Hinführung zum Bittgebet

Eine geistliche Betrachtung des Bittgebets

Glaube ist das ernsthafte und unverstellte Sich-Einlassen auf den lebendigen Gott Jesu Christi. Das Bittgebet ist dafür eine Art Testfall. Aus den vielschichtigen Fragen zum Thema Bittgebet wollen wir nur einige Aspekte auswählen, die uns nicht selten Schwierigkeiten bereiten und deren Durchleuchtung für unser Gebet hilfreich sein kann.

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Ein erster Zweifel, der das Bittgebet manchen fragwürdig erscheinen lässt, kann hinsichtlich der alltäglichen Gewöhnlichkeit der Bitte aufsteigen. Stehen wir vor den kleinen und großen Brüchen unseres Lebens, so können uns plötzlich Unsicherheit und Versagen überfallen. Irgendein Gefühl der Unangemessenheit stellt sich ein, wo der große Gott, der ganz Andere, in die verschiedensten konkreten Dinge des eigenen Lebens hineingezogen werden soll, wo er gleichsam mit Problemen belastet wird, die doch, von uns her gesehen, in unserer Zuständigkeit und Verantwortung liegen. Vielleicht meinen wir sogar, Gott diene als Alibi für die eigene Trägheit und Verantwortungsschwäche.

Welchem Gottesbild hängen wir an? Wie sehen wir uns selbst? Wie schaffen wir den Umstieg von der Heiligen Messe mit ihren unbeschreiblichen Geheimnissen und festen Ritualen zu unseren frei zu formulierenden Gebeten? Ist Gott wirklich unser Ansprechpartner für die Stolpersteine, die inmitten unserer kleinen Lebenswege auftauchen, auch wenn diese Steine aus unserer Sicht ganz ungeheure Herausforderungen und Schmerzen bedeuten?

Das Leben und Wirken Jesu zeigt uns einen ganz anderen Gott. Oder hat Christus nur die großen Probleme bedeutender Heiliger gelöst? Nein, Jesus hat Wein für die Hochzeitsgäste zu Kanaa sowie Brot und Fisch für ganz gewöhnliche Sterbliche bereitgestellt. So richten wir unsere Bitten an Gott, der den Menschen nicht nur allgemein vor Augen hat, sondern ihn auf dem kleinen Weg des Alltags und in der konkreten Mühsal seines Lebens anschaut und begleitet. Gott hat durch seine Menschwerdung den Gläubigen eine unendliche Vielfalt von Bitten eingeräumt, die aus unsere brüchigen, fragmentarischen und alltäglichen Existenz aufsteigen.

I. Bitten als Ausdruck der Freundschaft mit Gott

„Das ist die Gnade Gottes gegenüber dem sündigen Menschen, dass er gerade ihm als „erhörlicher Gott“ begegnet, dass er ihn nicht nur zur Demut des Knechtes und nicht nur zur Dankbarkeit des Kindes, sondern zur Vertraulichkeit und Kühnheit des Freundes beruft“ (Karl Barth). Als ein bittender Freund nimmt der Mensch an der Herrschaft Gottes teil. Darin gibt Gott dem Menschen eine unersetzbare Würde, achtet er ihn in seiner Freiheit.

Erleben wir nicht in verschiedenen Situationen, dass die Bitte im Unterschied zum Dank Verhaltensweisen eigener Art einschließt? Wir können für eine Gabe oder einen erwiesenen Dienst danken, jedoch meist nicht fraglos darum bitten. Wir überlegen uns deshalb oft zögernd, was wir von wem erbitten dürfen und können. Offensichtlich verlangt eine Bitte nach dem Maß ihrer Größe eine besondere Basis des Vertrauens, weil sie den Gebetenen in tieferer Weise engagiert, in seiner Güte und Hilfsbereitschaft zentraler aufruft.

Und umgekehrt können wir erfahren, dass die menschlichen Beziehungen dort stagnieren, sich rückbilden oder sogar absterben, wo nichts mehr in Forderung und Bitte verlangt werden kann. Warum eigentlich? Weil hier, in der freundschaftlichen Beziehung, durch die Zumutung zu helfen, die Tragfähigkeit von Vertrauen ernsthaft geprüft wird.

Etwas ganz Ähnliches geschieht im bittenden Beten. Es verlangt ein Vorwagen, das mit Gott nicht in einer Art von scheinbarer Demut umgeht, sondern freimütig den Weg auf die Mitte Gottes, seine geoffenbarte Liebe in Jesus Christus einschlägt. Denn das Reich, um das wir bitten, kommt nicht für die Passiv-Wartenden, sondern für die ungeduldig ihm Entgegendrängenden. Solche Ungeduld wagt sich in der Bitte vor.

Die Zumutung der Bitte lebt aus dem glaubenden vorausgesetzten Vertrauen, dass der angesprochene und aufgerufene Gott von sich her ewig den ersten Schritt auf uns zu, in uns hinein schon getan hat. Unser Mut, Gott zu bitten, lebt so aus dem gläubigen Wissen um diesen ersten Schritt, lebt aus dem Dank für das, was wir schon empfangen haben. Eben deshalb, weil wir schon empfangen haben, sind wir selbst im Bitten-Können auf den Schenkenden hin aufgebrochen, sind wir zur Zumutung der Bitte befreit. „Jede Bitte“, so sagt Gerhard Ebeling, „ist deshalb zu beten als schon erfüllte Bitte, als ein Nicht-Zweifeln an dem, was schon geschehen ist, als ein im Danken gründendes Bitten um das Bleiben bei dem, was schon begonnen hat“.

Aber weshalb dann noch unsere Bitten? Warum will der Gott, der uns schon alles gegeben hat und alles Gute uns ohnehin zu geben bereit ist, noch darum gebeten werden? Gewiss, man könnte die Antwort so geben: Die Bitte will nicht etwas bei Gott erwirken, sondern will uns dahin bereiten, das zu empfangen, was Er uns geben will. Sie wäre darin für uns eine Schule der Demut, der Erkenntnis der eigenen Ohnmacht und Nichtigkeit, eine Einübung in das Ja des Hilfsbedürftigen zum Empfangen.

II. Bitten als Einüben des Vertrauens in Gott

Gott im Gebet um etwas zu bitten, kann uns auch deshalb schwer fallen, weil er anscheinend sehr selten, wenn überhaupt einmal, unsere Gebete erhört. Das ist – worauf C. S. Lewis einmal hinwies – umso anstößiger, als uns das Evangelium selbst überschwengliche Hoffnung auf Erhörung macht. Wenn man in diese Schwierigkeiten gerät, muss man sich daran erinnern, dass das christliche Bittgebet eigenen Regeln zu folgen hat: dass wir lernen und immer wieder neu lernen müssen, welcher Art das Heil ist, das dem Glaubenden verheißen ist. Christliches Bittgebet ist nicht ein Gebet nach eigenem Gutdünken, es folgt nicht unbedingt und in allem unseren spontanen, natürlichen Bedürfnissen.

So wenig wir nach einem Satz des hl. Paulus wissen, worum wir in rechter Weise bitten sollen (Röm 8, 26), so wenig können wir darüber hinaus wissen, wie Gott antwortend auf unsere Bitte eingeht. Wie sollen wir, unseren Vorstellungen von Gott und unseren aus vielerlei Quellgründen stammenden Wünschen und Hoffnungen überlassen, richtig und mit Vertrauen auf Erhörung beten können?

Die erste Intention der Bitte geht darum, genau gesagt, nicht auf Etwas, sondern auf Jemand. Es ist nicht die Hilfe, die wir von Gott zuerst erbitten; Hilfe ist selbst schon etwas Zweites, etwas Abgeleitetes. Wir bitten zuerst um Gott selbst, seine Liebe, seine Huld, sein Leben. Er möge sich uns erschließen, möge sich uns mitteilen. Er möge unserem Lebenswillen, der sich in der Bitte ausspricht, mit seinem eigenen Leben entgegenkommen. Jeder Gebetsgegenstand, welcher Art auch immer, vom spirituellsten bis zum materiellsten, schwingt so innerhalb dieser Bitte um Gott selbst.

Es gibt nur ein Gut, das mit unbedingtem Gewicht begehrt werden darf und kann: Gott selbst, wie er sich uns und allem, was geschaffen ist, in Christus, dem Gekreuzigten und Auferstandenen, endgültig zugewandt hat. Dieser Bitte allein ist unbedingte Erhörung verheißen. Jesus hat uns nicht die Erfüllung beliebiger Bitten versprochen, sondern nur jener, die in seinem Namen vorgebracht werden (Joh 16, 23). Das Vorzeichen und der Grund jeder Bitte an Gott ist darum Jesu Mahnung: „Suchet zuerst Gottes Reich, und alles andere wird euch hinzugegeben werden“ (Mt 6, 33). Bittgebete haben ganz wesentlich mit Vertrauen zu tun: Gott hält die Welt nicht bloß in einem letzten Verstande im Lot, sondern Er hält und lenkt sie und mein Leben in ihr stündlich mit seiner Liebe.

Wenn man freilich die konkrete Praxis des Bittens ansieht, so stellen sich die Dinge scheinbar anders dar. Wo die wirkliche, alltägliche Realität des Bittens gedacht und gesehen wird, da stellt man gleich fest, wie diese Balance von „Bitte um Gott“ und der „Bitte um ein konkretes Anliegen“ ständig gefährdet ist. Was ist es, was eine(n) flehentlich bittende(n) Mutter/Vater im Innersten beherrscht: die Gesundung ihres Kindes oder das Reich Gottes?

Natürlich geht es den Eltern zunächst um die Gesundheit ihres Kindes und nicht primär um das Reich Gottes; und dennoch – wenn nur aus dem lebendigen Glauben heraus gebetet wird – schwingt in diesem Beherrschtwerden von der unmittelbaren Not das unausgesprochene Vertrauen mit, dass Gott, auch innerhalb dieser erlebnismäßigen Vorordnung des partikulären Anliegens, als der Fürsorgende und Hilfreiche walte. Die Tatsache allein, dass sich ein solcher Mensch an Gott wendet und seine Zuflucht im Schrei einer Bitte konkretisiert, ist selbst das Bedeutsame, die Tiefendimension, die erfahrungsmäßig vielleicht nicht bewusst, aber doch vorhanden ist.

An der Art nun, wie der Bittende sich zur Antwort, zur Tatsache der Erfüllung bzw. Nichterfüllung verhält, wird sich nochmals der spezifisch christliche Glaube ausweisen. In der verweigerten Gesundheit, im zerbrochenen Vertrauen, in zerhagelten Feldern – alles Inhalte einer Bitte – nochmals eine Antwort Gottes zu sehen, gelingt wohl ohne Einschränkung nur dem tief Glaubenden. Ihm kann es in der Tat gegeben sein, in der verweigerten Erfüllung nochmals eine Antwort Gottes zu sehen und sie in seinem Leben so anzunehmen und zu integrieren, dass sie nicht zu einer Revolte gegen Gott, sondern zu einer tieferen Annahme seines Willens sich wendet.

Wo christlich gebetet wird, da ändert sich das Feld des geistigen Erlebens. Was das Bittgebet als Bewusstseinsveränderung hinterlässt, ist nicht eine beliebige Spur im Erleben; es schafft und verändert vielmehr das ganze Feld unseres Geistes, es gibt uns eine neue Weise des Sehens. Wir erfahren, dass wir aus dem Dialog, in den wir im Gebet mit Gott eingetreten sind, nicht unverändert wieder herauskommen. Etwas hat sich geändert. Dadurch, dass unsere notvolle Situation in der Form der Bitte vor Gott angezeigt wurde, stehen wir in dem Bewusstsein, innerhalb der vordergründigen Ereignisse und Begebenheiten von einem personalen Gott angeredet zu sein. Es ist das neue Wissen, das uns trägt und stärkt.

III. Bitten als Zeugnis der Freiheit vor Gott

Eine letzte Schwierigkeit mit dem Bittgebet: Die Last der Vorsehung. Ich nenne sie deshalb eine Last, weil sie – meist auf Grund eines Missverständnisses – lähmend auf der geistlichen Motivation des Bittenden liegt. Was ist damit gemeint?

Nehmen wir, ein gläubiger Mensch bittet Um einen Arbeitsplatz und/oder die Heilung eines Rückenleidens, ist aber von Zweifeln geplagt. Intensiviertes Beten sei doch in diesem Fall ein zur Vergeblichkeit verurteiltes Mittel, da – jetzt kommt die Prämisse dieser Folgerung – Gottes Wille bezüglich Job/Gesundheit des Bittstellers nicht wanke: Entweder Gott will unsere Arbeit und Gesundheit, dann wird er zu gegebener Zeit gnädig walten, oder aber dies ist nach seinem Willen nicht vorgesehen, dann können Gebete diesen Entschluss nicht aufhalten. Es bleibt nur ein Weg, dieses beschlossene Ende demütig anzunehmen. Auf jeden Fall könne das Bitten nicht in das große Werk der göttlichen Vorsehung eingreifen.

Was ist darauf zu sagen? Die christlich verstandene Vorsehung ist gewiss kein Uhrwerk, welches in der Ewigkeit aufgezogen nun in der Zeit abläuft. Gott weiß zwar alles voraus, nichts aber ist festgelegt. Oder genauer gesagt: Gott weiß alles voraus, aber in dem, was Er weiß, spiele ich meine Rolle, die mir von Ihm eingeräumt ist.

Wo Vorsehung verknüpft wird mit dem Gedanken eines vorwegexistierenden Planes, muss sich der Mensch immer in der Rolle eines unbeteiligten Außenseiters oder zumindest eines schon längst eingeplanten „Faktors“ vorkommen. Wie passt dies mit unserer Vorstellung, unserer Erwartung eines liebenden Gottes zusammen? Jedenfalls ist dieses Gefühl der Ohnmacht sehr doppeldeutig.

Es kann zunächst – wie oben angesprochen – Ausdruck einer Verdemütigung sein: Tatsächlich, sagt C. S. Lewis, kommt es auch für unser religiöses Leben mehr darauf an, beachtet, als erhört zu werden. „Wir können es ertragen, abgewiesen, nicht aber, missachtet zu werden. Mit anderen Worten, unser Vertrauen kann viele abschlägige Antworten überleben, solange es Antworten sind und nicht bloß Rücksichtslosigkeiten. Was ein Stein scheint, wird für uns Brot sein, wenn wir glauben, dass es eine väterliche Hand ist, die es in die unsere legt, sei es aus Barmherzigkeit, aus Gerechtigkeit oder sogar Tadel.“

Woher kommt die Idee, in der Bitte nicht ernst genommen zu sein, noch? Könnte sie nicht auch damit zusammenhängen, dass wir gar nicht an einem Gott interessiert sind, der unsere Mitsprache will? Ist vielleicht die Idee einer unveränderlichen Vorsehung nur die Projektion einer inneren Scheu vor einer allzu zudringlichen Liebe Gottes, die den Menschen auf eine kaum zu überbietende Weise ernst nimmt? Der Bittende könnte sich selbst eine Ohnmacht einreden, um sich dadurch von der Beteiligung an den Ereignissen auszuschließen; Gott macht seine Sache, ich die meine. Wer sich hinterfragt und auf derartige Motive stößt, wird rasch merken, dass hier nur eine scheinbar demütige Haltung vorliegt.

Das sind Mutmaßungen; sie führen uns jedoch an die Substanz eines christlich verstandenen Vorsehungsglaubens heran. Wie stand denn Jesus unter der ewigen Verfügung seines Vaters? Was können wir von ihm lernen?

Jesus bittet. Schon diese Tatsache genügt als Hinweis darauf, dass wir, seine Brüder, Gott den Vater in wirklicher Weise bitten können und sollen. Christi Gebet war nicht von vorneherein Ergebung; in ihm brach – etwa am Ölberg – sein ganzer Lebens- und Existenzwille durch. Jesus rechnete mit einer realen, nicht bloß scheinbaren Offenheit seiner Zukunft. Seine Bitte war vielmehr, was sich in der Erhörung der Auferstehung zeigte, ein Höchstfall dafür, dass eine gott-menschliche Freiheit vom Vater unendlich ernstgenommen und in Rechnung gestellt wurde.

Jesus erwirkt uns Erhörung. Gott kann den Feigenbaum, der schon weit über Gebühr ertragen wurde, obwohl er unfruchtbar blieb, auf die Fürbitte des Weingärtners nochmals mit außerordentlicher Pflege versehen (Lk 13, 6 f). Solche Schonung auf eine Bitte hin ist möglich, weil Jesus selbst derjenige ist, der als Anwalt für das Leben der Menschen beim Vater eine unendliche Fürbittmacht besitzt. Gott hält unbedingt an der Rettung, dem Heil, dem Leben der Menschen fest, allerdings, was jetzt offenbar geworden ist, nicht ohne das gewichtige stellvertretende Wort, das sein Sohn als Urbittender bei ihm einlegt. Jesus ist der leibhaftige „Imperativ der Liebe“ bei seinem Vater. In ihm offenbart sich Gott als bewegbar, ja geradezu als (be)rührbar.

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Letztlich geht es darum, die Hindernisse auf dem Weg zum Beten aus dem Weg zu räumen – in der Gnade und durch die Gnade Gottes. Unsere christliche Bitte sei frei von jeder zweifelnden Rede, wie sie durch die Annahme eines Gottes, der ohnehin schon alles geplant hat, entstehen könnte. Auf Grund der uns in Jesus Christus geschenkten Würde, welche die Würde eines realen gewichtigen Wortes ist, können und dürfen wir hoffen, dass unsere Gebete, gesprochen auf die Autorität des bittenden Christus hin, ernstgenommen sind. Er führt vor dem Vater das bindende Wort, das Gott für die Menschen, für ihr Leben und Schicksal einzunehmen nicht aufhört.

Dafür, dass Gott unsere Beten erwartet, unsere Bitten in Rechnung stellt, sei hier zum Schluss das oft zitierte Wort des hl. Augustinus angeführt: Die Kirche hätte keinen Paulus, wenn Stefanus nicht gebetet hätte. Und bei den Kirchenvätern finden wir die gewagte Überlegung, ob nicht selbst die Fleischwerdung Gottes von den Propheten und den Heiligen des Alten Bundes erbetet worden sei. Bindet so Gott die Mitteilung der allerhöchsten Güter an die Bitte? Wagen wir solches Beten? Und freuen wir uns, dass Gott uns solches zutraut?

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(Kurzfassung eines Beitrages von Hans  Schaller  SJ, Rom,
erschienen in Stimmen der Zeit, 1976/3/S.191ff)

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Link zur Sammlung von BITTGEBETEN

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4 Gedanken zu “Hinführung zum Bittgebet

  1. Ich habe meinen Glauben verloren und bin aus der römisch-katholischen Kirche ausgetreten. Die Vorstellung eines liebenden Gottes wurde mir zunehmend unmöglich.
    Haben die vielen jüdischen Kinder in Auschwitz und anderen Konzentrationslagern nicht auch verzweifelt gebetet ? Haben die unzähligen Kinder in kirchlichen Internaten,
    Waisenhäusern und Schulen, die von Ordensleuten gequält wurden, nicht auch auf Knien gebetet ?
    Ich bin da sehr unbedeutend.Trotzdem- auch ich habe meine Zweifel ausgedrückt und bekam nie eine `Antwort`.
    Warum muss Jesus der Sohn Gottes sein !?
    War Jesus möglicherweise ein ganz normaler Mensch, der von einem Gott gesprochen hat, der aber unpersönlich ist ?
    Hat Jesus möglicherweise erfahren, was andere MystikerInnen auch erfahren haben: den Urgrund allen Seins, oder reines Sein !?
    Nannte er das möglicherweise Gott, und warum muss das transzendent sein !?

    1. Lieber W.M. R.,
      danke für deinen Kommentar.

      Es muss sehr hart sein, den Glauben zu verlieren, das tut mir leid für Sie.

      Soweit man in dieser Frage den Verstand einsetzen kann, stellt sich die Frage, warum ein Mensch den Galuben aufgibt.

      Für Auschwitz? Wer nicht Jude ist, kann doch Trost in der Haltung unserer älteren Brüder im Glauben finden: Mir sind kaum Beispiele bekannt, wo Juden durch den Nationalsozialismus vom Glauben abgefallen sind. Dies war eher typisch für die Täter. Und wir sollen wieder in diese Falle tappen?

      Für Ordensleute, die Kinder gequält und missbraucht haben? Dies ist bei genauer Betrachtung genauso und noch mehr in staatlichen Heimen geschehen. Wie hartherzig muss man nun sein, die Menschen in der Kirche unbarmherziger als die außerhalb der Kirche zu richten?

      Für eine Kirche, die an Kraft verloren hat? Da wäre es eigentlich angebracht, erst recht mitzuhelfen…

      Für Jesus, der (aus Ihrer Sicht) vielleicht nur Mensch gewesen ist? JETZT sind wir am entscheidenden Punkt angelangt!

      WENN JESUS NUR MENSCH GEWESEN WÄRE, HÄTTE DAS CHRISTENTUM SEIN EXISTENZRECHT VERLOREN.

      Und damit kommen wir weg von den Fragen, die allein mit der Vernunft zu lösen sind.

      Jetzt zählen Wille und Glaube.
      Will ich glauben?
      Und wie kann ich glauben?

      Meine persönliche Empfehlung ist:
      Die Bibel, insbesondere das Neue Testament lesen. Täglich das Evangelium lesen, z.B. bei http://www.evangeliumtagfuertag.org/
      Es vergeht kein Tag, an dem Jesus mich durch die göttliche Offenbarung nicht berührt, als Gottes Sohn, als unser Erlöser.

      Und dann suchen Sie Menschen, die Ihnen noch viel besser helfen können als ich.
      Priester. Es gibt so viele gute Priester da draußen, ich durfte viele kenennlernen in diesen (kirchlich gesehen) schweren Zeiten.

      Oder Menschen, Bekannte, Freunde – die etwas von Jesus berichten können.

      Schließlich Beten. Das Gebet zu IHM.
      Was ist der Mensch, der sich nicht auf die Suche nach seinem Schöpfer macht?
      Was ist der Mensch, der nicht glaubt, dass der Sohn als Erlöser unter uns war und ist?
      Was ist der Mensch, der die Augen vor der Liebe verschließt, die auch in dieser Welt zu finden ist?
      Wer ist der Mensch, der nie einen Grund findet, in dieser Welt ein wenig Liebe zu geben?

      Alles Gute, mein Freund,
      wir beten für Dich.

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