12 Gründe dafür (1-3)

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Zwölf Gründe für die Beichte

12 Gründe oder warum die oftmals kritisch erlebte katholische Sexualmoral, selbst schmerzliche Verfehlungen von Kirchenmitarbeitern und Priestern, wie auch sonstige Beanstandungen der Institution Kirche kein Grund sind, das Sakrament der Versöhnung nicht wahrzunehmen.

Das ist eine heftige Ansage, aber es steht auch viel auf dem Spiel. Was passiert mit unserem Glauben, wenn wir manche der seit vielen Jahrhunderten bestehenden Sakramente der Kirche einfach ausblenden: Wo beginnt dies und wo endet es?

Für meine Person darf ich sagen, dass mir das Sakrament der Versöhnung vor einigen Jahren zum zweiten Mal geschenkt wurde. Die große Liebe Gottes, die mir in der Beichte (mit dem Beistand des begnadeten Beichtpriesters P. Bernhard Vošicky OCist aus dem Stift Heiligenkreuz) widerfahren ist – will ich versuchen als Zeugnis weiterzugeben.
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Wie aber lauten die Fragen, die von Menschen auf der Suche nach Versöhnung gestellt werden?

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(1) Eigentlich weiß ich gar nicht, was ich beichten sollte. Was ist überhaupt „Sünde“?

Die besonderen Zeugen unseres Glaubens – so auch Mutter Teresa – hätten sich jeden Tag beruhigen können, dazu wäre nur eine kleine Selbstbestätigung nötig gewesen: ‚Heute habe ich Menschen geholfen, also trage ich keine Schuld.‘ Wie Du aber im Einführungstext „Der Ruf Jesu“ gelesen hast, war die ‚kleine Ordensschwester‘ ganz groß im Beichten – und hat das Sakrament der Versöhnung sehr regelmäßig in Anspruch genommen.

Hast Du jemals einen Menschen getroffen, der klug und weise ist, und der allen Ernstes behauptet, er hätte immer alles richtig gemacht und trüge keine Schuld? Wozu die Heiligen eigentlich beichten gegangen sind, wo sie ja heilig sind, und keinerlei Heilung bräuchten? Du spielst den Neunmalklugen, der eigentlich keine Fehler begeht? Du meinst tatsächlich, den Weisen und Heiligen die lange Nase zeigen zu können?

Der Begriff der Sünde scheint ein wenig verstaubt zu sein und der ‚moderne Mensch der Vernunft‘ spricht gerne von „Projektion“. Wer diesem Ansatz folgt, meint also, die Kirche hätte die Schuldgefühle der Menschen willkürlich mit Gott in Beziehung gesetzt („projeziert“), wogegen die Fragen Deines Gewissens in Wirklichkeit nur mit Deinem eigenen, inneren und selbstzubestimmenden Leben zu tun haben?

Wer so denkt, leugnet die Existenz Gottes und tut so, als könnte die Nicht-Existenz Gottes nachgewiesen werden. Dass dieser Beweis nicht existiert, bestätigen ausgewiesene Atheisten wie Michael Schmidt-Solomon und andere, denken wir an die bekannte Formulierung: „Gott existiert mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht“. Mit anderen Worten: Die Frage der Existenz oder Nicht-Existenz Gottes lässt sich naturwissenschaftlich nicht beweisen.

In dem Moment aber, wo Du spürst und realisierst, dass es diesen Gott gibt oder zumindest geben kann, bist Du gefordert, und Deine Fragen an Ihn werden lauten: Woher komme ich, wer bin ich, wohin gehe ich – und wie gestalte ich die Beziehung zu Dir, meinem Schöpfer?

Kirche Kerzen Junge

Nachdem wir an dieser Stelle die Gottesfrage gestellt haben, können wir auch die Frage nach der Sünde beantworten: Wenn Du Dich von Gott entfernst, dann heißt das Sünde, und wenn Du Dich Ihm näherst, dann nennen wir das Liebe. Oder anders gesagt:

Alle Gedanken, Worte und Handlungen, die im Widerspruch zu Gottvater, zum Heiligen Geist Gottes und zu Jesus Christus stehen, sind als Sünde zu bezeichnen. Sünde ist die Zurückweisung Gottes, genauer gesagt der Liebe Gottes. Mit Gottes Liebe ist diejenige Liebe gemeint, die Er für Dich und für alle Menschen dieser Erde bereithält: Im Zentrum des Glaubens steht die Überzeugung, dass GOTT alle Menschen von Anfang bedingungslos gewollt und geliebt hat und immerfort liebt.

Du denkst darüber danach, ob es irgendeinen Grund geben könnte, Deinem Gott nicht zu nahe zu kommen? Vielleicht willst Du doch lieber den ‚aufgeklärten Vernunftmenschen‘ folgen? Aber wer gibt Dir letztlich die Garantie, dass Gott nicht existiert, und vor allem: dass Er von Dir nichts wissen will?

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(2) Wo sollte ich überhaupt mit dem Aufräumen beginnen?

Es gibt da eine praktische Regel: Beginne mit jenem Problem, das Du am Leichtesten benennen kannst. Dann arbeite Dich – mit Hilfe Deines Gewissens, oder auch während der Beichte mit Hilfe des Priesters – durch Dein Chaos hindurch. Mit jedem Schritt wirst Du spüren, dass immer mehr Ordnung in Dein Leben tritt. Lass Dir vom Priester helfen. Sag ihm offen, wo Du keine Ruhe in deinem Gewissen, keine Ordnung in deinem Leben schaffen kannst, und beantworte ehrlich seine Fragen.

Wann hast Du letzte Mal Ordnung bei Dir zu Hause gemacht – und wie hast Du Dich danach gefühlt? Kannst Du Dich ernsthaft darauf berufen, dass es gut ist, von Zeit zu Zeit Deinen Schreibtisch, das Wohnzimmer, den Keller, den Dachboden – was auch immer aufzuräumen, aber Dein Innenleben und Deine Seele verstauben zu lassen?

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(3) Vergebung kann ich auch anders, jedenfalls aber später erwirken!

Wie schon im ersten Beitrag „Das große Geschenk Gottes“ erwähnt wurde, hast Du verschiedene Möglichkeiten, Vergebung zu erwirken. Die Rede ist von der sogenannten „fortwährenden Buße“. Dazu gehören das Vollbringen von Werken der Barmherzigkeit, der Besuch von Bußgottesdiensten, das Lesen der Heiligen Schrift, der Empfang der Heiligen Kommunion, und im eigenen Leiden die Vereinigung mit dem Leiden Christi zu suchen.

Die „Werke der Barmherzigkeit“ (KKK 2447) sieht unsere Kirche weniger als eigene Verdienste, sondern als das Wirken Gottes in uns („Früchte des Heiligen Geistes“). Zu den geistlichen Werken zählen die Unwissenden zu lehren, die Zweifelnden zu beraten, die Trauernden zu trösten, die Sünder zurechtzuweisen, den Beleidigern gern zu verzeihen, die Lästigen geduldig zu ertragen, für die Lebenden und Verstorbenen zu beten. Die leiblichen Werke umfassen Hungrige zu speisen, Obdachlose zu beherbergen, Nackte zu bekleiden, Kranke zu besuchen, Gefangene zu besuchen, Tote zu begraben und Almosen zu geben…

Wenn Du also meinst, es sei so einfach, ohne Beichte und auf andere Weise Vergebung zu erreichen, dann wirst Du das sehr schnell als Illusion begreifen.

Es wäre nun nicht richtig, eine Form der Buße gegen die andere auszuspielen – so gesehen sind alle Formen gut. Andererseits gibt es die besondere Ermächtigung der Nachfolger Jesu zur Sündenvergebung „Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert“ (JOH 20,23). Zudem ist die Beichte ein ganz besonderes „Werkzeug“ für Selbsterforschung und Heilung, daher kann die Empfehlung sicher nicht lauten, alles andere zu tun, nur nicht das Sakrament der Versöhnung wahrzunehmen!

Wenn Du also die Beichte für Dich ausschließen willst, dann bleibt Dir die ganz lange Liste der oben genannten Bußleistungen – oder Du lässt Dein Sündenkonto wachsen und verschiebst überhaupt alles auf später.

Aber ernsthaft: Hast Du schon jemals von Menschen, die in guten Beziehungen der Ehe und der Freundschaft lehen, gehört, dass sie ihre Probleme auf die lange Bank schieben? Sind das nicht genau die Menschen, die uns damit beeindrucken, dass sie für den anderen ganz besondere Dinge tun? Dass sie rasch etwas tun, und dabei in Liebe handeln?

Wie also kommst Du auf die Idee, in Deiner wichtigsten Beziehung – zu Deinem Schöpfer – anders zu handeln? Ihn, der Dich von allem Anfang an gedacht, geliebt und gewollt hat, willst Du einfach stehen lassen?

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Hier im >>> nächsten Abschnitt stecken das so umstrittene Thema der Sexualmoral von Gesellschaft und Kirche, sowie die Fragen wie weiß ich, ob ich tatsächlich eine Sünde begangen habe? und warum soll ich mich eigentlich einem Priester anvertrauen?„.

Bleib dran!

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5 Gedanken zu “12 Gründe dafür (1-3)

  1. „Die Frage der Existenz oder Nicht-Existenz Gottes lässt sich nicht beweisen!“
    Bemerkenswert, dass das vielen Gläubigen so wichtig ist.
    Als könnte man genau das Gleich nicht ganz genau so auch über Superman, Kobolde, Charles Darwin oder Angela Merkel sagen.
    Beweise gibt es eben nur in der Formallogik.

    1. Danke für Deinen Kommentar!

      „Die Frage der Existenz oder Nicht-Existenz Gottes lässt sich nicht beweisen! –
      Bemerkenswert, dass das vielen Gläubigen so wichtig ist.“

      Es ist Gläubigen – die ich in meinem Leben kennengelernt habe – in keinster Weise wichtig. Es ist natürlich genau umgekehrt: Atheistisch orientierte Wissenschaftler wie Richard Dawkins und Michael Schmidt-Salomon (um die brititischen und deutschen Frontmänner mit Namen zu nennen) behandeln diese Frage, als ob die Überzeugungskraft ihrer gottablehnenden Geisteshaltung von dieser Frage abhinge.

      Mein Hinweis im Zusammenhang mit dem Sakrament der Versöhnung erklärt sich aus dem Sündenbegriff, der ohne Gott keinen Sinn macht. Mit den etwas lahmen Atheistenerklärungen zum Thema Gott will ich zeigen, dass die Gottesbeziehung für jeden Menschen (ob gläubig oder ungläubig) relevant ist, eben weil Gott mit wissenschaftlichen Methoden nicht endgültig aus dem Weg geräumt werden kann…

      Dass Atheisten angesichts dieser Argumentation gerne davon sprechen, dass sie ebensogut an das fliegende Spaghettimonster glauben könnten, ist hinlänglich bekannt, aber es scheint mir im Hinblick auf den Tod keine besonders befriedigende Haltung – denn über die Reaktionen des FSM auf Verstorbene ist eher wenig bekannt…

      Wenn nun für den einen oder anderen Nichtgläubigen das Nachdenken über das (Multi?-)Universum dazu führt, zum Glauben an einen Schöpfer zu finden, dann soll er/sie wissen, dass der christliche Gott der Liebe für alle Menschen da ist – er hat sogar seinen einzigen Sohn gesandt.

      Wie weit diese Liebe geht, zeigt die Dreieinigkeit: Für die Erlösung wird keinem Menschen auch nur ein Haar gekrümmt, denn der Vater opfert seinen Sohn, um schließlich den heiligen Geist zu unserem Beistand zu senden…

      1. Ich glaube, da haben wir uns argumentativ verpasst. Ich wollte zum Ausdruck bringen, dass du dein Ziel verfehlst, wenn du darauf hinweist, dass Gottes Nichtexistenz sich nicht beweisen lasse.
        Das hat er nämlich, wie gesagt, mit Grobi, Shiva und Cthulhu gemeinsam, zu denen du mutmaßlich auch keine relevante Beziehung unterhältst, so wie ich zu deinem Gott.
        Es gibt im logischen Sinne keine Beweise in der Realität, es gibt Belege, und es gibt mehr oder weniger hohe Wahrscheinlichkeiten für die Wahrheit unserer Annahmen.
        Behauptungen sind dann glaubhaft, wenn sie mit Belegen aufwarten können.
        Insofern ist die atheistische Position schlüssig, denn an Belegen für Gottesbehauptungen fehlt es bisher.
        Insbesondere in Bezug auf den christlichen Gott gibt es nach meiner Einschätzung sogar mehr als genug Belege gegen seine Existenz, um nicht nur nicht an ihn zu glauben, sondern positiv davon überzeugt zu sein, dass es ihn nicht gibt. Aber das ist natürlich wieder eine andere Frage.

        1. Das ist schon richtig, dass ich argumentativ dort lande, wo der christliche Gott und ein anderer Schöpfergott gleichzustellen wären.

          Aber es sind weitere Schritte möglich, in meinem Fall solche des Glaubens. Wenn ich genauer betrachte, welcher Gott seine Schöpfung so behandelt, dass ein Glauben und Nachfolgen annehmbar wird, dann ist für mich kein anderer als der christliche Gott möglich.

          Jahwe ist kein ferner und unnahbarer Gott, sondern einer, der von Anfang an in direktem Kontakt mit seinem Menschenvolk steht. Dieses Volk berichtet neben den wunderbaren Erzählungen der Propheten von vielen Grausamkeiten und großen Gotteslästerungen – bis Gott einen weiteren und nie dagewesenen Schritt der Liebe setzt …und jetzt darf ich das Ende meines vorangehenden Kommentars zitieren:

          Wie weit diese Liebe geht, zeigt die Dreieinigkeit: Für die Erlösung wird keinem Menschen auch nur ein Haar gekrümmt, denn der Vater opfert seinen Sohn, um schließlich den heiligen Geist zu unserem Beistand zu senden…

      2. Eben. Und Glaube ist nun einmal keine besonders gute Methode, die Wahrheit herauszufinden. Auch Christen benutzen sie üblicherweise nur in einem einzigen Bereich…
        Ich könnte jetzt außerdem noch darüber reden, warum ich die christliche Idee von „Erlösung“ nicht nur unsinnig finde, sondern geradezu erschreckend unmoralisch, aber wahrscheinlich würde uns das zu weit vom Thema wegführen.
        Viel Spaß noch.

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