UNTERSCHEIDUNG DER GEISTER

+Wer alles auf den Dienst Gottes richtet, für den ist alles Gebet. (Ignatius von Loyola)

Der strenge Geist des baskischen Gründers Ignatius von Loyola, der Gehorsam gegenüber dem Papst, die geistliche Ritterschaft gegenüber der Jungfrau Maria – vielmehr braucht es wohl nicht, um mit einer gewissen Skepsis auf Jesuiten zu reagieren. Andererseits handelt es sich um den heute weltweit erfolgreichsten Orden mit über 20.000 Ordensleuten vor allem in Südamerika und Indien. Zwei Vorschläge halte ich bereit, wie wir uns der Glaubenswelt der Jesuiten aktuell nähern können.

Da wäre einmal der 1934 in Bombay geborene Anthony De Mello. Er ist ein Beispiel für den jesuitischen Geist in der Wachstumsgesellschaft Indiens. „Wacht auf, werft den Ballast falscher Illusionen über Bord, um lieben zu können“, so lautet die Kurzformel seines Bestsellers „Der springende Punkt“ (Herder 2008).

Vor allem aber haben wir den 1491 geborenen Gründer der Gesellschaft Jesu, Ignatius von Loyola, dessen Glaubenslehre mich in den kürzlich absolvierten Exerzitien stark beeindruckt hat, und mit dessen Unterscheidung der Geister wir uns näher befassen wollen. Der Titel verliert schnell alles Beunruhigende (Stichwort: Geister), wenn wir uns den gedanklichen Ansatz des heiligen Ignatius vor Augen führen:

Ich setze voraus, dass es dreierlei Gedanken in mir gibt: solche, die mein eigen sind und allein meiner Freiheit und meinem Willen entspringen, während die beiden andern von außen kommen: der eine vom guten, der andere vom bösen Geist.

Ignatius von Loyola, Exerzitien, Nr. 32

Als treuer Jesuit ist Papst Franziskus sehr stark von dieser Spiritualität geprägt. Im Interview, das in „Civilta’ Cattolica“ erschienen ist, nimmt der Papst zu Fragen des Ordens und der Spiritualität Stellung:

Die Unterscheidung‘ ist eines der Anliegen, die den heiligen Ignatius innerlich am meisten beschäftigt haben. Für ihn ist sie ein Kampfmittel, um den Herrn besser kennenzulernen und ihm aus nächster Nähe zu folgen. Mich hat immer eine Maxime betroffen gemacht, mit der die Vision des Ignatius beschrieben wird: Non coerceri a maximo, sed contineri a minimo divinum est. Über diesen Satz habe ich auch im Blick auf die Leitung, auf die Erfüllung des Amtes des Superiors viel nachgedacht: sich nicht vom größeren Raum einnehmen zu lassen, sondern imstande zu sein, im engsten Raum zu bleiben. Diese Tugend des Großen und des Kleinen ist die Großmut, die uns aus der Stellung, in der wir uns befinden, immer den Horizont sehen lässt: tagtäglich die großen und die kleinen Dinge des Alltags mit einem großen und für Gott und für die anderen offenen Herzen zu erledigen. Das heißt – innerhalb der großen Horizonte des Reiches Gottes: viel übersehen, die kleinen Dinge aufwerten. Diese Maxime bietet die Parameter, um eine korrekte Haltung für die Unterscheidung einzunehmen, um die Dinge Gottes aus seinem ,Gesichtspunkt‘ zu sehen. Für den heiligen Ignatius müssen die großen Prinzipien in die räumlichen, zeitlichen und personellen Umstände eingefügt sein. Johannes XXIII. stellte sich auf diese Leitungsposition ein, als er den Grundsatz wiederholte: Omnia videre, multa dissimulare, pauca corrigere (Alles sehen, viel übersehen, wenig korrigieren). Denn auch wenn er alles, die großen Dimensionen, sah, meinte er, es nur mit Wenigem, in einer sehr kleinen Dimension, zu tun zu haben. Man kann große Projekte haben und sie verwirklichen, indem man auf wenige kleine Dinge als Grundlage setzt. Oder man kann schwache Mittel einsetzen, die sich als wirkungsvoller erweisen als die starken, sagt auch der heilige Paulus im ersten Korintherbrief. (Siehe die Fortsetzung des Zitas am Ende des dritten Teils dieser Darlegungen, III. Der geistliche Kampf)

Papst Franziskus, Interview in Civilta’ Cattolica, 19.9.2013

Nehmen wir aus den „Exerzitien“ nach Ignatius von Loyola drei Teile heraus, die uns beim Verständnis der ignatianischen Spiritualität helfen werden. Wobei ich meine persönliche Erfahrung gleich an den Anfang stellen möchte: Ohne ignatianische Exerzitien, ohne sich verpflichtend dafür Zeit zu nehmen, ohne das Durchleben der Übungen und Schwierigkeiten im Verlauf dieser Tage bleibt es bestenfalls beim Trockentraining – das musste einfach gesagt werden!

Nun aber zu den ausgewählten Abschnitten:

Die Unterscheidung der Geister

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>>> Einführung: Prinzip und Fundament
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>>> I. Das Ziel unseres Lebens
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>>> II. Die Regeln zur Unterscheidung
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>>> III. Der geistliche Kampf
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Anhang: Die Vita von IGNATIUS VON LOYOLA

Iñigo López Oñaz de Recalde y Loyola wurde als zwölftes Kind und jüngster Sohn einer baskischen Adelsfamilie im Schloss seiner Familie geboren. In seiner Jugend war er bis 1517 Bediensteter am Hof von Ferdinand V. von Kastilien in Arévalo. Er war ein Lebemann, kam mit dem Gesetz in Konflikt, wurde 1517 Offizier im Dienst des Vizekönigs von Navarra in Pamplona; sein Lebensplan war eine Karriere beim Militär. Dann zwang ihn eine steinerne Kanonenkugel, die ihn am 20. Mai 1521 bei der Verteidigung der Feste Pamplona gegen die Franzosen verletzte, für lange Zeit aufs Krankenbett zuhause im Schloss von Loyola. Während seiner Genesung las er religiöse Schriften wie das „Leben Christi“ von Ludolf von Sachsen und die Heiligenlegenden der legenda aurea, was neben mystischen Erlebnissen zu seinem Entschluss führte, sich einem geistlichen Leben zu verschreiben.

Nach der Genesung ging Ignatius im Februar 1522 ins Kloster auf dem Montserrat bei Monistrol, um dort in strenger Askese Klarheit über sich und sein weiteres Leben zu gewinnen und ab März 1522 für ein Jahr in Einsamkeit bei Manresa, wo er sich äußerster Armut aussetzte und ständig im Gebet vertieft war. Hier hatte er die gnadenhafte Erleuchtung, die ihn sein ganzes Leben prägte; er weihte seine Waffen der Jungfrau Maria, der er künftig als geistlicher Ritter dienen wollte. In jener Zeit entstand der Entwurf zum Exerzitienbüchlein „Exercitia spiritualia“ (Geistliche Übungen). Auf der Suche nach dem „gnädigen Gott“ fand er die Antwort in strenger Askese. 1523 / 1524 pilgerte er nach Jerusalem, es folgte das Studium an einer Lateinschule in Barcelona und an den Universitäten Alcalá de Henares und Salamanca. Zweimal hatte ihn die Inquisition wegen seiner Seelsorge an Frauen unter Verdacht und er wurde zeitweise ins Gefängnis geworfen; seine Freunde wandten sich von ihm ab, nur die Frauen blieben ihm treu. 1528 bis 1535 studierte er Philosophie und Theologie in Paris. Ziel seiner Studien war, „den Seelen zu helfen“.

Gegegenüber seinen Mitstudenten profilierte sich Ignatius, indem er ihnen geistliche Anleitungen gab. Mit den sechs Kommilitonen Petrus Faber, Franz Xaver, Rodriguez, Laynez, Salmeron und Bobadilla gründete er 1534 auf dem Montmartre in Paris eine fromme Bruderschaft mit den Gelübden der lebenslangen Armut und Keuschheit und dem Ziel der Missionsarbeit unter den Moslems im Heiligen Land – oder, falls dies unmöglich sein werde, sich dem Papst zur Verfügung zu stellen. Sie gelobten, „uns in Armut dem Dienst Gottes, unseres Herrn, und dem Nutzen des Nächsten zu widmen, indem wir predigen und in den Spitälern dienen“. Wieder verdächtigte ihn die Inquisition, diesmal mit dem Verdacht, er sei Anhänger Luthers; es folgten Verhöre, Haft, schließlich aber der Freispruch. Gemeinsam mit seinen Gesinnungsgenossen wurde Ignatius 1537 in Venedig zum Priester geweiht.

Da der Plan zu missionarischer Tätigkeit in Palästina wegen des Krieges zwischen Venedig und den Türken scheiterte, begab sich die Bruderschaft nach Rom. Unterwegs hatte Ignatius eine Vision: Gott selbst bat Jesus, Ignatius als Knecht anzunehmen, dieser stimmte zu und in Ignatius flammte eine starke Zuneigung zum Namen Jesu; seine neue Gemeinschaft nannte er fortan „Gesellschaft Jesu“ (Jesuiten), das Volk bezeichnete die Pariser Professoren als „Pilgerpriester“. Die Freunde wirkten nun seelsorgerlich und predigend in Vicenza, Padua, Ferrara, Bologna, Siena und Rom. 1538 nahm Papst Paul III. das Angebot der neuen Gemeinschaft, ihn zu unterstützen, an. 1539 erfolgte die formelle Ordensgründung; zu den üblichen Gelübden der Keuschheit, der Armut und des Gehorsams gegenüber dem Abt kamen die Verpflichtung, den Katechismus zu lehren und dem Papst absolut gehorsam zu sein, d. h. ihm dort zu dienen, wo er es beauftragt. 1540 wurde der neue Orden von Papst Paul III. bestätigt – zunächst mit der Auflage, maximal 60 Mitglieder zu haben, die aber 1543 aufgehoben wurde. 1541 wurde Ignatius zum „Präpositus“, zum Generaloberst des Ordens gewählt. Während dieser Zeit verfasste Loyola die „Großen Ordensregeln“, die aber erst nach seinem Tod fertiggestellt wurden. 1545 erhält der Orden die Genehmigung, auch ohne Erlaubnis der Ortsgeistlichen predigen zu dürfen.

1548 vollendete Ignatius die „Geistlichen Übungen„; die Grundgedanken stammen aus der Zeit seines Einsiedlerlebens, Vorbild waren die 1500 erschienenen Übungen für das geistliche Leben des spanischen Abtes Garcia de Cisneros. Das Werk ist im Wesentlichen ein Leitfaden zur Meditation und religiösen Unterweisung. Vier Abschnitte regeln den Ablauf der täglichen Übungen, die zum Leben in Frömmigkeit führen sollen. Am Ende dieser Exerzitien steht der „miles christianus“, der „Christenritter“, der durch blinden, gläubigen Gehorsam gegenüber der Kirche den Verlockungen der Reformation widersteht. Starre Regeln innerhalb der Gemeinschaft wie einheitliche Ordenstracht oder feste Gebetszeiten kennt der Orden nicht. 1552 wurde in Rom das Collegium Germanicum gegründet mit der Zielrichtung, Martin Luthers Lehren zu bekämpfen.

Ab 1553 verfasst Gonzales de Camara Ignatius‘ Lebenserinnerungen, während dessen Gesundheit immer mehr abnimmt. Neben den „Exerzitien“ und den Ordenskonstitutionen hinterließ Ignatius Fragmente eines „Geistlichen Tagebuches“, den autobiografischen „Pilgerbericht“ sowie über 6800 Briefe. Ziel allen Handelns in der Welt und des Gebetes gleichermaßen ist: „Gott finden in allen Dingen„. Nachfolge Christi ist Dienst am Menschen und in der Kirche. Um in einer existentiellen Entscheidung, der „Wahl“, den Willen Gottes anzunehmen, braucht es die Fähigkeit zur „Unterscheidung der Geister“. Mystik und Askese, Gehorsam und Freiheit, Aktion und Kontemplation sind die dialektischen Pole rechter Glaubenspraxis

Vor seinem Tod wünschte Ignatius, von Papst Paul IV. den letzten Segen zu erhalten, obwohl er wusste, dass dieser ihm nicht wohl gesonnen war. Der Sekretär von Ignatius nahm die Bitte nicht ernst, da er nicht an sein baldiges Ende glaubte. Doch in dieser Nacht starb Ignatius, ganz allein, ohne päpstlichen Segen und ohne Sterbesakramente. Der Orden umfasste nun rund 100 Häuser in 12 Provinzen.

Der Jesuitenorden war die Antwort auf das Zerbrechen des geschlossenen, unhinterfragt gültigen Systems der katholischen Kirche im Spätmittelalter. Kirche und Gesellschaft waren nun in verschiedene Bereiche auseinander gefallen, die Jesuiten machten sich nun zur Aufgabe, aus dem Getto der treu Gebliebenen auszubrechen und in der – nicht zuletzt oft von der Reformation neu geprägten – Gesellschaft für die Lehre der Kirche zu streiten. Hierzu gehörte dann auch die breitgefächerte Tätigkeit in der Mission im Zuge des Kolonialismus. Die Ausbreitung des Ordens erfolgte sehr schnell, beim Tod des Ignatius zählte er bereits 1000 Mitglieder. Sein Wahlspruch: „omnia ad maiorem Dei gloriam“ – Alles zur größeren Ehre Gottes.

Das monumentale Grab von Ignatius befindet sich in der Kirche del Gesù in Rom; die Erdkugel über dem Altar ist aus dem größten je gefundenen Lapislazuli gefertigt. Ignatius‘ Geburtsort Schloss Loyola ist heute das große Kolleg San Ignacio, dessen Gründung auf eine Schenkung von Königin Marianne von Österreich zurückgeht. Erhalten sind dort das Geburts- und das Krankenzimmer von Ignatius. Der Brauch des Ignatius-Wassers wurde 1866 von Papst Pius IX. ausdrücklich bestätigt: Wasser wird geweiht, indem Gebete des Ignatius darüber gesprochen oder Reliquien eingetaucht werden, es hilft gegen Krankheiten, insbesondere bei Pestepidemien.

Kanonisation: Ignatius wurde am 3. Dezember 1609 von Papst Paul V. selig- und 1622 von Papst Gregor XV. heiliggesprochen. Für diese Feier wurde eigens die Kirche S. Ignazio erbaut.

Attribute: IHS-Zeichen, drei Nägel, flammendes Herz, Drache, Weltkugel

Patron der Exerzitien und Exerzitienhäuser; der Kinder, Schwangeren und Soldaten; gegen Fieber, Zauberei, Gewissensbisse, Skrupel, schwere Geburt, Viehkrankheiten, Pest und Cholera.
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Die Vita stammt aus dem Ökumenischen Heiligenlexikon.

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2 Gedanken zu “UNTERSCHEIDUNG DER GEISTER

  1. Danke für diese schöne Vita! Ich hatte auch die Freude, vor 4 Jahren die Großen Exerzitien im Alltag zu machen, die mich sehr geprägt haben. Es ist auch sehr bereichernd, die Vita von Mary Ward anzusehen, die ja für ihre Anhängerinnen- früher hießen sie „Englische Fräulein“- seine Regel annehmen wollte. Das wurde ihr verweigert, sie wollte auch außerhalb der Klausur wirken und Mädchen bilden- nicht nur für den Haushalt- etwas ganz Neues zur damaligen Zeit. Ein sehr spannendes Leben!

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