Ausgewählte Psalmen

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Das Wort Psalmen kommt von dem griechischen Wort psalmós, das Lied oder Lobgesang bedeutet. Der hebräische Ausdruck lautet tehilim / תהילים (=Preisungen). Das Buch der Psalmen (es wird auch Psalter genannt) enthält eine Sammlung von 150 Liedern aus dem religiösen Leben und Gottesdienst der alten Israeliten – Lieder, die aus dem Herzen dieses Volkes kommen und seine persönliche Erfahrungen widerspiegeln. Man könnte die Psalmen das älteste Gesangbuch des Volkes Gottes nennen.

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Psalm Landschaft - Flickr snapdragginphoto
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Wer liest eigentlich Psalmen? Da in verschiedenen Pfarren die Lesung der Psalmen „liturgischen Eingriffen“ zum Opfer fällt oder Psalmen nur „zu bestimmten Anlässen“ gelesen werden, muss man fragen: Wer hört eigentlich noch Psalmen? – Für meinen Teil bin ich erst durch die Verwendung des Stundenbuchs mit dem Psalter näher in Berührung gekommen – manche der freudigen und einige der klagenden Psalmen haben mich zutiefst berührt! Die folgende Auswahl ist keine wissenschaftliche Selektion sondern will schlicht und einfach zeigen, dass man sich mit den Psalmen zunächst ganz intuitiv beschäftigen kann; alles weitere ergibt sich entweder aus Gebet, Studium oder Gnade – vielleicht auch aus allen diesen Teilen…
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Die folgenden Psalmen werden numerisch gereiht aufgeführt!

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So verkünden wir euch das Evangelium: Gott hat die Verheißung, die an die Väter ergangen ist, an uns, ihren Kindern, erfüllt, indem er Jesus auferweckt hat, wie es schon im zweiten Psalm heißt: „Mein Sohn bist du, heute habe ich dich gezeugt.“ (ApG 13,32-33)

Psalm 2

Warum toben die Völker, warum machen die Nationen vergebliche Pläne?
Die Könige der Erde stehen auf, die Großen haben sich verbündet
gegen den Herrn und seinen Gesalbten.
«Lasst uns ihre Fesseln zerreißen und von uns werfen ihre Stricke!»
Doch er, der im Himmel thront, lacht, der Herr verspottet sie.
Dann aber spricht er zu ihnen im Zorn, in seinem Grimm wird er sie erschrecken:
«Ich selber habe meinen König eingesetzt auf Zion, meinem heiligen Berg.»
Den Beschluss des Herrn will ich kundtun. Er sprach zu mir:
«Mein Sohn bist du. Heute habe ich dich gezeugt.
Fordre von mir und ich gebe dir die Völker zum Erbe,
die Enden der Erde zum Eigentum.
Du wirst sie zerschlagen mit eiserner Keule,
wie Krüge aus Ton wirst du sie zertrümmern.»
Nun denn, ihr Könige, kommt zur Einsicht, lasst euch warnen, ihr Gebieter der Erde!
Dient dem Herrn in Furcht und küsst ihm mit Beben die Füße,
damit er nicht zürnt und euer Weg nicht in den Abgrund führt.
Denn wenig nur und sein Zorn ist entbrannt.
Wohl allen, die ihm vertrauen!

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Gott, du willst uns alles schenken „Du legst mir größere Freude ins Herz, als andere…“. Erhöre und rufe uns bitte in deine Nähe!

Psalm 4, Verse 2–9

Wenn ich rufe, erhöre mich, *
Gott, du mein Retter!
Du hast mir Raum geschaffen, als mir angst war. *
Sei mir gnädig und hör auf mein Flehen!
Ihr Mächtigen, wie lange noch schmäht ihr meine Ehre, *
warum liebt ihr den Schein und sinnt auf Lügen?
Erkennt doch: Wunderbar handelt der Herr an den Frommen; *
der Herr erhört mich, wenn ich zu ihm rufe.
Ereifert ihr euch, so sündigt nicht! *
Bedenkt es auf eurem Lager und werdet still!
Bringt rechte Opfer dar *
und vertraut auf den Herrn!
Viele sagen: »Wer lässt uns Gutes erleben? *
Herr, lass dein Angesicht über uns leuchten!
Du legst mir größere Freude ins Herz, *
als andere haben bei Korn und Wein in Fülle.

In Frieden leg ich mich nieder und schlafe ein; *
denn du allein, Herr, lässt mich sorglos ruhen.
Ehre sei dem Vater und dem Sohn *
und dem Heiligen Geist,
wie im Anfang, so auch jetzt und alle Zeit *
und in Ewigkeit. Amen.

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Allmächtiger Gott, deine Botschaft durchdringt die gesamte Schöpfung „Doch ihre Botschaft geht in die ganze Welt hinaus…“.Lass uns dich erkennen und an dich glauben!

Psalm 19, Verse 2–12.15

Die Himmel rühmen die Herrlichkeit Gottes, *
vom Werk seiner Hände kündet das Firmament.
Ein Tag sagt es dem andern, *
eine Nacht tut es der andern kund,
ohne Worte und ohne Reden, *
unhörbar bleibt ihre Stimme.
Doch ihre Botschaft geht in die ganze Welt hinaus, *
ihre Kunde bis zu den Enden der Erde.

Dort hat er der Sonne ein Zelt gebaut. *
Sie tritt aus ihrem Gemach hervor wie ein Bräutigam;
sie frohlockt wie ein Held *
und läuft ihre Bahn.
Am einen Ende des Himmels geht sie auf /
und läuft bis ans andere Ende; *
nichts kann sich vor ihrer Glut verbergen.

Die Weisung des Herrn ist vollkommen, *
sie erquickt den Menschen.
Das Gesetz des Herrn ist verlässlich, *
den Unwissenden macht es weise.
Die Befehle des Herrn sind richtig, *
sie erfreuen das Herz;
das Gebot des Herrn ist lauter, *
es erleuchtet die Augen.
Die Furcht des Herrn ist rein, *
sie besteht für immer.
Die Urteile des Herrn sind wahr, *
gerecht sind sie alle.
Sie sind kostbarer als Gold, als Feingold in Menge. *
Sie sind süßer als Honig, als Honig aus Waben.
Auch dein Knecht lässt sich von ihnen warnen; *
wer sie beachtet, hat reichen Lohn.
Die Worte meines Mundes mögen dir gefallen; /
was ich im Herzen erwäge, stehe dir vor Augen, *
Herr, mein Fels und mein Erlöser.

Ehre sei dem Vater und dem Sohn *
und dem Heiligen Geist,
wie im Anfang, so auch jetzt und alle Zeit *
und in Ewigkeit. Amen

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Psalm 23

[Ein Psalm Davids.]
Der Herr ist mein Hirte, nichts wird mir fehlen.
Er lässt mich lagern auf grünen Auen
und führt mich zum Ruheplatz am Wasser.
Er stillt mein Verlangen;
er leitet mich auf rechten Pfaden, treu seinem Namen.
Muss ich auch wandern in finsterer Schlucht,
ich fürchte kein Unheil;
denn du bist bei mir, dein Stock und dein Stab geben mir Zuversicht.
Du deckst mir den Tisch vor den Augen meiner Feinde.
Du salbst mein Haupt mit Öl, du füllst mir reichlich den Becher.
Lauter Güte und Huld werden mir folgen mein Leben lang
und im Haus des Herrn darf ich wohnen für lange Zeit.

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Barmherziger und gerechter Gott, du zeigst uns den Weg. Lass uns demütig sein und immer auf dich schauen.

Dem, der treu ist im Glauben, sagst du: „Dann wird er wohnen im Glück.“ Ob dies bereits in diesem Leben geschieht, weißt du allein:
Dein Wille geschehe, mein Gott.

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Psalm 25, Verse 8–10.12–15

Gut und gerecht ist der Herr, *
darum weist er die Irrenden auf den rechten Weg.
Die Demütigen leitet er nach seinem Recht, *
die Gebeugten lehrt er seinen Weg.
Alle Pfade des Herrn sind Huld und Treue *
denen, die seinen Bund und seine Gebote bewahren.

Wer ist der Mann, der Gott fürchtet? *
Ihm zeigt er den Weg, den er wählen soll.
Dann wird er wohnen im Glück, *
seine Kinder werden das Land besitzen.

Die sind Vertraute des Herrn, die ihn fürchten; *
er weiht sie ein in seinen Bund.
Meine Augen schauen stets auf den Herrn; *
denn er befreit meine Füße aus dem Netz.

Ehre sei dem Vater und dem Sohn *
und dem Heiligen Geist,
wie im Anfang, so auch jetzt und alle Zeit *
und in Ewigkeit. Amen.

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Großer Gott, stärke uns durch den Heiligen Geist, damit wir deine Freude erfahren und dir danken.

Psalm 30, Verse 2–13

Ich will dich rühmen, Herr,
denn du hast mich aus der Tiefe gezogen *
und lässt meine Feinde nicht über mich triumphieren.
Im sicheren Glück dachte ich einst: *
Ich werde niemals wanken.
Herr, in deiner Güte *
stelltest du mich auf den schützenden Berg.
Doch dann hast du dein Gesicht verborgen. *
Da bin ich erschrocken.
Zu dir, Herr, rief ich um Hilfe, *
ich flehte meinen Herrn um Gnade an.
Ich sagte:
Was nützt dir mein Blut, wenn ich begraben bin? *
Kann der Staub dich preisen, deine Treue verkünden?
Höre mich, Herr, sei mir gnädig! *
Herr, sei du mein Helfer!
Da hast du mein Klagen in Tanzen verwandelt, *
hast mir das Trauergewand ausgezogen und mich mit Freude umgürtet.
Darum singt dir mein Herz und will nicht verstummen. *
Herr, mein Gott, ich will dir danken in Ewigkeit.

Ehre sei dem Vater und dem Sohn *
und dem Heiligen Geist,
wie im Anfang, so auch jetzt und alle Zeit *
und in Ewigkeit. Amen.

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Guter Gott, deinen Willen zu tun, macht mir Freude.
Lass mich dir danken und schenke mir viel Kraft: Um den Menschen ein Zeugnis von deiner Botschaft zu geben, die relativistisch, atheistisch, naturalistisch denken, und all jenen Menschen, die ihre Sinne vor dem verschließen, was über die menschliche Erkenntnisfähigkeit hinausgeht.
Ein Zeugnis von deiner Treue bis ans Ende der Tage, von deinem Liebesgeschenk in Gestalt deines Sohnes Jesus Christus, und von der großen Freude, die mit dir und in dir möglich wird!

Psalm 40, Verse 5–11.17

Wohl dem Mann, der auf den Herrn sein Vertrauen setzt, *
sich nicht zu den Stolzen hält noch zu treulosen Lügnern.
Zahlreich sind die Wunder, die du getan hast, /
und deine Pläne mit uns; *

Herr, mein Gott, nichts kommt dir gleich.
Wollte ich von ihnen künden und reden, *
es wären mehr, als man zählen kann.
An Schlacht- und Speiseopfern hast du kein Gefallen, *
Brand- und Sündopfer forderst du nicht.
Doch das Gehör hast du mir eingepflanzt; /
darum sage ich: Ja, ich komme. *
In dieser Schriftrolle steht, was an mir geschehen ist.
Deinen Willen zu tun, mein Gott, macht mir Freude, *
deine Weisung trag ich im Herzen.
Gerechtigkeit verkünde ich in großer Gemeinde, *
meine Lippen verschließe ich nicht; Herr, du weißt es.
Deine Gerechtigkeit verberge ich nicht im Herzen, *
ich spreche von deiner Treue und Hilfe,
ich schweige nicht über deine Huld und Wahrheit *
vor der großen Gemeinde.
Alle, die dich suchen, frohlocken; *
sie mögen sich freuen in dir.
Die dein Heil lieben, sollen immer sagen: *
Groß ist Gott, der Herr.
Ehre sei dem Vater und dem Sohn *
und dem Heiligen Geist,
wie im Anfang, so auch jetzt und alle Zeit *
und in Ewigkeit. Amen.

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Auf den folgenden Psalm wurde ich durch die Heilige Theresia vom Kinde Jesu aufmerksam gemacht. Sie beschreibt ihr intensives Empfinden, als sie auf diese archaische Sprache trifft, wie Gott zu seinem Volk spricht: „Doch nehme ich von dir Stiere nicht an, noch Böcke aus deinen Hürden… Soll ich denn das Fleisch von Stieren essen und das Blut von Böcken trinken?“

Die „kleine Therese“ kommt sogleich auf die klaren Worte Gottes zu sprechen: „Bring Gott als Opfer dein Lob und erfülle dem Höchsten deine Gelübde! Rufe mich an am Tag der Not; dann rette ich dich und du wirst mich ehren.“ Sind diese Worte doch die Vorwegnahme des neuen Bundes, dem der Tod des Lamm Gottes zugrunde liegt, dem letzten Blutopfer, in dem Gott sich selbst in Gestalt Jesu hingibt.

Nicht genug damit, Theresia vom Kinde Jesu versteht den Auftrag, der lange vor Jesus in diesem Psalm ausgesprochen wird: Wir Menschen dürfen uns als „Brandopfer Jesu“ begreifen, die im Leiden mit und an den Menschen am Erlösungswerk teilnehmen: „Nicht wegen deiner Opfer rüg ich dich, deine Brandopfer sind mir immer vor Augen.“

Allmächtiger Gott, Du brauchst nicht unsere Opfer, sondern Du rufst uns im Glauben zu Dir. Lass uns zu Dir kommen und Dich loben!

Psalm 50, Verse 7–9.12–15

»Höre, mein Volk, ich rede. /
Israel, ich klage dich an, *
ich, der ich dein Gott bin.
Nicht wegen deiner Opfer rüg ich dich, *
deine Brandopfer sind mir immer vor Augen.
Doch nehme ich von dir Stiere nicht an *
noch Böcke aus deinen Hürden.
Hätte ich Hunger, ich brauchte es dir nicht zu sagen, *
denn mein ist die Welt und was sie erfüllt.
Soll ich denn das Fleisch von Stieren essen *
und das Blut von Böcken trinken?
Bring Gott als Opfer dein Lob *
und erfülle dem Höchsten deine Gelübde!
Rufe mich an am Tag der Not; *
dann rette ich dich und du wirst mich ehren.
«

Ehre sei dem Vater und dem Sohn *
und dem Heiligen Geist,
wie im Anfang, so auch jetzt und alle Zeit *
und in Ewigkeit. Amen.

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Meine Seele dürstet nach Dir – ein so ausdrucksstarker Ruf nach Heilung (Heiligung) durch Gott, muss er noch weiter kommentiert werden?

Psalm 63

1 [Ein Psalm Davids, als er in der Wüste Juda war.]
2 Gott, du mein Gott, dich suche ich,
meine Seele dürstet nach dir
.
Nach dir schmachtet mein Leib wie dürres,
lechzendes Land ohne Wasser.
3 Darum halte ich Ausschau nach dir im Heiligtum,
um deine Macht und Herrlichkeit zu sehen.
4 Denn deine Huld ist besser als das Leben;
darum preisen dich meine Lippen.
5 Ich will dich rühmen mein Leben lang,
in deinem Namen die Hände erheben.
6 Wie an Fett und Mark wird satt meine Seele,
mit jubelnden Lippen soll mein Mund dich preisen.
7 Ich denke an dich auf nächtlichem Lager
und sinne über dich nach, wenn ich wache.
8 Ja, du wurdest meine Hilfe;
jubeln kann ich im Schatten deiner Flügel.
9 Meine Seele hängt an dir, deine rechte Hand hält mich fest.
10 Viele trachten mir ohne Grund nach dem Leben,
aber sie müssen hinabfahren in die Tiefen der Erde.
11 Man gibt sie der Gewalt des Schwertes preis,
sie werden eine Beute der Schakale.
12 Der König aber freue sich an Gott.
Wer bei ihm schwört, darf sich rühmen.
Doch allen Lügnern wird der Mund verschlossen.

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Guter Gott, deine Gebote führen zum Leben. Öffne unser Herz für deine Gebote, damit wir sie in Liebe erfüllen. Dein Wort wollen wir unseren Kindern und Kindeskindern weitergeben, so wie wir es von dir und unseren Vorfahren empfangen haben!

Psalm 78, Verse 1–7

Mein Volk, vernimm meine Weisung! *
Wendet euer Ohr zu den Worten meines Mundes!
Ich öffne meinen Mund zu einem Spruch; *
ich will die Geheimnisse der Vorzeit verkünden.
Was wir hörten und erfuhren, *
was uns die Väter erzählten,
das wollen wir unseren Kindern nicht verbergen, *
sondern dem kommenden Geschlecht erzählen:
die ruhmreichen Taten und die Stärke des Herrn, *
die Wunder, die er getan hat.
Er stellte sein Gesetz auf in Jakob, /
gab in Israel Weisung *
und gebot unseren Vätern, ihre Kinder das alles zu lehren,
damit das kommende Geschlecht davon erfahre, /
die Kinder späterer Zeiten; *
sie sollten aufstehen und es weitergeben an ihre Kinder,
damit sie ihr Vertrauen auf Gott setzen, /
die Taten Gottes nicht vergessen *
und seine Gebote bewahren.

Ehre sei dem Vater und dem Sohn *
und dem Heiligen Geist,
wie im Anfang, so auch jetzt und alle Zeit *
und in Ewigkeit. Amen.

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Den ganzen Tag rufe ich zu Dir, Herr, erfreue Deinen treuen Diener, denn ich erhebe meine Seele zu Dir.

Psalm 86, Verse 1–7

Wende dein Ohr mir zu, erhöre mich, Herr! *
Denn ich bin arm und gebeugt.
Beschütze mich, denn ich bin dir ergeben! *
Hilf deinem Knecht, der dir vertraut!
Du bist mein Gott. Sei mir gnädig, o Herr! *
Den ganzen Tag rufe ich zu dir.
Herr, erfreue deinen Knecht; *
denn ich erhebe meine Seele zu dir.

Herr, du bist gütig und bereit zu verzeihen, *
für alle, die zu dir rufen, reich an Gnade.
Herr, vernimm mein Beten, *
achte auf mein lautes Flehen!
Am Tag meiner Not rufe ich zu dir; *
denn du wirst mich erhören.
Ehre sei dem Vater und dem Sohn *
und dem Heiligen Geist,
wie im Anfang, so auch jetzt und alle Zeit *
und in Ewigkeit. Amen.

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„Der Psalm 92 nimmt in der altjüdischen Tradition einen besonderen Platz ein. Im Titel wird angezeigt, dass dieser für den Sabbat bestimmt ist. Er ist das Lied, das zum ewigen und erhabenen Herrn aufsteigt, wenn man am Freitag bei Sonnenuntertgang in den geheiligten Tag des Gebets, der Kontemplation und der Ruhe des Leibes und Geistes eintritt… (JPII, Die Botschaft der Psalmen)

Psalm 92

[Ein Psalm. Ein Lied für den Sabbattag.]
Wie schön ist es, dem Herrn zu danken, /
deinem Namen, du Höchster, zu singen,
am Morgen deine Huld zu verkünden /
und in den Nächten deine Treue zur zehnsaitigen Laute,
zur Harfe, /
zum Klang der Zither.
Denn du hast mich durch deine Taten froh gemacht; /
Herr, ich will jubeln über die Werke deiner Hände.
Wie groß sind deine Werke, o Herr, /
wie tief deine Gedanken!
Ein Mensch ohne Einsicht erkennt das nicht, /
ein Tor kann es nicht verstehen.
Wenn auch die Frevler gedeihen /
und alle, die Unrecht tun, wachsen, /
so nur, damit du sie für immer vernichtest.
Herr, du bist der Höchste, /
du bleibst auf ewig.
Doch deine Feinde, Herr, wahrhaftig, deine Feinde vergehen; /
auseinander getrieben werden alle, die Unrecht tun.
Du machtest mich stark wie einen Stier, /
du salbtest mich mit frischem Öl.
Mein Auge blickt herab auf meine Verfolger, /
auf alle, die sich gegen mich erheben; /
mein Ohr hört vom Geschick der Bösen.
Der Gerechte gedeiht wie die Palme, /
er wächst wie die Zedern des Libanon.
Gepflanzt im Haus des Herrn, /
gedeihen sie in den Vorhöfen unseres Gottes.
Sie tragen Frucht noch im Alter /
und bleiben voll Saft und Frische; sie verkünden:
Gerecht ist der Herr; /
mein Fels ist er, an ihm ist kein Unrecht.

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Der Wiener Erzbischof Christoph Kardinal Schönborn bekennt anläßlich der Eröffnung einer Diözesanversammlung im Oktober 2009: „Gott liebt diese Zeit, die Menschen heute. Mein täglicher Lieblingspsalm ist der Ps 95 (am Tagesbeginn): „Heute, wenn ihr seine Stimme hört, verhärtet euer Herz nicht…“ (Hebr 3,7; Ps 95). Wir leben heute. Sehen wir diese Zeit mit Jesu Augen. Lieben wir unsere Zeit im Heute, in der Gegenwart Jesu!“

Der Psalm 95 wird von Paulus aufgegriffen und zitiert. Der Schreiber des Hebräerbriefes will mit seiner Predigt den Glauben der christlichen Gemeinde stärken und damit auch dem einzelnen Christen Halt geben. Die von den Juden überlieferte Bibel, das Alte Testament, ist vom Heiligen Geist – wobei kein Zweifel darin besteht, dass Gottes Wort damals wie heute gilt: Psalm 95 verdeutlicht uns, wie sehr der Glaube zu allen Zeiten gefährdet ist! Selbst alle Taten Gottes können keine Garantie sein, dass Menschen Gott treu bleiben. Nachdem die Israeliten sich in der Wüste 40 Jahre vom Manna ernährt hatten, das Gott ihnen gegeben hatte, verließ sie wieder der Mut. Sie hatten Angst zu verdursten, bis Mose mit dem Stab Wasser aus dem Felsen am Sinai schlug…

Lernen wir aus unserer Geschichte, schenken wir der Gegenwart vertrauensvoll unsere Liebe, und rufen: „Ach, [lass uns] heute auf seine Stimme hören! «Verhärtet euer Herz nicht wie in Meríba, wie in der Wüste am Tag von Massa…»“

Psalm 95

Kommt, lasst uns jubeln vor dem Herrn
und zujauchzen dem Fels unsres Heiles!
Lasst uns mit Lob seinem Angesicht nahen,
vor ihm jauchzen mit Liedern!
Denn der Herr ist ein großer Gott,
ein großer König über allen Göttern.
In seiner Hand sind die Tiefen der Erde,
sein sind die Gipfel der Berge.
Sein ist das Meer, das er gemacht hat,
das trockene Land, das seine Hände gebildet.
Kommt, lasst uns niederfallen, uns vor ihm verneigen,
lasst uns niederknien vor dem Herrn, unserm Schöpfer!
Denn er ist unser Gott, wir sind das Volk seiner Weide,
die Herde, von seiner Hand geführt.
Ach, würdet ihr doch heute auf seine Stimme hören!
«Verhärtet euer Herz
nicht wie in Meríba,
wie in der Wüste am Tag von Massa!
Dort haben eure Väter mich versucht,
sie haben mich auf die Probe gestellt
und hatten doch mein Tun gesehen.
Vierzig Jahre war mir dies Geschlecht zuwider
und ich sagte: Sie sind ein Volk, dessen Herz in die Irre geht;
denn meine Wege kennen sie nicht.
Darum habe ich in meinem Zorn geschworen:
Sie sollen nicht kommen in das Land meiner Ruhe.»

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Ein Loblied auf den gütigen und verzeihenden Gott, das ich gerade in einer „Stunde der Barmherzigkeit“ zu hören bekam. „Lobe den Herrn, meine Seele (…) und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.“

Ein Gott der Barmherzigkeit, der uns hoffen lässt: „Er handelt an uns nicht nach unsern Sünden und vergilt uns nicht nach unsrer Schuld. Denn so hoch der Himmel über der Erde ist, so hoch ist seine Huld über denen, die ihn fürchten.“

Wie ein Vater verlorene Söhne und Töchter empfängt, so wird er uns „Gotteskinder“ mit großem Herz betrachten: „Der Herr vollbringt Taten des Heiles, Recht verschafft er allen Bedrängten. (…) Wie ein Vater sich seiner Kinder erbarmt, so erbarmt sich der Herr über alle, die ihn fürchten.“

Der Psalm schließt mit dem Refrain: „Lobt den Herrn, all seine Werke, an jedem Ort seiner Herrschaft! Lobe den Herrn, meine Seele!“

Psalm 103, Verse 1-7

Lobe den Herrn, meine Seele, *
und alles in mir seinen heiligen Namen!

Lobe den Herrn, meine Seele, *
und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat:
der dir all deine Schuld vergibt *
und all deine Gebrechen heilt,
der dein Leben vor dem Untergang rettet *
und dich mit Huld und Erbarmen krönt,
der dich dein Leben lang mit seinen Gaben sättigt; *
wie dem Adler wird dir die Jugend erneuert.
Der Herr vollbringt Taten des Heiles, *

Recht verschafft er allen Bedrängten.

Er hat Mose seine Wege kundgetan, *
den Kindern Israels seine Werke.
Der Herr ist barmherzig und gnädig, *
langmütig und reich an Güte.
Er wird nicht immer zürnen, *
nicht ewig im Groll verharren.
Er handelt an uns nicht nach unsern Sünden *
und vergilt uns nicht nach unsrer Schuld.

Denn so hoch der Himmel über der Erde ist, *
so hoch ist seine Huld über denen, die ihn fürchten.

So weit der Aufgang entfernt ist vom Untergang, *
so weit entfernt er die Schuld von uns.
Wie ein Vater sich seiner Kinder erbarmt, *
so erbarmt sich der Herr über alle, die ihn fürchten.

Denn er weiß, was wir für Gebilde sind; *
er denkt daran: Wir sind nur Staub.
Des Menschen Tage sind wie Gras, *
er blüht wie die Blume des Feldes.
Fährt der Wind darüber, ist sie dahin; *
der Ort, wo sie stand, weiß von ihr nichts mehr.
Doch die Huld des Herrn währt immer und ewig *
für alle, die ihn fürchten und ehren;
sein Heil erfahren noch Kinder und Enkel; *
alle, die seinen Bund bewahren, *
an seine Gebote denken und danach handeln.
Der Herr hat seinen Thron errichtet im Himmel, *
seine königliche Macht beherrscht das All.
Lobt den Herrn, ihr seine Engel, *
ihr starken Helden, die seine Befehle vollstrecken, *
seinen Worten gehorsam!Lobt den Herrn, all seine Scharen, *
seine Diener, die seinen Willen vollziehen!
Lobt den Herrn, all seine Werke, *
an jedem Ort seiner Herrschaft! *
Lobe den Herrn, meine Seele!

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Der folgende Psalm zeigt uns die Kraft des Heiligen Geistes, und spricht die Bitte in Worten aus, die 3.000 Jahre überdauert haben!

Allmächtiger Gott, dein Geist gibt uns das Leben: Erneuere uns durch deinen Heiligen Geist, damit wir dein Wort verstehen, deinen Willen tun, und uns auf dein Reich vorbereiten.

Psalm 104, Verse 24.27–35

Herr, wie zahlreich sind deine Werke! /
Mit Weisheit hast du sie alle gemacht, *
die Erde ist voll von deinen Geschöpfen.
Sie alle warten auf dich, *
dass du ihnen Speise gibst zur rechten Zeit.
Gibst du ihnen, dann sammeln sie ein; *
öffnest du deine Hand, werden sie satt an Gutem.
Verbirgst du dein Gesicht, sind sie verstört; /
nimmst du ihnen den Atem, so schwinden sie hin *
und kehren zurück zum Staub der Erde.

Sendest du deinen Geist aus, /
so werden sie alle erschaffen *
und du erneuerst das Antlitz der Erde.

Ewig währe die Herrlichkeit des Herrn; *
der Herr freue sich seiner Werke.
Er blickt auf die Erde und sie erbebt; *
er rührt die Berge an und sie rauchen.
Ich will dem Herrn singen, solange ich lebe, *
will meinem Gott spielen, solange ich da bin.
Möge ihm mein Dichten gefallen. *
Ich will mich freuen am Herrn.
Doch die Sünder sollen von der Erde verschwinden /
und es sollen keine Frevler mehr da sein. *
Lobe den Herrn, meine Seele!
Ehre sei dem Vater und dem Sohn *
und dem Heiligen Geist,
wie im Anfang, so auch jetzt und alle Zeit *
und in Ewigkeit. Amen.

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„Ich habe dich gezeugt noch vor dem Morgenstern.“ Papst Benedikt führt uns in die Bedeutung des Königspsalms 110 ein.

„Dieser Königspsalm wurde von der Kirche stets sehr geliebt. Die feierlichen Anfangsworte: „So spricht der Herr zu meinem Herrn: Setze dich mir zur Rechten, und ich lege dir deine Feinde als Schemel unter die Füße“ (V. 1), wurden schon im Neuen Testament als messianische Prophetie aufgefasst und auf Christus bezogen. Er, der Herr, sitzt zur Rechten des Vaters, das heißt, er hat Teil an Gottes Allgegenwart und Herrlichkeit und ist durch die Auferstehung in seine Herrlichkeit mit eingegangen. Durch ihn werden alle Feinde – das Böse, der Tod – besiegt. Die griechische Übersetzung des Alten Testaments, die Septuaginta, die im dritten bis zweiten Jahrhundert vor Christus entstanden ist, fährt fort: „Ich habe dich gezeugt noch vor dem Morgenstern, wie den Tau in der Frühe“ (V. 3). Diese Worte ließen notwendigerweise die Christen an die göttliche Herkunft denken, die diesem König zukommt, an die göttliche Herkunft Jesu Christi, die schön, unergründlich und geheimnisvoll ist. Der König, von dem der Psalm redet, kommt von Gott. Er ist der Messias, der den Menschen das göttliche Leben bringt und Mittler von Heiligkeit und Erlösung ist. Dann erwähnt der Psalm den Priester und König Melchisedek und macht ihn zum Vorausbild eines neuen Priestertums, das nicht aus der Zugehörigkeit zu einem bestimmten Stamm herrührt. Er ist ohne Anfang und Ende (vgl. Hebr 7,3) und nimmt im Opfer von Brot und Wein jene Gaben voraus, in denen sich Christus in der Eucharistie darbietet und Leben schenkt. Dieser Priester, dieses Priestertum rettet und tritt für die Menschen vor Gott ein (vgl. Hebr 7,25). Wenn wir Psalm 110 beten sehen wir, wie durch die Heilsgeschichte die große Erwartung, die geheimnisvolle Hoffnung hindurchgeht nach einem König, der Mensch und doch Gott ist, in dem Mensch und Gott beieinander sind; und wir sehen, wie diese Erwartung Gestalt annimmt und unerwartet Wirklichkeit wird in Jesus Christus. Wenn wir den Psalm beten, beten wir mit den Jahrtausenden und beten zugleich mitten in der Gegenwart des Leibes Christi. Wir bitten den Herrn, der zur Rechten Gottes sitzt und der doch einer der Unsrigen ist, einer wie wir ist, dass er uns hinaufhebe in das Licht Gottes und dass er die Mächte des Bösen und den Tod besiege und uns das wahre Leben schenke.“ (Benedikt XVI., 2011)

Psalm 110

1 [Ein Psalm Davids.] So spricht der Herr zu meinem Herrn: Setze dich mir zur Rechten und ich lege dir deine Feinde als Schemel unter die Füße.
2 Vom Zion strecke der Herr das Zepter deiner Macht aus: «Herrsche inmitten deiner Feinde!»
3 Dein ist die Herrschaft am Tage deiner Macht (wenn du erscheinst) in heiligem Schmuck; ich habe dich gezeugt noch vor dem Morgenstern, wie den Tau in der Frühe.
4 Der Herr hat geschworen und nie wird’s ihn reuen: «Du bist Priester auf ewig nach der Ordnung Melchisedeks.»
5 Der Herr steht dir zur Seite; er zerschmettert Könige am Tage seines Zornes.
6 Er hält Gericht unter den Völkern, er häuft die Toten, die Häupter zerschmettert er weithin auf Erden.
7 Er trinkt aus dem Bach am Weg; so kann er (von neuem) das Haupt erheben.

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Frau Punk hat diesen Vers aus Psalm 118 für ihre Verkündigung gewählt: „Ich werde nicht sterben, sondern leben, um die Taten des Herrn zu verkünden.
Das ist eine Ansage – die im Grunde genommen jedem Christen gut ansteht, ist doch mit Jesus alles wahr geworden, was wir uns von Gott wünschen können, daher „lebt nicht mehr ihr, sondern Christus lebe in euch“ (Gal 2,20)!

Psalm 118

1 Danket dem Herrn, denn er ist gütig, denn seine Huld währt ewig.
2 So soll Israel sagen: Denn seine Huld währt ewig.
3 So soll das Haus Aaron sagen: Denn seine Huld währt ewig.
4 So sollen alle sagen, die den Herrn fürchten und ehren: Denn seine Huld währt ewig.
5 In der Bedrängnis rief ich zum Herrn; der Herr hat mich erhört und mich frei gemacht.
6 Der Herr ist bei mir, ich fürchte mich nicht. Was können Menschen mir antun?
7 Der Herr ist bei mir, er ist mein Helfer; ich aber schaue auf meine Hasser herab.
8 Besser, sich zu bergen beim Herrn, als auf Menschen zu bauen.
9 Besser, sich zu bergen beim Herrn, als auf Fürsten zu bauen.
10 Alle Völker umringen mich; ich wehre sie ab im Namen des Herrn.
11 Sie umringen, ja, sie umringen mich; ich wehre sie ab im Namen des Herrn.
12 Sie umschwirren mich wie Bienen, wie ein Strohfeuer verlöschen sie; ich wehre sie ab im Namen des Herrn.
13 Sie stießen mich hart, sie wollten mich stürzen; der Herr aber hat mir geholfen.
14 Meine Stärke und mein Lied ist der Herr; er ist für mich zum Retter geworden.
15 Frohlocken und Jubel erschallt in den Zelten der Gerechten: «Die Rechte des Herrn wirkt mit Macht!
16 Die Rechte des Herrn ist erhoben, die Rechte des Herrn wirkt mit Macht!»
17 Ich werde nicht sterben, sondern leben, um die Taten des Herrn zu verkünden.
18 Der Herr hat mich hart gezüchtigt, doch er hat mich nicht dem Tod übergeben.
19 Öffnet mir die Tore zur Gerechtigkeit, damit ich eintrete, um dem Herrn zu danken.
20 Das ist das Tor zum Herrn, nur Gerechte treten hier ein.
21 Ich danke dir, dass du mich erhört hast; du bist für mich zum Retter geworden.
22 Der Stein, den die Bauleute verwarfen, er ist zum Eckstein geworden.
23 Das hat der Herr vollbracht, vor unseren Augen geschah dieses Wunder.
24 Dies ist der Tag, den der Herr gemacht hat; wir wollen jubeln und uns an ihm freuen.
25 Ach, Herr, bring doch Hilfe! Ach, Herr, gib doch Gelingen!
26 Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn. Wir segnen euch vom Haus des Herrn her.
27 Gott, der Herr, erleuchte uns. Mit Zweigen in den Händen schließt euch zusammen zum Reigen bis zu den Hörnern des Altars!
28 Du bist mein Gott, dir will ich danken; mein Gott, dich will ich rühmen.
29 Dankt dem Herrn, denn er ist gütig, denn seine Huld währt ewig.

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Den Psalm 119 vorzustellen, ohne den Theologen und Märtyrer Dietrich Bonhoeffer zu erwähnen – da würden entscheidende Hinweise fehlen! Für den 1944 von den Nazis ermordeten Theologen hatte dieses Psalmenlied eine außergewöhnliche Bedeutung:

„Besonders schwer wird uns vielleicht der 119. Psalm um seiner Länge und Gleichmäßigkeit willen. Hier hilft uns ein langsames, stilles, geduldiges Fortschreiten von Wort zu Wort, von Satz zu Satz. Dann erkennen wir, dass die scheinbaren Wiederholungen doch immer neue Wendungen der einen Sache sind, der Liebe zu Gottes Wort. Wie diese Liebe kein Ende nehmen kann, so auch die Worte nicht, die sie bekennen. Sie wollen uns durch ein ganzes Leben begleiten und in ihrer Einfachheit werden sie zum Gebet des Kindes, des Mannes und des Greises.“

(DB in „Das Gebetbuch der Bibel“, Gesammelte Schriften Bd. IV, S.555)

*Psalm 119 besteht aus 176 Versen in 22 Strophen, jeweils benannt nach den 22 Buchstaben des hebräischen Alphabets, und jeder einzelne Vers beinhaltet eines der 8 Worte, mit denen die Tora bezeichnet wird: Gesetz, Wort, Urteil, Weisung, Gebot, Vorschrift, Befehl, Spruch (Anmerkung des Autors)

In seinem Werk „Nachfolge“ kommt Bonhoeffer auf einen Vers zu sprechen, der in der von ihm verwendeten lutherischen Übersetzung (auch für meine bescheidenen Ohren) einen besonders frischen und wirksamen Klang hat. Hören wir also die Worte des großen Theologen und Märtyrers:

„Der Ruf in die Nachfolge ist also Bindung an die Person Jesu Christi allein, Durchbrechung aller Gesetzlichkeit durch die Gnade dessen, der ruft. Er ist gnädiger Ruf, gnädiges Gebot. Er ist jenseits der Feindschaft von Gesetz und Evangelium. Christus ruft, der Jünger folgt. Das ist Gnade und Gebot in einem. „Ich wandle fröhlich, denn ich suche deine Befehle“

(Psalm 119,45 / Übersetzung nach Luther).

Psalm 119, 41-48 (6. Strophe „Waw“)

HERR, lass mir deine Gnade widerfahren, deine Hilfe nach deinem Wort,
dass ich antworten kann dem, der mich schmäht; denn ich verlasse mich auf dein Wort.
Und nimm ja nicht von meinem Munde das Wort der Wahrheit; denn ich hoffe auf deine Ordnungen.
Ich will dein Gesetz halten allezeit, immer und ewiglich.
Und ich wandle fröhlich; denn ich suche deine Befehle.
Ich rede von deinen Zeugnissen vor Königen und schäme mich nicht.
Ich habe Freude an deinen Geboten, sie sind mir sehr lieb,
und hebe meine Hände auf zu deinen Geboten, die mir lieb sind, und rede von deinen Weisungen.

Gehen wir weiter zur 11. Strophe.

Gott, unser Vater, du bist uns nahe in deinem Wort. Du bist uns auch nahe, wenn wir Hilfe ersehnen. Wir bitten dich um deinen Beistand, und vergessen dabei nicht, dir treu zu sein. Führe uns und stärke uns durch deine Gebote.

Psalm 119, 81-88 (11. Strophe „Kaf“)

Nach deiner Hilfe sehnt sich meine Seele; *
ich warte auf dein Wort.
Meine Augen sehnen sich nach deiner Verheißung, *
sie fragen: Wann wirst du mich trösten?

Ich bin wie ein Schlauch voller Risse, *
doch deine Gesetze habe ich nicht vergessen.
Wie viele Tage noch bleiben deinem Knecht? *
Wann wirst du meine Verfolger richten?
Stolze stellen mir Fallen, *
sie handeln nicht nach deiner Weisung.
Zuverlässig sind all deine Gebote. *
Zu Unrecht verfolgt man mich. Komm mir zu Hilfe!
Fast hätte man mich von der Erde getilgt; *
dennoch halte ich fest an deinen Befehlen.
In deiner großen Huld lass mich leben, *
und ich will beachten, was dein Mund mir gebietet.

Ehre sei dem Vater und dem Sohn *
und dem Heiligen Geist,
wie im Anfang, so auch jetzt und alle Zeit *
und in Ewigkeit. Amen.

Wir wechseln zur 13. Strophe.

Der Gehorsam gegenüber dem ewigen Schöpfer steht auch hier im Vordergrund. „Dein Gebot macht mich weiser als all meine Feinde; denn immer ist es mir nahe / denn ich beachte deine Befehle.“ Dann aber sehen wir in den letzten Versen ganz wunderbare Worte, gleichsam ein poetischer Höhepunkt: „Wie köstlich ist für meinen Gaumen deine Verheißung, süßer als Honig für meinen Mund.“

Psalm 119, 97-104 (13. Strophe „Mem“)

Wie lieb ist mir deine Weisung; *
ich sinne über sie nach den ganzen Tag.
Dein Gebot macht mich weiser als all meine Feinde; *
denn immer ist es mir nahe.

Ich wurde klüger als all meine Lehrer; *
denn über deine Vorschriften sinne ich nach.
Mehr Einsicht habe ich als die Alten; *
denn ich beachte deine Befehle.

Von jedem bösen Weg halte ich meinen Fuß zurück; *
denn ich will dein Wort befolgen.
Ich weiche nicht ab von deinen Entscheiden, *
du hast mich ja selbst unterwiesen.
Wie köstlich ist für meinen Gaumen deine Verheißung, *
süßer als Honig für meinen Mund.

Aus deinen Befehlen gewinne ich Einsicht, *
darum hasse ich alle Pfade der Lüge.

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„Woher kommt mir Hilfe?“ Starker Gott, du behütest uns und hilfst uns. Steh uns zur Seite in aller Bedrängnis. „Meine Hilfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat… Der Herr ist dein Hüter, der Herr gibt dir Schatten; er steht dir zur Seite.“

Psalm 121

Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen: *
Woher kommt mir Hilfe?
Meine Hilfe kommt vom Herrn, *
der Himmel und Erde gemacht hat.

Er lässt deinen Fuß nicht wanken; *
er, der dich behütet, schläft nicht.
Nein, der Hüter Israels *
schläft und schlummert nicht.
Der Herr ist dein Hüter, der Herr gibt dir Schatten; *
er steht dir zur Seite.

Bei Tag wird dir die Sonne nicht schaden *
noch der Mond in der Nacht.
Der Herr behüte dich vor allem Bösen, *
er behüte dein Leben.
Der Herr behüte dich,
wenn du fortgehst und wiederkommst, *
von nun an bis in Ewigkeit.

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Verstehen wir den ursprünglichen und einfachen Sinn der Familie überhaupt noch? Wollen wir ihn vielleicht nicht mehr verstehen, in der sinnentleerten Debatte um die gleichgeschlechtliche Ehe? Hier bleibt doch die Grundfrage unbeantwortet: Wie läßt sich eine kinderlose mit einer kindertragenden Gemeinschaft gleichstellen?

Psalm 128

Wohl dem Mann, der den Herrn fürchtet und ehrt *
und der auf seinen Wegen geht!
Was deine Hände erwarben, kannst du genießen; *
wohl dir, es wird dir gut ergehn.
Wie ein fruchtbarer Weinstock ist deine Frau *
drinnen in deinem Haus.
Wie junge Ölbäume sind deine Kinder *
rings um deinen Tisch.
So wird der Mann gesegnet, *
der den Herrn fürchtet und ehrt.

Es segne dich der Herr vom Zion her. *
Du sollst dein Leben lang das Glück Jerusalems schauen
und die Kinder deiner Kinder sehn. *
Frieden über Israel!
Ehre sei dem Vater und dem Sohn *
und dem Heiligen Geist,
wie im Anfang, so auch jetzt und alle Zeit *
und in Ewigkeit. Amen.

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Ein Danklied von besonderer Schönheit erleben wir im folgenden Psalm. Es beginnt mit einem Hinweis auf die Gebetsrichtung, zum Tempel hin, also zur Kirche, in der uns Gott begegnet. Der große Dank gilt dem Namen des Herrn. Er steht für die lebendige Wirklichkeit unseres persönlichen Gottes, dessen Treue und Barmherzigkeit der Grund unseres Vertrauens und unserer Hoffnung sind. Der tief empfundene Dank für die erfahrene Güte Gottes weitet sich zum hymnischen Lob: „Dich sollen preisen, Herr, alle Könige der Welt!“ Wie Jesaja 57,15 verkündet, so hören wir auch hier, dass Gott ‚bei den Zerschlagenen und Unterdrückten ist, um ihren Geist und ihr Herz wiederaufleben zu lassen‘: „Ja, der Herr ist erhaben; doch er schaut auf die Niedrigen und die Stolzen erkennt er von fern.“

Psalm 138

[Von David.] Ich will dir danken aus ganzem Herzen, /
dir vor den Engeln singen und spielen;
ich will mich niederwerfen zu deinem heiligen Tempel /
hin und deinem Namen danken für deine Huld und Treue.

Denn du hast die Worte meines Mundes gehört, /
deinen Namen und dein Wort über alles verherrlicht.
Du hast mich erhört an dem Tag, als ich rief; /
du gabst meiner Seele große Kraft.
Dich sollen preisen, Herr, alle Könige der Welt, /
wenn sie die Worte deines Mundes vernehmen.

Sie sollen singen von den Wegen des Herrn; /
denn groß ist die Herrlichkeit des Herrn.
Ja, der Herr ist erhaben; /
doch er schaut auf die Niedrigen /
und die Stolzen erkennt er von fern.

Gehe ich auch mitten durch große Not: /
du erhältst mich am Leben.
Du streckst die Hand aus gegen meine wütenden Feinde /
und deine Rechte hilft mir.
Der Herr nimmt sich meiner an. /
Herr, deine Huld währt ewig. /
Lass nicht ab vom Werk deiner Hände!

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Psalm 139, zunächst im Originaltext, dann in neuen Worten.

Psalm 139

[Ein Psalm Davids] Herr, du hast mich erforscht und du kennst mich.
Ob ich sitze oder stehe, du weißt von mir. Von fern erkennst du meine Gedanken.
Ob ich gehe oder ruhe, es ist dir bekannt; du bist vertraut mit all meinen Wegen.
Noch liegt mir das Wort nicht auf der Zunge – du, Herr, kennst es bereits.
Du umschließt mich von allen Seiten und legst deine Hand auf mich.
Zu wunderbar ist für mich dieses Wissen, zu hoch, ich kann es nicht begreifen.
Wohin könnte ich fliehen vor deinem Geist, wohin mich vor deinem Angesicht flüchten?
Steige ich hinauf in den Himmel, so bist du dort; bette ich mich in der Unterwelt, bist du zugegen.
Nehme ich die Flügel des Morgenrots und lasse mich nieder am äußersten Meer,
auch dort wird deine Hand mich ergreifen und deine Rechte mich fassen.
Würde ich sagen: «Finsternis soll mich bedecken, statt Licht soll Nacht mich umgeben»,
auch die Finsternis wäre für dich nicht finster, die Nacht würde leuchten wie der Tag,
die Finsternis wäre wie Licht.
Denn du hast mein Inneres geschaffen, mich gewoben im Schoß meiner Mutter.
Ich danke dir, dass du mich so wunderbar gestaltet hast.
Ich weiß: Staunenswert sind deine Werke.
Als ich geformt wurde im Dunkeln, kunstvoll gewirkt in den Tiefen der Erde,
waren meine Glieder dir nicht verborgen.
Deine Augen sahen, wie ich entstand, in deinem Buch war schon alles verzeichnet;
meine Tage waren schon gebildet, als noch keiner von ihnen da war.

Wie schwierig sind für mich, o Gott, deine Gedanken, wie gewaltig ist ihre Zahl!
Wollte ich sie zählen, es wären mehr als der Sand. Käme ich bis zum Ende, wäre ich noch immer bei dir.
Wolltest du, Gott, doch den Frevler töten! Ihr blutgierigen Menschen, lasst ab von mir!
Sie reden über dich voll Tücke und missbrauchen deinen Namen.
Soll ich die nicht hassen, Herr, die dich hassen, die nicht verabscheuen, die sich gegen dich erheben?
Ich hasse sie mit glühendem Hass; auch mir sind sie zu Feinden geworden.
Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz, prüfe mich und erkenne mein Denken!
Sieh her, ob ich auf dem Weg bin, der dich kränkt, und leite mich auf dem altbewährten Weg!
(Ps 139, 1-24)

Psalm 139 – in neuen Worten

Herr, mein Gott, mein Vater im Himmel,
wie schön, dass du mich siehst.
Du kennst mich.
Du siehst mich, wenn ich Angst habe,
du siehst mich, wenn ich mich verstecke
und nicht zugebe, was ich getan habe.
Du siehst mich, wenn ich allein bin und von großen Dingen träume
und von dem Leben, das vor mir liegt.

Wie gut, dass du mich siehst!
Ich kann ja keinen Schritt tun,
bei dem du mich nicht begleitest.
Ich kann kein Wort denken,
das du nicht hörst, ehe ich es ausspreche.
Wie in zwei großen Händen hältst du mich.
Ich bin darin geborgen wie ein Vogel im Nest,
und manchmal scheint mir, ich sei darin gefangen wie ein Vogel im Käfig.

Herr, manchmal ist mir unheimlich vor deiner großen Hand,
in der ich gefangen bin, und ich möchte ihr gerne entrinnen.
Ich denke über die große Welt nach,
über die künstlichen Monde, die die Menschen machen,
über die Raumschiffe, die in den Weltraum hinausjagen,
und denke mir, dass wir Menschen dich eigentlich nicht mehr nötig haben.

Aber während ich das denke, bist du um mich
und ich bin in deinen beiden großen Händen.
Ich denke manchmal auch, es habe eigentlich gar keinen Sinn, dass es mich gibt.
Dann habe ich dieses Leben satt und würde es gerne wegwerfen,
denn ich habe es mir nicht selber ausgesucht.
Aber ich weiß: Wenn ich mein Leben wegwerfe und zu den Toten komme,
dann begegne ich dort doch wieder dir
und ich bin wieder in deinen Händen gefangen
und bin weder meinen Aufgaben noch dir entflohen.

Manchmal träume ich vom großen Leben.
Ich träume davon,
reich oder schön oder mächtig zu sein,
so dass mich die Menschen sehen und bewundern und von mir reden.
Nicht nur die in meiner Straße,
sondern alle, alle Menschen in der ganzen Welt,
dann kommt es mir so dumm und klein vor,
das Leben, das ich führen soll, in dem es immer heißt:
Du sollst, du sollst nicht.
Du darfst, du darfst nicht.
Und ich möchte dem allen davonlaufen.

Aber ich weiß, das sind Träume.
Deine Hand ist starker.
Deine Hand hält mich fest in meiner Schule
oder in meiner Arbeit
oder in Deinem Hause,
und auf alle Fälle dort, wo meine kleinen Aufgaben sind.
Es ist gut, Herr, dass du mich festhältst.

Manchmal denke ich: Jetzt sieht mich niemand.
Kein Mensch sieht mich und auch du, Herr, bist nicht dabei.
Wenn es dunkel ist oder wenn die Vorhänge an meinem Fenster zugezogen sind.

Und doch weiß ich, wie dumm es ist, zu meinen,
dass du, Gott das Tageslicht brauchst oder eine Lampe, um mich zu sehen,
als ob du Augen hättest wie ein Mensch.

Aber es ist gut, Herr, dass du mich siehst.
Wie sollte ich leben können, wenn du nicht auf mich acht hättest,
wenn du mit deinen großen Händen und mit deiner Liebe
nicht immer und überall um mich her wärest?

Wenn ich mich selbst betrachte und meine Hand ansehe
oder im Spiegel mein Gesicht oder meine Gestalt,
dann weiß ich: Das alles hast du gemacht. Es ist gut, das zu wissen.

Ich weiß nichts davon,
was mit mir geschehen ist, als ich klein war,
als ich noch nicht gehen und noch nicht sprechen konnte.
Ich weiß auch nicht, wie es zuging, dass ich im Leib meiner Mutter wuchs.
Auch das hast du getan.
Aus deinen guten und großen Gedanken bin ich entstanden.
Gib mir Ehrfurcht in mein Herz und in meine Gedanken.
Ehrfurcht vor dem Leibe, in dem meine Mutter mich getragen hat,
und Ehrfurcht vor deinen geheimnisvollen Gedanken.
Denn ich möchte dir danken für alles, was du mir gegeben hast,
für meinen Leib, für Geist und Seele,
für meine Geschicklichkeit und meine gesunde Kraft.

Ich möchte dir für vieles andere mehr danken.
Ich danke dir, dass du meinen Weg bestimmt hast
und nicht der Zufall, nicht die Sterne, die die Leute um mich her befragen,
auch nicht die fremde Macht, die wir das Schicksal nennen.
Ich danke dir für jeden Tag, den ich erlebe, denn er kommt aus deiner guten Hand.
Ich bitte dich, mein Gott, hilf mir, dass ich mich nicht beklage,
weil ich nicht so begabt,
nicht so schön
oder nicht so gesund bin wie andere.
Lass mich dankbar sein, dass du mich so gemacht hast, wie ich bin,
lass mich dankbar sein und dich preisen.

(Jörg Zink – geb. 1922 in Schlüchtern-Elm; evangelischer Theologe, Pfarrer, Publizist; Sprecher der Friedens- und Ökologiebewegung)

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6 Gedanken zu “Ausgewählte Psalmen

  1. Wer könnte schon bessere Gebete finden als herrlichen psalmen. Hier den Psalm 8 .
    Herr unser Herrscher , wie gewaltig ist dein Name auf der Erde.

  2. Gott unser Vater allein: Er bestimmt unser Leben durch Sich Selbst. . Er allein ist der Heilige, Er Allein…
    Wer wollte denn Gott Sein, wenn nicht Gott selbst? Der Menschen Demut ist angesagt, der Verstand dem Willen des Allmächtigen unter-zu-ordnen! Herr Jesus Christus, der Duu für uns gestorben bist — dem Willen des Vaters gehorsam — erbarme Dich unser und sende uns immerwieder neu deinen Heiligen Geist, damit Er uns führe und behüte in einerZeit, da es mehr Dunkelheit zu geben scheint, denn Hoffnung und Vertrauen… amen amen.

  3. Ich beschäftige mich seit einiger Zeit mit den Psalmen, und suchte eine Webseite wo ich die wichtigsten zum persönlichen Gebrauch finde. Ich bat Gott mir zu helfen und stieß auf diese Seite.

    1. Lieber Gerd, ganz herzlichen Dank für Deinen Kommentar.
      Schönheit, Trost und Wahrheit der Psalmen haben sich mir sehr langsam – aber doch – erschlossen, ER hat wie immer den Anstoß gegeben. Die hier vorgestellte Sammlung der Psalmen wird noch wachsen, und natürlich sind Anregungen willkommen!

      Ein Tipp zum Lesen:
      Die Botschaft der Psalmen
      Johannes Paul II. / Benedikt XVI.
      Verlag Katholisches Bibelwerk
      ISBN 978-3-460-32090-1

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