DIE DREI PERSONEN

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Trinität - Ikone v Ilian Rachov

Die Drei Personen
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Vater und Sohn

Der himmlische Vater hat einen Sohn; das Evangelium ist voll von dieser „verwandtschaftlichen“ Beziehung. Wir wollen sie jetzt näher betrachten, und beginnen mit der einfachen Feststellung:

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Löwen Mosaik
Die endliche Natur der Geschöpfe

Ein Sohn ist eine von seinem Vater verschiedene Person. Auf keine Weise kann ein Vater sein eigener Sohn sein. Aber obwohl sie verschiedene Personen sind, sind sie gleich in ihrer Natur: der Sohn eines Menschen ist ein Mensch, der Sohn eines Löwen ein Löwe. In unserem einzigartigen Fall ist des Vaters Natur unendlich; also muss auch der Sohn eine unendliche Natur haben. Aber es kann nicht zwei unendliche Naturen geben – die eine wäre begrenzt dadurch, dass sie nicht die andere wäre und über die andere nichts vermöchte. Wenn also auch der Sohn eine unendliche Natur hat, dann muss es ein und dieselbe Natur wie die des Vaters sein.

Diese Wahrheit, dass nämlich Vater und Sohn dieselbe Natur besitzen, würde uns völlig dunkel geblieben sein, wenn nicht Johannes uns einen anderen Ausdruck für ihre Beziehung mitgeteilt hätte: der Sohn ist das Wort des Vaters. In den 18 ersten Versen seines Evangeliums hören wir, dass Gott ein Wort gesprochen hat, ein Wort, welches Gott ist, bei Gott war, durch welches alles gemacht ist, das Fleisch wurde und unter uns wohnte. Gott also sprach ein Wort – nicht mit seinem Mund, denn natürlich hat Gott keinen Mund. Er ist reiner Geist. So ist es ein Wort in Gottes Geist, eine Idee.

Es ist die Idee, die Gott von sich selber hat. Ein Sohn und die Idee, die einer von sich selbst hat, haben etwas gemeinsam: Sie bringen Ähnlichkeit hervor. Mein Sohn ist mir ähnlich; meine Idee von mir selbst hat auch einige Ähnlichkeit mit mir – wenngleich die Ähnlichkeit unvollkommen sein mag, weil wir uns selten selbst ganz klar sehen; zuviel wird falsch, zuviel überhaupt nicht gesehen.

Aber die Idee, die Gott von sich selbst hat, kann nicht unvollkommen sein. Was im Vater ist, das muss auch in der Idee sein, die er von sich selbst hat, muss genau dasselbe sein. Sonst hätte Gott eine unvollständige Idee von sich selbst, und das wäre Unsinn. Weil also Gott unendlich, ewig, allmächtig ist, ist auch seine Idee von sich selbst unendlich, ewig, allmächtig. Weil Gott Gott ist, ist auch seine Vorstellung Gott. „Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott“ (Joh 1,1).

Bis hierher mag der Leser das Gefühl haben, dass das alles noch nicht viel mit ihm zu tun habe – zweifellos wichtig für Theologen, aber sonst sage es nicht viel. Mit dem nächsten Schritt, den wir unternehmen, muss dies Gefühl verschwinden. Der Vater erkennt und liebt; darum erkennt und liebt auch seine Idee von sich selbst. Mit anderen Worten: die Idee ist eine Person. Menschen haben Ideen, und jede beliebige Idee ist etwas: Gottes Vorstellung von sich selbst ist nicht nur etwas, sie ist Jemand; denn sie kann erkennen und sie kann lieben.

Der Denker und das Gedachte sind zweierlei, der eine ist nicht das andere, Vater und Sohn sind zwei Personen. Aber sie sind nicht getrennt voneinander. Etwas Gedachtes, eine Idee also, kann nur im Geist des Denkenden existieren; sie kann nicht, sozusagen, fortgehen und ein Leben auf eigene Faust anfangen. Das, was Gott von sich selber denkt, hat ein und dieselbe Natur wie er, denn der Vater hat nichts, was sein Wort, der Sohn, nicht hätte. „Alles was der Vater hat, ist mein“ (JOH 16,15). Jeder besitzt die göttliche Natur, aber jeder ist ganz er selbst, seiner selbst bewusst als seiner selbst, des Anderen als des Anderen.

Hier tut sich eine unmittelbare Schwierigkeit auf. Wir können kaum anders  als an Söhne denken, die jünger als ihre Väter sind. Wir können nicht umhin, uns Söhne jünger als ihre Väter vorzustellen. Ist die zweite Person jünger als die erste? Wenn nicht, wie kann der Sohn – Sohn sein? Aber hier befinden wir uns an einem Punkt, wo wir nicht vom Bild auf das Original schließen dürfen. Unter Menschen sind Väter immer älter als die Söhne, einfach weil der Mensch nicht im ersten Augenblick seiner Existenz auch schon zeugen kann; er muss warten, bis er sich selbst entwickelt hat, bis zu dem Zeitpunkt, wo er zeugungsfähig ist. Aber Gott muss nicht warten, bis eine bestimmte Menge Ewigkeit abgerollt ist und er sich genügend entwickelt hat. Ewigkeit rollt nicht ab; sie ist ein dauerndes Jetzt; und Gott ist unendlich in allen Vollkommenheiten, er hat es nicht nötig, sich zu entwickeln. Allein weil er Gott ist, kennt er sich selbst mit unendlichem Erkenntnisvermögen und spricht seine unendliche Selbst-Erkenntnis aus in der völlig adäquaten Idee seiner selbst, welche sein gleich-ewiger Sohn ist.

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Der Heilige Geist

Die Hervorbringung einer zweiten Person erschöpft den unendlichen Reichtum der göttlichen Natur nicht. Unser Herr spricht von einer dritten Person. Es gibt einen Geist, dem der Herr seine Jünger anvertrauen will, wenn er selbst zum Vater aufgestiegen ist. „Und ich werde den Vater bitten und er wird euch einen anderen Beistand geben, der für immer bei euch bleiben soll.“ (JOH 14,16). Der Geist ist, ebenso wie das Wort, eine Person, ein „Er“, nicht ein „Es“. „Der Beistand aber, der Heilige Geist, den der Vater in meinem Namen senden wird, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.“ (JOH 14,26).

Heiliger Geist
Heiliger Geist  –  Ausdruck der Liebe von Vater und Sohn

Wie wir schon gesehen haben, besteht ein ungeheurer und unmittelbarer Unterschied zwischen Gottes Idee und den Ideen, die wir Menschen haben. Seine Idee ist Jemand, unsere Ideen sind nur etwas. Mit einer Idee, die nur etwas ist, kann es keinen Austausch geben. Der Denker kann sie denken, sie kann ihn nicht denken; er kann ihre Schönheit bewundern, sie nicht die seinige; er kann sie lieben, sie kann seine Liebe nicht erwidern.

Aber Gottes Idee ist jemand und ein unendlicher Jemand; zwischen Denker und Idee findet ein unendliches Zwiegespräch statt, ein unendlicher Austausch. Vater und Sohn lieben einander mit unendlicher Intensität.

Was wir nicht wüssten, wenn es uns nicht mitgeteilt worden wäre, ist, dass sie sich vereinigen, um ihre Liebe auszudrücken, und dass dieser Ausdruck ihrer Liebe eine dritte göttliche Person ist. Im Sohn spricht der Vater seine Selbsterkenntnis aus; im Heiligen Geist sprechen Vater und Sohn ihre Liebe zu einander aus.

Ihre Liebe ist unendlich; der Ausdruck dieser Liebe kann nicht weniger unendlich sein. Unendliche Liebe drückt sich nicht auf endliche Weise aus; sie kann sich ebenso wenig unangemessen ausdrücken, wie die unendliche Erkenntnis eine ihr unangemessene Idee hervorbringen könnte. Jeder ergießt sich selbst ganz und gar in die Liebe für den anderen, ohne etwas zurückzubehalten – schon der Gedanke, dass etwas zurückbehalten würde, ist lächerlich. Wenn Sie sich einander überhaupt schenken, dann können Sie sich nur ganz und gar schenken – sie besitzen nichts als dieses Ganz und Gar! Die Liebe zwischen Vater und Sohn ist unendlich. Alle Vollkommenheit, welche Vater und Sohn zu eigen haben, hat auch sie – sie ist Gott, eine Person, ein Jemand.

So wie die eine große Tätigkeit des Geistes, das erkennen, die zweite Person hervorbringt, so bringt die andere Tätigkeit, das Lieben, die dritte Person hervor. Aber es ist sorgfältig zu unterscheiden: die zweite Person geht aus und wird hervorgebracht von der ersten Person allein; aber die dritte, der Heilige Geist, geht aus vom Vater und vom Sohn, die sich vereinigt haben, um ihre Liebe auszudrücken. Darum sagen wir im nizänischen Glaubensbekenntnis von Ihm: qui ex patre filioque procedit„der vom Vater und vom Sohne ausgeht“; und im Tantum Ergo singen wir: procedenti ab utroque – damit meinen wir Ihn, der von beiden ausgeht.

Wir haben eingesehen, wie brauchbar die Worte „Sohn“ und „Wort“ für die zweite Person sind. Warum nennen wir die dritte „Heiliger Geist“ ?

Hier wird das Wort „Geist“ am besten als „Atem“ verstanden. Atem ist die Grundbedeutung; „Geist“ kommt ursprünglich von Atem, weil Geist unsichtbar ist wie die Luft. In seiner ursprünglichen Bedeutung ist „Geist“ der Name der dritten Person – sie ist „der Atem“ oder „das Atmen“ zwischen Vater und Sohn.

Es ist der Name, mit dem unser Herr ihn benannt hat; und es ist mehr als ein Name, der bloß gebraucht wird, weil dieser dritte doch irgendwie benannt werden muss. Er hat eine tiefe Bedeutung. Denn Christus hauchte die Apostel an, als er sagte: „Empfangt den Heiligen Geist!“ (JOH 20,22) und als der Heilige Geist zu Pfingsten auf sie herabkam, vernahmen sie als erstes das Brausen eines mächtigen Windes.

Vielleicht wundern wir uns darüber, warum die dritte Person, in der sich die Liebe zwischen Vater und Sohn ausspricht, ihr Atem genannt werden sollte.

Beachten wir zweierlei. Nach allgemeiner Erfahrung wirkt Liebe auf das Atmen; es ist eine einfache Tatsache, dass der Atem des Liebenden schneller geht. Auch zwischen Atem und Leben besteht eine innige Beziehung – wenn wir zur Atmen aufhören, hört auch unser Leben auf. Im nizänischen Glaubensbekenntnis wird der Heilige Geist „der Herr und Lebensspender“ genannt. Die Beziehung zwischen Liebe und Leben ist nicht schwer zu erkennen, denn Liebe ist ganz und gar Geschenk – also schenkt sie auch Leben.

Noch ein letzter Hinweis. Wir sahen, dass die zweite Person an derselben Natur teilhat wie die erste, sowie ein Gedanke immer am Geist des Denkenden teilhat. Das gilt auch für die dritte Person: die Liebe von Vater und Sohn bringt eine neue Person hervor, aber noch innerhalb derselben göttlichen Natur und teilnehmend an ihr. Die Natur Gottes spricht sich dreimal gänzlich aus: als Denkender, als Gedachter, als Liebender.

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Gleichheit in der Majestät

Die Wahrheiten, die Gott uns über sein inneres Leben mitgeteilt hat, sind für uns nicht leicht zu erfassen und zu verstehen. Auf den ersten Blick geben Sie an Bedeutung gar nicht viel her. Ich kann den Lesern nur dringend empfehlen, die letzten Abschnitte mehrmals zu lesen, und daran erinnern, dass wir uns diese Arbeit nicht machen, um zu entdecken, dass in Gott drei Personen sind (das hat er uns selbst wissen lassen), noch weniger, um es zu beweisen (denn keine Anstrengung unserer Vernunft könnte es auch nur ein bisschen gewisser machen als Gottes eigenes Wort); nein, einfach, um mehr Licht in die Sache zu bringen und mehr erleuchtet zu werden.

Es ist kaum meine Aufgabe, den Leser zu drängen, er möchte um Verständnis beten. Ich kann nur die einfache Tatsache feststellen, dass wir ohne Beten kaum zum Verständnis kommen werden. Unsere Vernunft kann nicht Gottes Leben sozusagen im Sturm erobern; wir werden so viel sehen, wie Er uns sehen lässt.

Aber da wir gerade vom Beten sprechen, sei darauf hingewiesen, dass wir durch die Gebete der Kirche besondere Erleuchtung empfangen können, wenn wir versuchen unser neues Wissen in ihnen unterzubringen. Die Präfation von der Allerheiligsten Dreifaltigkeit ist beispielsweise ein Lichtschimmer, auch das Credo und einige der großen Hymnen, besonders das „Veni Sancte Spiritus“ und das „Veni Creator“. Kein Lehrbuch kann uns so gut wie das Missale belehren – vorausgesetzt, dass wir einiges Wissen mitbringen.

Nach allem, was wir nun gelesen und wieder gelesen und bedacht haben, können wir die erste rohe Skizze der Lehre über die heiligste Dreifaltigkeit weiter vervollständigen.

Wir haben schon einen Blick auf die irrige Vorstellung geworfen, dass Gottes Sohn Jünger sein müsste als sein Vater. Vater, Sohn und Heiliger Geist sind gleich ewig. Wir müssen uns davor hüten zu denken, das zuerst der Vater einen Sohn hatte und dann Vater und Sohn sich vereinigten, um den Heiligen Geist hervorzubringen – und wer weiß welche Person als nächste aus der unendlichen Fruchtbarkeit Gottes entstehen mag? Es ist keine Rede von einer Abfolge, denn in der Ewigkeit gibt es kein Nacheinander. Der Vater musste nicht warten bis er alt oder reif genug war, um einen Sohn zu zeugen, oder einsam genug, um sich einen zu wünschen. Er ist in Ewigkeit, in der Fülle des Lebens und der Kraft. Allein durch sein Sein erkennt er sich selbst, mit jener unendlichen Intensität des Erkennens, welche notwendig die Idee, den Sohn, hervorbringt.

Logos Wort Hauch Alles

Ebenso wenig müssen Vater und Sohn warten, bis ihre Liebe so gewachsen ist, dass sie sich in der dritten Person ausdrücken kann. Allein durch ihr Sein lieben sie sich mit der Fülle der Liebeskraft, allein indem sie sich so inständig lieben, drücken sie ihre Liebe aus: der Heilige Geist ist genauso unvermeidlich wie Vater und Sohn.

Wir haben die Worte „notwendig“ und „unvermeidlich“ gebraucht. Sie sind es wert, näher betrachtet zu werden. Möglicherweise erscheint der Sohn uns weniger wirklich, weil er eine Idee im Geist seines Vaters ist. Er ist, so empfinden wir es womöglich, schließlich nur ein Gedanke, während wir selbst nicht einfach Gedanken in Gottes Geist sind; wir existieren wirklich. Aber wir existieren nur, weil Gott es so will; wenn er wollte, dass wir nicht existierten, hörten wir auf zu sein.

Aber Er kann nicht wollen, dass die zweite Person nicht existiert, ebenso wenig wir Er wollen kann, dass sie existiere. Wir müssen uns das nicht so vorstellen, als ob der Vater im Gefühl, es wäre schön, einen Sohn zu haben, sich einen dächte, und der existierte dann – und als ob er ihn wieder hinweg denken könnte, wenn es ihm so in den Sinn käme. Die göttliche Natur fordert, dass der Vater sich auf solche Weise erkennt; einfach, weil er ist, was er ist, erkennt der Vater sich selbst, erzeugt die Idee von sich selbst; in der Existenz der zweiten Person ist nichts zufälliges, zwar Ursprung, aber nicht Abhängigkeit. Gott ist genauso notwendig sein Sohn wie er Vater ist.

Derselbe Gedankengang zeigt uns, dass der Heilige Geist ebenfalls notwendig existiert. Es gibt keinen Unterschied zwischen den Dreien hinsichtlich der Ewigkeit oder Notwendigkeit ihrer Existenz, keine Ungleichheit. Der Vater besitzt die göttliche Natur ganz aus sich allein, Er bekam sie von niemandem; der Sohn und der Heilige Geist besitzen sie, weil sie sie bekommen haben, aber sie besitzen Sie ganz und gar. Sie haben alles vom Vater bekommen, alles.

Um die Präfation vom Dreifaltigkeitsfest zu zitieren: „Was wir auf deine Offenbarung hin von Deiner Herrlichkeit glauben – wir glauben dasselbe auch von Deinem Sohn, dasselbe vom Heiligen Geist, ohne irgendeinen Unterschied. So beten wir im Glauben an die ewige und wahre Gottheit in den Personen die Verschiedenheit, in der Natur die Einheit, in der Majestät die Gleichheit an.

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Appropriation

Wenn wir den göttlichen Personen verschiedene Tätigkeiten zueignen, so entspricht das Gottes innerem Leben. Denn innerhalb der göttlichen Natur lebt, erkennt, liebt jede der drei Personen selbstständig und von der anderen unterschieden.

Aber wenn die göttliche Natur auf geschaffene Wesen einwirkt – auf uns zum Beispiel –, wirken die drei Personen zusammen. Vater, Sohn und Heiliger Geist erschufen gemeinsam die Welt und erhalten Sie, schaffen jede einzelne Seele und Heiligen sie durch Gnade. Es gibt keine nach außen wirkendes Tun der göttlichen Natur, welches das Werk einer einzigen Person wäre.

Trotzdem schreiben die Schrift und die Liturgie beständig gewisse göttliche Tätigkeiten dem Vater oder dem Sohn oder dem Heiligen Geist zu. Im Credo zum Beispiel ist der Vater der Schöpfer, der Sohn der Erlöser, der Heilige Geist der Heil- und Lebensspender. Dass der Sohn Erlöser genannt werden muss, ist klar; er wurde ja Mensch und starb, um uns zu retten.

Aber wenn nun alle drei Personen die Welt erschufen – warum wird dann nur der Vater Schöpfer genannt? Wenn alle drei Personen die Welt heiligen, warum heißt nur der Heilige Geist Heiligmacher? Warum – um einen theologischen Ausdruck zu gebrauchen – wird die Schöpfung dem einen appropriiert, die Heiligung dem anderen?

Lassen wir die Tatsache der Appropriation vor erst einmal gelten, so ist einleuchtend, dass sie so und nicht anders aussehen muss; dass es mit diesen verschiedenen Zuordnungen seine Ordnung hat. Innerhalb der göttlichen Natur ist der Vater der Ursprung; der Sohn und der Heilige Geist kommen beide von Ihm her. Die Schöpfung, durch welche die Welt entstand und durch welche jede einzelne Seele entsteht muss man besonders dem Vater zu sprechen. Hingegen ist innerhalb der göttlichen Natur der Heilige Geist Liebe, der Ausdruck der Liebe zwischen Vater und Sohn.

Logos Liebe Gnade Geist
Logos  >  Christus  >  Liebe  >  Geist  >  Gnade

Heiligung, Gnade – das sind Gaben, und Gaben sind das Werk der Liebe: Sie werden dem Heiligen Geist zugesprochen. Gnade ist eine geschaffene Gabe der Liebe; der Heilige Geist ist die ungeschaffene Gabe der Liebe. Durch die Gnade drücken Vater und Sohn ihre Liebe für uns aus, so wie sie ewiglich ihre Liebe für einander ausdrücken – im Heiligen Geist. Kann man der zweiten Person etwas ähnliches zu sprechen? Wie wir schon sahen, wird die zweite Person Erlöser genannt; aber nicht weil wir Ihm Erlösung zusprechen: Er erlöste uns ja in Wirklichkeit; es waren nicht Vater und Sohn und Heiliger Geist, die Mensch wurden und für uns starben, sondern allein der Sohn (die Erlösung war kein Werk der göttlichen Natur, sondern der menschlichen Natur, die Er zu der Seinigen gemacht hatte). Aber auch unser Herr Jesus hat etwas, was ihm zugeordnet ist.

Im Credo wird Gott der Vater Schöpfer genannt, und wir haben gerade gesehen, warum. Aber am Anfang des Johannesevangeliums scheint auch die zweite Person Schöpfer zu sein. Schöpfung, Urheberschaft, heißt: etwas ins Dasein gerufen, wo nichts war: das ist dem Vater zugeschrieben. Aber was ins Dasein gerufen wurde, war nicht ein Chaos, sondern ein in seinen Elementen geordnetes Universum; es war ein Werk der Weisheit und wird als solches der zweiten Person zugeordnet, dem Wort Gottes, das auf dem Weg der Erkenntnis vom Vater ausgeht. Die Ordnung des Universums und aller Lebewesen, die darin sind, wird speziell dem Sohn zugeschrieben; und wenn die Ordnung durch die Sünde in Unordnung verkehrt wurde, dann war es der Sohn, der Mensch wurde, um die Ordnung wiederherzustellen und der erlösten Menschheit eine neue Ordnung zu geben.

Aber wenn es nun auch so aussieht, als hätten wir jeder göttlichen Person die zu ihr passende Tätigkeit zugesprochen, so dürfen wir doch nicht blind sein dafür, dass in Wirklichkeit in all diesen Tätigkeiten alle drei Personen am Werke sind. Die Gnade kommt, so sagt unser Herr, durch die einwohnende Kraft des Heiligen Geistes in unsere Seelen; aber er sagt auch: „Wenn jemand mich liebt, wird er an meinem Wort festhalten; mein Vater wird ihn lieben und wir werden zu ihm kommen und bei ihm wohnen (JOH 14,23).“

In Wirklichkeit wohnen Sie alle drei bei uns. Warum dann überhaupt noch die Zuordnungen?

Damit, so könnte man argumentieren, die Unterscheidung der drei Personen unserem Bewusstsein immer gegenwärtig bleibt. – Wenn wir unterschiedslos von jeder göttlichen Tätigkeit bloß als von dem Wirken Gottes sprechen, oder von dem Werk der drei Personen, dann könnten wir dahin kommen zu meinen, dass doch kein richtiger Unterschied zwischen ihnen besteht, dass Vater, Sohn und Heiliger Geist nur einfach drei Arten sind, dasselbe zu sagen.

Aber die Zuordnung ist für uns eine beständige Erinnerung daran, dass sie verschieden sind; sie erinnert uns an den persönlichen Charakter eines jeden und daran, dass der Vater der Ursprung ist, der Sohn aus seiner Erkenntnis hervorgeht und der Heilige Geist aus seiner Liebe.

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Fortsetzung folgt !

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Link zur >>> Übersicht über alle Kapitel des Buches

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