VATERUNSER (BXVI)

Ein großes Vermächtnis wird uns im Neuen Testament geschenkt:
Jesus
spricht das Gebet zum Vater, das „Vaterunser„.


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Matthäus, Kapitel 6, Vers 9-15:

So sollt ihr beten: Unser Vater im Himmel, dein Name werde geheiligt (Lk 11,2), dein Reich komme, dein Wille geschehe wie im Himmel, so auf der Erde. Gib uns heute das Brot, das wir brauchen. Und erlass uns unsere Schulden, wie auch wir sie unseren Schuldnern erlassen haben (Sir 28,2). Und führe uns nicht in Versuchung, sondern rette uns vor dem Bösen (Joh 17,15). Denn wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebt, dann wird euer himmlischer Vater auch euch vergeben (Mk 11,25; Lk 6,37). Wenn ihr aber den Menschen nicht vergebt, dann wird euch euer Vater eure Verfehlungen auch nicht vergeben.

Lukas, Kapitel 11, Vers1-4:

Jesus betete einmal an einem Ort; und als er das Gebet beendet hatte, sagte einer seiner Jünger zu ihm: Herr, lehre uns beten, wie schon Johannes seine Jünger beten gelehrt hat (Mt 6,9). Da sagte er zu ihnen: Wenn ihr betet, so sprecht: Vater, dein Name werde geheiligt. Dein Reich komme. Gib uns täglich das Brot, das wir brauchen. Und erlass uns unsere Sünden; denn auch wir erlassen jedem, was er uns schuldig ist. Und führe uns nicht in Versuchung.

So beten wir das Vaterunser wie folgt:

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde dein Name,
dein Reich komme,
dein Wille geschehe wie im Himmel,
so auch auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute
und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

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Papst Benedikt XVI. hat dem Vaterunser in seinem Buch „Jesus von Nazareth“ ein eigenes Kapitel gewidmet.
Es sind Gedanken, die uns ein tieferes, und auch zeitgemäßeres Verstehen dieses wunderbaren Gebets ermöglichen.

Der folgende Text ist der Versuch einer Vaterunser-Betrachtung,
nach ausgewählten Gedanken des Heiligen Vaters,
abschließend in einem Gebet zusammengefasst.

___

„Vater unser…

Vater, Herr, Unaussprechlicher, Mächtiger, Beschützer, Liebender, Ewiger, Unermesslicher, Gnadenspender, Du bist Jesu Christi Vater. Das Privileg ‚Sohn Gottes‘ ist Jesus vorbehalten. Und doch bist Du auch unser Schöpfer, unser aller Vater. Wir alle gemeinsam sind Kinder Gottes, somit sagen wir nicht Vater, sondern Vater unser.

…im Himmel…

Gott, Du bist die Wahrheit, und bist in Wahrheit – überall. Das All, das Universum, der Kosmos, das Alles bist Du. Du hast alle Lebewesen und uns Menschen schon immer miteingeschlossen, von Anbeginn der Zeiten: Vater unser, der Du uns alle von Anfang an gedacht und gewollt hast.

…geheiligt werde dein Name…

Es gibt keinen Namen für Dich. Wenn wir Dich Gott rufen, soll dieser „Name“ durch uns Menschen nicht missbraucht werden. Dein Sohn Jesus hat uns diese Lobpreisungen und Bitten anvertraut: Durch das Geschenk deiner Liebe, Jesus Christus, dürfen wir dieses Gebet zu dir sprechen und wollen deinen Namen heiligen.

…dein Reich komme…

Dich, Herr, wünschen und ersehnen wir an unserer Seite. Damit ist Dein Wort ganz bei uns. So rufen wir: Komm Heiliger Geist, und wirke in uns allen, lass uns das Reich Gottes erkennen, und die Worte des Vaters und des Sohnes hören,

…dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden…

Wo auch immer Du bist, wer immer Du bist, Dein Wille geschehe. Durch Dich leben wir in der Freiheit, für oder gegen Dich zu handeln. Gerade deswegen bitten wir: Schenke uns Deine Gnade, damit wir verstehen lernen, woher wir kommen und wohin wir unsere Schritte lenken: Dein Wille geschehe, immer und überall, und Deine Gnade mache uns frei, unseren Alltag anzunehmen, Deinen Willen und unsere Berufung zu erkennen.

…unser tägliches Brot gib uns heute…

Begleite uns heute, dass wir durch diesen Tag kommen und uns nicht um die Zukunft sorgen. Daraus erwachse uns die Kraft für die Verkündigung Deiner Herrlichkeit: Deine göttliche Speise und unser tägliches Brot gib uns heute, öffne uns jeden Tag – ohne Zukunftsängste – für Deine Herrlichkeit, für die Nachfolge Jesu Christi, und die Gemeinschaft aller Menschen.

…und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern…

Ohne Dich sind wir nichts. Ohne Dich bewirken wir nichts. Ohne Dich vergeben wir nicht: Vergib uns unser tägliches Schuldigwerden, und stärke unsere Liebe zu dir, sodass wir mit deiner Hilfe unseren Nächsten vergeben.

…führe uns nicht in Versuchung…

Wir sind frei, und so entscheiden wir uns jeden Tag für das Gute oder für alles das, was uns von Dir entfernt. Du bist unsere Hoffnung, deshalb sprechen wir voller Vertrauen: Lasse uns nicht verzweifeln in der Suche nach Dir, unserem Gott, und prüfe uns in dem Maß, das Du für jeden von uns nach Deiner Gerechtigkeit festgelegt hast, am Kreuz unseres Lebens, damit unsere Seele rein wird,

…sondern erlöse uns von allem Bösen, denn dein ist das Reich, und die Kraft und die Herrlichkeit, Amen.“

Durch den Tod und durch die Auferstehung Deines Sohnes Jesus Christus wissen wir um unsere Erlösung. So bitten wir als Deine Kinder Gottes: Nimm uns auf in deine Mitte, denn du bist die Liebe, die Hoffnung und die Gnade, in Ewigkeit, Amen.

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Vater unser,
der Du uns alle von Anfang an gedacht und gewollt hast,

durch das Geschenk Deiner Liebe, Jesus Christus,
dürfen wir dieses Gebet zu Dir sprechen
und wollen Deinen Namen heiligen,

komm Heiliger Geist, und wirke in uns allen,
lass uns das Reich Gottes erkennen
und die Worte des Vaters und des Sohnes hören,

Dein Wille geschehe, immer und überall,
und Deine Gnade mache uns frei, unseren Alltag anzunehmen,
Deinen Willen und unsere Berufung zu erkennen.

Deine göttliche Speise und unser tägliches Brot gib uns heute,
öffne uns jeden Tag
– ohne Zukunftsängste – für Deine Herrlichkeit,
für die Nachfolge Jesu Christi, und die Gemeinschaft aller Menschen,

vergib uns unser tägliches Schuldigwerden,
und stärke unsere Liebe zu Dir,
sodass wir mit Deiner Hilfe unseren Nächsten vergeben,

lasse uns nicht verzweifeln in der Suche nach Dir, unserem Gott,
und prüfe uns
in dem Maß,
dass Du für jeden von uns nach Deiner Gerechtigkeit festgelegt hast
am Kreuz unseres Lebens,
damit unsere Seele rein wird,

und nimm uns auf in Deine Mitte,
denn Du bist die Liebe, die Hoffnung und die Gnade,
in Ewigkeit,
Amen.

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Diese „Variation“ bedeutet keinesfalls den Wunsch nach einer Änderung des Vaterunser.
Ganz im Gegenteil:

Mir persönlich haben die Gedanken des Papstes geholfen,
dieses grundlegendste aller Gebete noch bewusster zu beten –
vielleicht geht es ja dem einen oder anderen Leser ähnlich:

Vaterunser im Himmel, geheiligt werde Dein Namen, Dein Reich komme… +

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++Hier geht’s weiter zu den Katechesen von Papst Benedikt XVI. über das Beten
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2 Gedanken zu “VATERUNSER (BXVI)

  1. Ich habe mit dem „Vater unser“ das Problem, wie sicher viele Christen, dass ich Gefahr laufe, gedanklich abzuschweifen. Mich intensiv auf das Gebet, das ich meist mit anderen in meiner Gemeinde laut und stehend spreche, zu konzentrieren, als nähme ich die persönliche Gegenwart unseres Schöpfers, zu dem ich spreche, körperlich wahr, gelingt einfach nicht.

    Mitunter schweife ich aber auch mit gutem Grund ab. Zum Beispiel bei der Bitte um Schuldvergebung. Aus gegebenen Anlässen frage mich, ob ich erlittenes Unrecht auch wirklich vergeben habe. Die Drohung in Matth. 6, 15 kann schon mal unsicher machen, was denn an meiner Vergebung dran ist. Ob ich wohl aus vollem Herzen vergeben habe. Da steht dann die Erkenntnis, dass der Vater dem nicht vergebungsbereiten Kind auch nicht vergibt. Und damit wäre das ewige Leben wegen einer (vergleichsweise) lächerlichen Lappalie verspielt.

    Das oben wiedergegebene Gebet unseres Papstes, das das Gebet unseres Herrn mit eigenen Erkenntnissen, Bedürfnissen und Wünschen bereichert, hilft mir (und sicher vielen anderen), das auswendig gelernte Gebet mit praktischen Beispielen und erfrischenden Interpretationen lebendig unserem Gott vorzutragen. Denn Gott will, dass wir zu Ihm sprechen, aber so, dass er bei unserem pflichtgemäßen Gefasel nicht müde wird.

  2. „unser tagliches Brot gib uns heute“ Gib uns die Kraft und hilf uns, Deine Forderung, uns die Erde untertan zu machen, sie zu gestalten, zu erfüllen Das bedeutet, dass alle Menschen genügend zu essen haben und auch die Natur bewahrt wird für kommende Generationen. Um uns zu zeigen, wir wir diese Aufgaben erfüllen können, hast Du uns die 10 Gebote gegeben. „Vergib uns unsere Schuld“, wenn wir heute gegen diese Gebote verstoßen haben.

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