12 Gründe dafür (10-12)

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(10) Die Beichte bringt mich persönlich nicht weiter!

Gleich zu Beginn dieser Serie zum Thema „Beichten“ wird von der Beichte als großem Geschenk Gottes gesprochen. Ist also doch etwas drin für Dich, ganz konkret für Deine Person hier auf Erden? Ja! Neben der Erfahrung, durch das Sakrament der Versöhnung friedlicher und liebevoller mit Gott und den Menschen zu leben, gibt es da noch etwas.

Gabriele Kuby hat ein kleines Buch darüber geschrieben, das ich wärmstens empfehlen kann: „Selbsterkenntnis – Der Weg zum Herzen Jesu“, Fe-Medienverlag 2010. Die folgenden Gedanken entstammen diesem Büchlein.

Das Stichwort heißt also Selbsterkenntnis. Ist es nicht so, dass Du besser mit vielen Situationen zurecht kommst, wenn Du Dich einschätzen und kennengelernt hast? Wenn Du nicht wieder ungeduldig und ungezügelt aus Deinem  Lebens- und Gefühlschaos heraus handelst?

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Noch schwieriger scheint es zu werden, wenn wir durch Erfahrung lernen, dass der alte Adam – der Sünder in uns – auch nach wiederholter Beichte nicht gestorben ist: Er ist nach wie vor kräftig am Werk! Das ist aber weniger deshalb, weil wir nicht lernfähig wären, sondern weil das bzw. der Böse eine teuflische Freude daran hat, uns immer wieder stolpern zu lassen. Also muss ich das Wissen zulassen, möglicherweise oft zu scheitern, was wiederum viel leichter gesagt als getan ist.

Denn es gibt eine ganze Reihe an Blockaden der Selbsterkenntnis:

  • Bagatellisierung: War nicht wichtig, kann jedem passieren!
  • Ausnahme: Es war ein Ausrutscher, so bin ich gar nicht!
  • Beschönigung: War doch gut gemeint, ist ein Mißverständnis!
  • Rechtfertigung: Ich konnte gar nicht anders, bei dem was der andere mir angetan hat!
  • Empörung: Unmöglich! Ungerecht! So kann sich der Mensch nicht benehmen!
  • Herabsetzung: Der Mensch ist krank, er soll zum Psychiater gehen!
  • Anklage: Du bist schuld!
  • Verleumdung: Schlecht reden über die Person!
  • Verletzungsabsicht: Dem anderen schaden wollen!
  • Verletzung: Du machst dich zum Richter und schadest dem anderen wirklich!
  • Oder: Dulden, Schlucken, Selbstmitleid, Groll, Nachtragen…

Die Liste könnte erweitert werden, und doch reicht sie aus, so dass Du Dich wiederfinden kannst. Was immer die eigenen Strategien sein mögen, sie haben sich nicht in Staub aufgelöst, nachdem Du Dein Leben aufrichtig Gott übergeben hast. Das kann ein Schock sein, wenn man sich schon weit fortgeschritten auf der goldenen Treppe nach oben sah.

All diese Verhaltensweisen haben das Ziel, den eigenen hässlichen Eigenschaften nicht ins Gesicht schauen zu müssen, der Selbsterkenntnis aus dem Weg zu gehen: Ja, so bin ich.

Na großartig, denkst Du, jetzt soll ich diesen Eigenschaften ins Gesicht blicken, und das soll auch noch ein Geschenk Gottes sein! Genau hier sind wir am kritischen Punkt: Niemand wird hier auf Erden ganz und gar gut, oder perfekt, wie wir uns das in unserem gesellschaftlich fortschrittlichen Leben vielleicht vorstellen mögen.

Wie also wirst Du jemals zur Ruhe kommen können, wenn Du diesem lebenslangen Ringen mit Deinen Stärken und Schwächen nicht ins Auge schaust? Willst Du jedesmal, wenn wieder so ein Funken Selbsterkenntnis durchscheinen will, eine der obengenannten Strategien fahren, um diese Selbstererkenntnis nur ja zu verhindern? Wielange kannst Du dieses Spiel gewinnen?

Hier liegt also der Schlüssel zu einem versöhnlichen Leben mit Gott und den Menschen. Selbst wenn Du es jahrzehntelang schaffen solltest, mit Deinen Mitmenschen immer wieder ins Reine zu kommen, mit Gott bist Du deshalb nicht im Reinen. Warum auch, wenn Du Ihm nicht glaubst. Jetzt kommen wir (endlich) zum Geschenk.

Genau weil Gott um die Schwierigkeit der Selbsterkenntnis weiß, macht er Dir das größtmögliche Geschenk: Gott der Vater nimmt Dich genau so an, wie Du jetzt gerade bist!

Das ist das ewige Versprechen des ewig treuen Gottes, des Liebesgottes! Jesus liebt Dich so, wie Du bist! Glaube an dieses Versprechen! Es liegt nur an Dir: Willst Du es annehmen, dieses große Geschenk Deines Gottes?

Es ist nicht auszuschließen, dass Du in diesem Abschnitt einiges über Dich erfahren hast. Von wem aber kommen diese Worte? Von einem Menschen (Gabriele Kuby), von dem ich Dir (als persönliches Zeugnis) versichern möchte, dass er in einer tiefen Beziehung zu Gott steht. Wenn also die Verbindung mit Gott Dich so viel an Selbsterkenntnis gewinnen lässt, Dir so viel auf den Weg mit den Menschen Deiner Umgebung mitgibt, willst Du diese Möglichkeiten der Erkenntnis und Versöhnung weiterhin ausschlagen?

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(11) Jetzt habe ich schon öfter dieselben Sünden gebeichtet, Beichten ist doch sinnlos!

Sollten wir uns dabei ertappen, immer wieder dieselben Vergehen zu beichten, dann ist es höchste Zeit, diese „toten Wege“ nicht mehr zu betreten. Eine uralte Technik ist es, sich gedanklich dorthin zu versetzen, wo man schlussendlich tatsächlich weiter gehen möchte, in Frieden mit Gott und den Mitmenschen. Die Rede ist vom Vorsatz, bei dem wir zwei Arten unterscheiden.

Da ist zunächst der allgemeine Vorsatz, der notwendigerweise zur Reue dazugehört. Er besteht im ernsthaften Willen, (1) die Sünde nicht mehr zu tun, (2) die nächste Gelegenheit besonders zur schweren Sünde entschieden zu meiden und etwaige ungeordnete Lebensumstände zu ändern, und (3) falls ein Schaden entstanden ist, diesen nach Möglichkeit wieder gutzumachen.

Der besondere Vorsatz ist umfassender und ergänzt den allgemeinen Vorsatz. Er dient besonders dem Wachstum im geistlichen Leben und in der Nachfolge Christi. Wer Unkraut jätet, wird nicht nur die Köpfe abreißen, sondern dem Unkraut an die Wurzeln gehen. Der besondere Vorsatz besteht darin, dass man gezielt die wichtigsten persönlichen Fehler ins Visier nimmt und sie durch Wachsamkeit und Übung der geistlichen Tugenden überwindet.

Ich verstehe, Du denkst daran, einfach aufzugeben. Du bist nun mehrmals in dieselbe Falle getappt, also ist alles sinnlos. – Halt! Glaubst Du allen Ernstes, dass Du mit dieser Einstellung auch nur einen einzigen Schritt weiter kommst? Du willst Dir in 10 Jahren sagen: „Ja, ich habe diesen Fehler damals schon begangen, und habe einfach so weitergemacht“?

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(12) Die Beichte nützt nichts, denn nach der Beichte werde ich wieder sündigen!

Mutter Teresa brachte es auf den Punkt: „Wir gehen hin voller Sünden, und wir kommen von der Beichte ohne Sünden – aber als Sünder“. Trotz dieser Erkenntnis empfing Mutter Teresa jede Woche das Sakrament der Versöhnung. Warum nur?

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Lass uns einen Schritt zurückgehen. Wenn vom Angesicht Gottes die Rede ist, dann heißt es, dass wir das strahlende Licht Gottes gar nicht aushalten könnten. „Du kannst mein Angesicht nicht sehen; denn kein Mensch kann mich sehen und am Leben bleiben.“ (2.MOSES 33,20) Es muss ein so reines, helles, weißes Licht sein, das unsere Wahrnehmung und Vorstellungskraft sprengt.

Jetzt kommst Du ins Spiel. Stell Dir vor, wie Du als unreine, graue Seele in diesem weißen Licht des Himmels aussehen würdest – das wäre einfach unangemessen!

Das Sakrament der Versöhnung ist das einzigartige Geschenk, dass es Dir in Deinem Menschsein immer wieder ermöglicht umzukehren und rein zu werden.

In dem Moment, wo GOTT die Vergebung der Sünden (durch den Priester als Seinem Stellvertreter) ausspricht, ist Deine Seele weiß wie Schnee – und hinaufgehoben in das Reich Gottes.

Es ist zu wünschen, dass Du dieses Geschenk, diese Chance oft und öfter wahrnehmen möchtest. Du wirst sehen, dass die Beichte Dich verändert. Du wirst durch die Lossprechung anders von der Beichte zurückkommen, als Du hineingegangen bist. Du bist skeptisch? Dann versuche es!

Schließen möchte ich mit einem Zitat aus dem bereits genannten Buch „Selbsterkenntnis – Der Weg zum Herzen Jesu“ von Gabriele Kuby:

Jubeln Sie, lieber Leser, wenn Sie das nächste Mal eine Eigenschaft oder ein Verhalten in sich wahrnehmen, das Sie beschämt. Denn Jesus sagt uns: Ebenso wird auch im Himmel mehr Freude herrschen über einen einzigen Sünder, der umkehrt, als über neunundneunzig Gerechte, die es nicht nötig haben umzukehren (LUK 15,7).

Nimm Dir vor, bald zur Beichte zu gehen, das kann ich Dir wirklich empfehlen. Es gibt natürlich keine Garantie, dass alles gut läuft in Deinem Gespräch mit Gott. Sicher ist nur, dass Du sehr gute Chancen hast. Und über allem steht: Just do it for Jesus!

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Hier geht’s weiter:

Infos zum Ablauf der Beichte

Ein persönlicher Gewissensspiegel

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Ein Gedanke zu “12 Gründe dafür (10-12)

  1. Wichtige Anmerkung zur Beichte nach dem hlg. Johannes Eudes. 1601-1680
    Wer eine Todsünde absichtlich verschweigt, erhält statt der Lossprechung die ewige Verdammung.
    Wer eine Todsünde absichtlich verschweigt mit dem Vorwand, er will sie später bei einem fremden Beichtvater beichten, begeht Gottesraub u. verkauft seine Seele an den Teufel.
    Man soll sich seiner Sünden demütig, deutlich und vollständig anklagen.
    Demütig heißt ohne sich zu entschuldigen.seine Schuld zu verkleinern oder auf andere zu schieben.
    Man soll nichts verschweigen, was man als Sünde erkannt hat.
    Man muß seine Sünden im einzelnen bekennen mit dem erschwerenden Umständen.

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