12 Gründe dafür (4-6)

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(4) Wie weiß ich, ob ich tatsächlich eine Sünde begangen habe?

„Wenn Du – bei sorgfältig abwägender Erforschung Deines Innersten – nicht wirklich sicher bist, diese Sünde begangen zu haben,
dann kannst Du sicher sein, in diesem Punkt nicht gesündigt zu haben…

…und umgekehrt gilt, dass Du beim offenen und ehrlichen Umgang mit Deiner Seele am Ende unmissverständlich spürst,
wo und wie Du Dich von Gott entfernt und damit gesündigt hast.“

Dieser kurze Abschnitt stammt aus einem Impuls von P. Florian Calice zur „Unterscheidung der Geister“. Seine >>> Zusammenfassung des großen Werkes von Ignatius von Loyola ist sehr zu empfehlen.

Wenn Du tief genug in Dein Inneres blickst, weisst Du am Ende ganz genau, was mit Dir los ist – ist das nicht ungeheuer spannend? Den „Tatort“ (die Ursache) nicht irgendwo sondern im eigenen Selbst zu entdecken… okay, das hat etwas Bedrohliches. Aber wer – außer GOTT – gibt Dir die letzte Sicherheit, mit ein wenig gutem Willen in Deiner Seele tatsächlich herauszufinden, was auf die gute und was auf die schlechte Seite gehört?

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(5) Die Kirche hat wenig Ahnung vom Leben in der Gesellschaft und sicher kein Verständnis für heutige Formen des Ehe- und Sexuallebens!

Die Rede ist gerne von den so bezeichneten „Vertrauensbrüchen“ zwischen Kirche und Gesellschaft, auch hochrangige Kirchenverteter sehen bemerkenswerte Schwierigkeiten in den Entwicklungen seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil. Die Haltung der römischen Kirche zu Verhütungsmitteln und Abtreibung, aber auch das Verhältnis zu geschiedenen Wiederverheirateten ist für viele Menschen problematisch. Nicht zu vergessen ist dabei, dass kein Mensch dem anderen, kein Priester dem anderen, und kein Fall dem anderen gleicht: Es gibt keine plakativen Lösungen.

Ein Beispiel: Jeder Mensch wird einen Unterschied darin sehen, ob Verhütungsmittel deshalb genommen werden, um möglichst oft – vielleicht einhergehend mit der Vernachlässigung anderer Pflichten – intensive sexuelle Lust empfinden zu können, oder um nach vielen Schwangerschaften aus sozialen Gründen eine weitere Empfängnis zu verhindern. Die jeweilige „Entfernung von GOTT“ bzw. das Ausmaß der Verfehlung kann also sehr unterschiedlich sein.

In der Praxis Deines Beichtgesprächs wird es auch ein wenig darauf ankommen, wer Dir gegenüber sitzt – wobei immer uneingeschränkt gilt, dass der Priester nur Mittler ist, und Du im Beichtgespräch direkt mit Jesu Christus sprichst! Habe also Vertrauen!

Wie so oft ist es am besten, bei sich selbst anzufangen. Ganz besonders wichtig ist, wie Du Deine Handlungen im Verhältnis zu GOTT und deinen Mitmenschen siehst, wieweit andere von deinem Verhalten betroffen sind und was Du ihnen Versöhnliches anbieten willst, wie sich Deine Beweggründe darstellen, und wie Du angesichts deines Fehlverhaltens in Zukunft vorgehen willst.

Das heißt nicht, dass Du mit Gott oder dem Priester verhandeln kannst, aber mitentscheidend für den Ausgang des Beichtgesprächs ist Deine Bereitschaft zur Umkehr! Was als Vergehen erkannt wurde, kann nicht für zukünftige Handlungen weiterbestehen.

Nun kann es sein, dass Dir der vermittelnde Priester die Vergebung verweigert. Ist es das, was Dir Angst macht? Das ist einerseits verständlich, aber beim genaueren Überlegen wird doch eines klar: Wer hat denn gesagt, dass alle Sünden in dieser Welt vergeben werden?

Die sonstigen „Restrisiken“ des Lebens (u.a. Naturkatastrophen, Umweltbelastungen, Krankheiten) trägst du mit, aber in Deinem Leben mit Gott darf es kein Risiko geben?

Musst Du nicht soviel Stärke in Deinem Leben aufbringen, dass auch in Deiner Familie, bei Freunden und Bekannten nicht alles vergeben und vergessen wird? Fegefeuer und Hölle sind nur dumme Märchen? Den Satan oder das Böse gibt es nicht? Weil Gott die Liebe ist, muss Er alles vergeben?

Sollte das wirklich Deine Einstellung sein, musst Du Dir die Frage gefallen lassen, wie es in Deinem Leben als erwachsener Mensch aussieht. In unserem privaten und gesellschaftlichen Leben Verantwortung zu übernehmen heißt doch, auf die Umstände und Anforderungen zu antworten. Und wie sieht es im Verhältnis zum Schöpfer aus?

Gottes Anforderungen an uns Menschen sind der uneingeschränkte GLAUBE an seine Existenz, sein Wort, seinen Geist und seinen Sohn – und Du glaubst bei diesem Beitrag, den Du zu leisten hast, gibt es so etwas wie ein Anrecht auf Versöhnung? So etwas wie ein RECHT auf Vergebung auch in den schwierigsten menschlichen Situationen wie die der Abtreibung?

Die Vergebung im Namen Jesu Christi ist eine der ganz großen Liebesgaben Gottes – aber Vergebung geschieht nach unserem Glauben nicht in jedem Fall. Eines aber ist gewiss: Unsere HOFFNUNG hat einen Namen, den trostreichen und wahrhaftigen Namen JESUS CHRISTUS.

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(6) Warum muss ich mich für die Beichte einem Priester anvertrauen?

Versuchen wir, mit einem Bild an die Frage heranzugehen. Denke an eine Perlenkette: Wenn eine Perle herausgerissen wird, sind nicht nur die linke und rechte Nachbarperle davon betroffen, sondern die ganze Kette ist zerrissen. Mit der Sünde verhält es sich ganz ähnlich: Wenn Du jemanden beleidigst, ist nicht nur der Betreffende in Mitleidenschaft gezogen, sondern eine Gemeinschaft von Schwestern und Brüdern, die Gemeinschaft der Kirche.

Durch die Taufe bist Du Mitglied der Kirche als Gemeinschaft geworden – jede persönliche Sünde betrifft auch die Gemeinschaft. Der Priester, als Vorsteher dieser Gemeinschaft, ist der Vermittler der Versöhnung zwischen Dir und Gott, auch zwischen Dir und der Gemeinschaft. Er ist – als Nachfolger Christi – derjenige, der von Jesus ermächtigt wurde: „Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert“ (JOH 20,23). Am Ende bist wieder Du gefragt, in dem Du Buße tust im Gebet – und in der Beziehung zu dem, den Du (in Gedanken, Worten, Taten) geschädigt hast.

Jetzt mal ganz ehrlich – brauchst Du nicht auch ab und zu einen Anstoß von außen, um in die Gänge zu kommen? Bist Du verunsichert oder auch wütend, weil die Medien einmal mehr berichtet haben, dass ein paar wenige Priester ihrem christlichen Leben nicht gerecht werden? – Also erstens einmal solltest Du zu einem Priester Deiner Wahl gehen. Und zweitens denk daran, dass auch Dein Beichtpriester das Sakrament der Versöhnung regelmäßig wahrnimmt. Drittens treffen sich im Beichtgespräch mit dem Priester und Dir zwei Menschen, die vor Gott über das Sündigsein sprechen. Und letztlich sprichst Du gar nicht zum Priester, sondern in erster Linie zu Jesus Christus, der am Kreuz auch für Dich die Erlösung erwirkt hat – und Du willst dieses Geschenk der Versöhnung nicht annehmen?

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Im >>> nächsten Abschnitt reden wir darüber, ob Du wirklich alles beichten solltest, wieweit Dich die Angst, über die Vergangenheit nachzudenken, belastet, und ob nicht Entschuldigung und Buße bei Deinem Nächsten  zur Vergebung ausreichen.

Bleib dran!

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