit deiner Mutter alles zurücklassen, was das Leben auf dieser Welt dir noch geben konnte. Du hast von deinem Vater die Kraft bekommen, auch in dieser Begegnung den großen Plan seiner Liebe zu erkennen und deinen Weg in den Tod am Kreuz anzunehmen. Mach uns bewusst, dass Zeuge für die Frohbotschaft sein auch heißen kann, von lieb gewonnenen Menschen und Dingen Abschied nehmen zu müssen.

V: Lehre mich, Herr,

A: deinen Willen zu tun.

5. Station – Simon von Cyrene hilft Jesus das Kreuz tragen

V: Deinen Tod, o Herr, verkünden wir,

A: und deine Auferstehung preisen wir.

Es sind nicht immer nur die eigenen Lasten, die uns zu schaffen machen. Das Mittragen der Kreuze für andere ist besonders schwer, wenn wir uns schon darauf eingestellt haben, von der täglichen Arbeit ausruhen zu wollen. Der geschärfte Blick für die Not der Mitmenschen und die Bereitschaft zum aktiven Beistand machten Simon von Cyrene zum Mitträger des Erlösungswerkes Jesu.

„Es muss um den Menschen gehen, der an der Straße liegt, um seine Wiederherstellung und um die Entbindung des innersten Wertes seines Herzens und seines Gemütes. Es muss um den Menschen der Ehrfurcht, der Anbetung und der Liebe gehen. Nur dieser ist der Mensch. All das andere ist Weg. Weiter, weiter und notwendiger Weg. Wir müssen ihn gehen, bis die wenigen Lichter der anbetenden und liebenden Herzen wieder angezündet sind.“

Gebet: Jesus, Simon durfte für dich die Last des Kreuzes tragen und wurde als Wegbegleiter berührt von deiner Hingabe für die Menschen. Du berufst uns, am Kreuz anderer mitzutragen. Wir erleben in unserer Umgebung Menschen, die in der Pflege und Begleitung von kranken und behinderten Menschen tätig sind. Sie sind die stillen Zeugen deiner Liebe in unserer Gesellschaft. Stärke sie in ihrem hingebungsvollen Dienst des Mittragens. Sie sind es, die die Lichter der liebenden Herzen wieder anzünden und so die Welt trotz ihrer Not hell machen.

V: Du hast uns in deine Nachfolge berufen,

A: hilf uns, in deinen leidenden Schwestern und Brüdern dich zu erkennen.

6. Station – Jesus nimmt von Veronika das Schweißtuch

V: Deinen Tod, o Herr, verkünden wir,

A: und deine Auferstehung preisen wir.

Der Mut von Veronika, eine Handlung der Zuwendung und Tröstung zu setzen, zeigt uns, wie die Zuwendung eines Menschen für einen Geschundenen eine Verwandlung bringen und aus einer Begegnung eine Heilshandlung werden kann. Ohne Worte wird Zeugnis gegeben und eine innere Verbundenheit erlebt, die beiden neue Kraft und Stärkung im Leid schenkt.

„Selbst als kündender Bote durch diese grauen Tage gehen. So viel Mut bedarf der Stärkung, so viel Verzweiflung der Tröstung, soviel Härte der milden Hand und der aufhellenden Deutung, soviel Einsamkeit schreit nach dem befreienden Wort, so viel Verlust und Schmerz sucht einen inneren Sinn. Gottes Boten wissen um den Segen, den der Herrgott auch in diese geschichtliche Stunde hineingesät hat.“

Gebet: Jesus, du hast das angenommen, was Veronika dir in dieser Begegnung geben konnte. Du verlangst von uns Glaubenszeugen nicht große Taten und Aktionen, sondern Mut und die Bereitschaft, spontan auf eine Situation zu reagieren und das zu geben, was wir in den Händen halten und im Herzen tragen. So kann unser Leben und Handeln zum Zeugnis der Anteilnahme und Tröstung werden und die Kraft und der Segen Gottes können in die heutige Zeit hineinströmen.

V: Im Kreuz Jesu Christi

A: finden wir Heil.

7. Station – Jesus fällt das zweite Mal unter dem Kreuz

V: Deinen Tod, o Herr, verkünden wir,

A: und deine Auferstehung preisen wir.

Der zweite Sturz Jesu macht uns die Schwere des Kreuztragens bewusst. Alfred Delp vergleicht diese mit der Wüste, durch die der Mensch gehen muss. Der Mensch verliert dabei zwar alle Sicherheit, erlebt dafür aber das Gesetz der Gnade als tragfähiges Element seines Daseins und Leidens.

„Unsere Stunde ist die Stunde der Wüste noch. Noch fleht unser Herz die Urbitten der Kreatur. Das gilt für uns alle, und das gilt auch für mich persönlich. Es ist eine Situation, in der die Wüste ihre tröstliche Vertraulichkeit weglegt und uns mit dem Gesicht der gefährlichen Bedrängnis anschaut … Aber diese Wüste ist Bewährung zur großen Freiheit, nicht endgültiges Schicksal. Die Wüsten müssen bestanden werden. Und ich weiß dies: ich bin nicht allein. Das Gesetz der Gnade gilt. Das Gesetz der Treue und der Liebe und des betenden Opfers gilt.“

Gebet: Jesus, deine menschlichen Kräfte versiegen, und du lässt dich vom Kreuz zu Boden drücken. Dein Kreuz und das Schicksal der leidgeprüften Menschen ist eine Stunde der Bewährung, um die Treue zu dem, was wir glauben und um letztlich das Vertrauen in Gottes Plan der Liebe zu bezeugen. Stärke in uns die Bereitschaft, unser Leben in den Dienst derer zu stellen, die die Wüste ihres Lebens durchqueren, sodass wir für sie ein lebendiges Zeichen der ihnen zukommenden Gnade Gottes werden.

V: Ich rufe dich an, Herr,

A: Gott erhöre mich.

8. Station – Jesus begegnet den weinenden Frauen von Jerusalem

V: Deinen Tod, o Herr, verkünden wir,

A: und deine Auferstehung preisen wir.

In den Begegnungen des Kreuz-Tragenden mit den Frauen empfinden diese starkes Mitleid mit den Bedingungen eines dahin vegetierenden Menschen, der von der Menschenmasse weitergetrieben wird. Die Erfahrung der Betroffenheit lässt über die eigene Situation nachdenken, und sie stellt uns vor Entscheidungen, wie es auch der eingekerkerte und geschlagene Alfred Delp erlebt hat.

„Und gerade diese sind die Entscheidungsstunden für den Wert und Unwert unseres gläubigen Daseins. Wider das Zeugnis der Steine, an die unser Fuß gestoßen, wider das Zeugnis der Geißel, die uns blutig geschlagen, wider das Zeugnis der Ketten, die uns binden, im Wort bleiben, unerschüttert und unermüdet stehen bleiben: das ist die große Antwort, die ein Mensch Gott geben kann. Und nach der Gott jeden Menschen fragen wird. Jeden. Es wird keinem geschenkt, der wach und erwachsen vor Gott dem Herrn gelten soll.“

Gebet: Jesus, das schwere Leid, das Menschen dir zufügen, lässt dich ringen, um deinen Weg in Liebe bis zuletzt zu gehen. Es ist dir bewusst, dass deine Haltung den anderen zum Fluch oder zum Segen werden kann. Du möchtest uns durch dein Leid und das der vielen von den Mächtigen Verurteilten wachrütteln, Gott eine Antwort zu geben, wofür wir zu leben und zu sterben bereit sind.

V: Herr Jesus Christus, wir bitten dich,

A: erbarme dich über uns und über die ganze Welt!

9. Station – Jesus fällt zum dritten Mal unter dem Kreuz

V: Deinen Tod, o Herr, verkünden wir,

A: und deine Auferstehung preisen wir.

Jesus war bereit, sein Leben für unsere Erlösung von Sünde und Tod hinzugeben und hat uns im Sakrament der Eucharistie ein lebendiges Gedächtnis hinterlassen. Der Priester Delp hat auf seinem Leidensweg vollzogen, was er in der hl. Messe immer wieder gefeiert hatte. Er war bereit, als gesundes Saatkorn den Tod auf sich zu nehmen, damit eine neue Zeit anbrechen konnte und andere glücklicher leben können.

„Es ist Zeit der Aussaat, nicht der Ernte. Gott sät; einmal wird er auch wieder ernten. Um das eine will ich mich mühen: wenigstens als fruchtbares und gesundes Saatkorn in die Erde zu fallen. Und in des Herrgotts Hand. Und mich gegen den Schmerz und die Wehmut wehren, die mich manchmal anfallen wollen. Wenn der Herrgott diesen Weg will – und alles Sichtbare deutet darauf hin – dann muss ich freiwillig und ohne Erbitterung gehen. Es sollen einmal andere besser und glücklicher leben dürfen, weil wir gestorben sind.“

Gebet: Jesus, du hast dich als lebendiges Saatkorn in die Hand der Menschen gegeben und so den Tod auf dich genommen. Du hast dich in die Hand des Vaters fallen lassen und wirst zur Kraftquelle für alle Menschen die bereit sind, für die Frohbotschaft zu sterben. Stärke uns durch das Glaubenszeugnis der Märtyrer und Märtyrerinnen, auch unseren Glauben mutig und fruchtbringend zu leben.

V: Ich bin die Auferstehung und das Leben.

A: Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt.

10. Station – Jesus wird seiner Kleider beraubt

V: Deinen Tod, o Herr, verkünden wir,

A: und deine Auferstehung preisen wir.

Nach dem all seine Kräfte fordernden Weg nach Golgotha werden Jesus seine Kleider genommen. Nur die auf dem Weg und in seinem bisherigen Leben gemachten guten Erfahrungen mit den Menschen leben als Hoffnung in seinem Herzen weiter. Das innere Ringen um die Erfüllung des Willens seines Vaters geht weiter.

„Aber diese vielen spürbaren Erhebungen mitten im Unglück; diese Sicherheit und Unberührtheit in allen Schlägen; dieser gewisse ‚Trotz‘, der mich immer wieder wissen ließ, es wird ihnen die Vernichtung nicht gelingen; diese Tröstungen im Gebet und beim Opfer; diese Gnadenstunden vor dem Tabernakel; diese erbetenen und immer wieder gegebenen und gewährten Zeichen: ich weiß nicht, ob ich all das wegtun darf. Soll ich weiter hoffen? Will der Herrgott das Opfer, das ich ihm nicht versagen will, oder will er die Bewährung im Glauben und Vertrauen bis zum äußersten Punkt der Möglichkeit?“

Gebet: Jesus, du hast dir vor der Kreuzigung alles nehmen lassen, was zum Menschsein gehört. Selbst die Nähe deines Vaters war in manchen Stunden nicht spürbar. Alfred Delp hat in Verbindung mit dir seine Hinrichtung leichter annehmen können. Er wusste sich auch im Gefängnis immer wieder von deiner Gnade getragen. Als Priester durfte er dir und den Menschen dienen, ihnen Hoffnung vermitteln und das heilige Mahl mit ihnen feiern. Du hast ihn uns zum Zeugen bestellt, weil er vorlebte, wie wir durch unser Ja zum Willen Gottes als lebendiges Saatkorn durch den Tod zum Leben kommen können. Stärke uns, wenn wir gefordert sind, für unseren Glauben Nachteile und Leid zu tragen.

V: Der Herr ist die Kraft meines Lebens;

A: vor wem sollte ich mich fürchten?

11. Station – Jesus wird ans Kreuz genagelt

V: Deinen Tod, o Herr, verkünden wir,

A: und deine Auferstehung preisen wir.

Jesus ist in der Hand von Menschen, die den Auftrag haben, sein Leben auszulöschen. An Jesus vollzieht sich das Schicksal des zum Tode verurteilten Menschen, wie es auch der Jesuit Delp nach seiner Verurteilung erlebt hat. Im Wissen, dass er auch in dieser Stunde nicht allein ist, bekennt er, dass die Kraft Gottes letztlich siegen wird.

„Und hier sind wir auf der Höhe angekommen, auf der das ‚Respirare‘, das Aufatmen nun doch geschieht und geschehen darf und geschehen soll. Die Welt ist in ihrem Lauf geblieben, aber ist zur Barke des Herrgotts geworden, die kein Sturm umwerfen, keine Flut hinabreißen wird. Das Leben ist in seinen Gesetzen und Spannungen geblieben. Der Herrgott hat sich diesen Spannungen untergeordnet und eingeordnet. Er trägt sie mit und erhöht das Kraft-und Tüchtigkeitspotential der ganzen Menschheit. Als letztes aber: der Mensch ist nicht allein.“

Gebet: Jesus, du hast dich in dieser Stunde zwar den Menschen ausgeliefert, aber gewusst, dass es der Wille des Vaters ist und letztlich in seiner Hand liegt. Du hast unsere Schuld und die aller Menschen am Kreuz gesühnt; uns stark gemacht, dem Tode ins Auge zu schauen, weil wir an einen Gott glauben dürfen, der die Seinen in dieser Stunde nicht verlässt. Herr, wir bitten dich: stärke durch jede Mitfeier der Eucharistie auch in uns dieses todesüberwindende Vertrauen.

V: Gekreuzigter Herr Jesus,

A: erbarme dich unser.

12. Station – Jesus stirbt am Kreuz

V: Deinen Tod, o Herr, verkünden wir,

A: und deine Auferstehung preisen wir.

Jesu Sterbestunde wurde uns Menschen zur Gnadenstunde. Im Glauben dürfen wir jetzt schon die Weisheit Gottes auskosten, die die Erlösung bewirkt hat. Unfassbar ist das Geheimnis dieser Stunde. – Um die Tiefe der Gottesbegegnung auch in den konkreten Situationen unseres Lebens erfahren zu können, eröffnet uns P. Alfred Delp einen wichtigen Zugang, um im Lebensalltag zum „Brunnenpunkt des Heiles“ vorzudringen:

„Die Welt ist Gottes voll. Aus allen Poren quillt er gleichsam uns entgegen. Wir aber sind oft blind. Wir bleiben in den schönen und in den bösen Stunden hängen und erleben sie nicht durch bis an den Brunnenpunkt, an dem sie aus Gott herausströmen. Das gilt für alles Schöne und auch für das Elend. In allem will Gott Begegnung feiern und fragt und will die anbetende, hingebende Antwort“ (Alfred Delp, 1945, zwei Monate vor seiner Hinrichtung).

Gebet: Jesus, dein Tod ist für uns das Tor zum ewigen Leben. Du hast uns vorgelebt, wie wir zur Quelle – aus der Gott herausströmt – kommen können. Du lädst uns in jeder Eucharistiefeier ein, diese Begegnung mit dem lebendigen – uns bis in den Tod liebenden Gott zu feiern. Mach uns dadurch fähig und bereit, in den konkreten Situationen unseres Lebens unsere anbetende, hingebende Antwort zu geben und somit unseren Mitmenschen die Gegenwart Gottes zu bezeugen.

V: Christus hat uns geliebt,
A: uns durch sein Blut befreit von unseren Sünden.

13. Station – Jesus wird vom Kreuz abgenommen und in den Schoß Mariens gelegt

V: Deinen Tod, o Herr, verkünden wir,

A: und deine Auferstehung preisen wir.

Die treuen Gefährten haben die Stunde des Heimgangs zum Vater aus nächster Nähe miterlebt. Nun bleibt nur der leblose Körper und ein stummes Hoffen auf Gottes Wirken über den Tod hinaus. Und nachdem es auch für Alfred Delp vollbracht ist, bestätigen sich seine Worte, die wir zu Beginn des Kreuzweges gehört haben:

„Den Lasten Gottes soll man nicht ausweichen. Sie sind zugleich der Weg in den Segen Gottes. Und wer dem herben und harten Leben die Treue hält, dem werden die inneren Brunnen der Wirklichkeit entsiegelt und ihm ist die Welt in ganz anderem Sinn nicht stumm, als er ahnen konnte. Die Last ist gesegnet, weil sie als Last Gottes anerkannt und getragen wurde.“

Gebet: Ewiger Gott, mit Maria, die den leblosen Jesus in den Armen hält, harren wir in der Trauer aus. Doch die Hoffnung geht nicht zugrunde. Auch wenn viele menschliche Erwartungen angesichts des Elends verstummt sind, Gottes Verheißungen werden auf seine Weise ihre Erfüllung finden. Gott macht aus der Hingabe für das Heil der Menschen etwas Neues, das schon das Leben in sich trägt. So beruft Gott auch uns in den Stunden der scheinbaren Gottesferne, Zeugnis zu geben für DAS Leben, das über den Tod hinausgeht und hinüberträgt in die endgültige Anschauung und Anbetung Gottes.

V: Maria, bitte auch du für uns,

A: dass wir die Frucht der Erlösung am eigenen Leib erfahren.

14. Station – Jesus wird ins Grab gelegt

V: Deinen Tod, o Herr, verkünden wir,

A: und deine Auferstehung preisen wir.

Der leblose Körper Jesu ruht im Grab und harrt dem göttlichen Auferstehungswirken entgegen. Obwohl an ihm das unumgängliche Geschehen als Todeskandidat noch nicht vollzogen ist, lädt uns der Priester Delp ein, dem Glauben zu schenken, was in jeder Eucharistiefeier vollzogen wird.

„Und wieder lasst uns hinknien und bitten um die hellen Augen, die fähig sind, Gottes kündende Boten zu sehen, um die wachen Herzen, die kundig sind, die Worte der Verheißung zu vernehmen. Die Welt ist mehr als ihre Last und das Leben mehr als die Summe seiner grauen Tage. Die goldenen Fäden der echten Wirklichkeit schlagen schon überall durch. Lasst uns dies wissen und lasst uns selbst tröstender Bote sein. Durch den die Hoffnung wächst, der ist ein Mensch selbst der Hoffnung und Verheißung.“

Gebet: Jesus, das irdische Leben des Priesters Alfred Delp wurde wie deines von Menschen ausgelöscht. Dein Weg in den gewaltsamen Tod ist ein Bekenntnis der Hingabe und will für uns das Erlösungswerk Gottes fruchtbar machen. Du hast uns Menschen in deine Nachfolge berufen als Zeugen deiner Liebe und Treue bis in den Tod. Lass uns gestärkt durch die priesterliche Hingabe und die geistlichen Zeugnisse unseres Bruders Alfred Delp die Früchte der Erlösung – wie sie uns in den Evangelien und der Apostelgeschichte überliefert sind – den Menschen unserer Zeit erfahrbar machen und mit unserem ganzen Leben bezeugen.

V: Im Kreuz ist Heil,

A: im Kreuz ist Leben. Amen.

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Verfasser: Diakon Franz Ferstl

anlässlich des Priesterjahres 2009/10

und des diözesanen Prozesses „APG 2010“

Herausgeber: Referat der Erzdiözese Wien

für Mission & Entwicklung

Stephansplatz 6

Tel.: 01/515 52 DW 3355

Erhältlich: Materialstelle der Erzdiözese Wien

Stephansplatz 6, Innenhof, 1010 Wien

Tel.: 01/515 52 DW 3625

Fax: DW 3638, E-Mail: m.vogler@edw.or.at

Preis: € 1,50 (ab 20 Stück € 1,–) + Porto

Foto Umschlag: Kreuz und Altarbild, Pfarre Herz Mariä,

Wr. Neustadt. Das leuchtende Altarbild

zum Thema „Auferstehung“ ist vom Künstler

Prof. Florian Jakowitsch gestaltet.

Foto A. Delp: Jesuitenorden (auch: Kurzbiographie)

Zitate aus:

Christian Feldmann „Leben gegen den

Strom“, 2006, 2. Aufl., Herder-Verlag Freiburg

im Breisgau.

Wir danken dem Herder-Verlag sehr herzlich

für das kostenlose Abdruckrecht.

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2 Gedanken zu “P. Alfred Delp SJ

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