Betrachtung zu den lichtreichen Geheimnissen

+
zurück
zu+Wie bete ich den Rosenkranz
+

***

+

Kurze Anleitung zu den Rosenkranzbetrachtungen

Der Weg auf Gott zu und zu ihm „zurück“ führt über das Gebet. Sich Zeit für das Gebet zu nehmen, es einzuüben und regelmäßig zu praktizieren, kann ab sofort unsere Priorität Nummer eins werden. Es gibt kein Rezept, wie man beten „lernen“ kann. Aber es gibt erprobte Pfade des Einübens. Dieses Projekt möchte eine Hilfe auf dem Weg der Praxis sein und kann ganz individuell verwendet werden. Dazu einige Hinweise:

  • Die Einteilung in Tage ist eine Empfehlung, eine Einladung, aber keine Verpflichtung – weder in der Reihenfolge, noch im Umfang. Es hat natürlich schon einen Sinn, dem Aufbau der Übungsschritte zu folgen. Doch wenn ich mit dem Inhalt eines Tages gerade nicht zurecht komme, kann ich ihn z. B. überspringen und später darauf zurückkommen. Wenn ich merke, dass ich für ein Thema mehr als einen Tag brauche, kann ich mir diese Zeit ruhig nehmen und mit den weiteren Schritten später fortfahren.
  • Qualität geht zwar vor Quantität. Trotzdem wird empfohlen, sich für jeden Tag etwa 20 Minuten Zeit zu nehmen. Es tut gut, für die Dauer dieser Gebetsübungen eine möglichst fixe Zeit zu haben, zu der ich aus dem Alltag aussteige und mich in mein inneres Gespräch mit Gott einlasse. Ich schenke Gott und auch mir selbst diese Zeit.
  • Die schon etwas „geübten“ Beter sind herzlich eingeladen, zum Abschluss das jeweilige Gesätzchen des Rosenkranzes zu beten. Eine Anleitung zum Beten des Rosenkranzes ist hier zu finden.
  • Nach diesen fünf Tagen „kann“ ich nicht beten – so wie ich eine bestimmte Fertigkeit beherrsche. Nachdem Gebet Beziehung ist, geht es jetzt erst richtig los! Das Leben gemeinsam mit Gott ist ein großes Abenteuer – jeden Tag aufs Neue!
  • Für Fragen und Aussprachen, für das gemeinsame Beten in verschiedenen Gruppen: Wenden Sie sich bitte an Ihre Pfarre oder an einen geistlichen Begleiter!

+

*

Es gibt einen Grund, warum der Rosenkranz ein Gebet ist, das so einfach funktioniert: Weil wir hier nicht alleine beten. Wir grüßen ja Maria, die Frau, die Gott zur Mutter seines Sohnes erwählt hat.

Weil Maria so ganz von Gott berührt ist, weil sie wie keine andere erfahren hat, was für ein Glück es ist, zu Gott Ja zu sagen, darum will sie auch, dass wir dieselbe positive Erfahrung machen. Das Schöne am Rosenkranz ist, dass wir an der Hand der Mutter sicher zum Sohn, unserem Herrn, geführt werden.

Viele von uns gehen gerne ins Kino, oder schauen DVDs. Den Rosenkranz zu beten ist als ob man einen Film im Kopf schauen würde – man darf dazu diese kostbare Gabe aktivieren, die wir Fantasie nennen. In der Sprache der Kirche heißt das: Betrachtung.

Die Muttergottes hat bei ihren Erscheinungen in Fatima sogar kleine Kinder aufgefordert, den Rosenkranz zu beten, und zwar betrachtend zu beten. Das ist gerade nicht langweilig, sondern spannend: Wenn man bei jedem Gesätzchen (einem Zehnerblock von Gegrüßet seist du Maria) an ein anderes Ereignis im Leben Jesu denkt. Das Rosenkranzbeten ist eine Art betrachtendes Bibel-Film-Schauen; somit ist dieses Gebet auch lectio divina und darf als urchristliche, katholische Gebetsform bezeichnet werden.

Am Beispiel des lichtreichen Rosenkranzes – im Gedenken an den kürzlich heilig gesprochenen Johannes Paul II. – werden Mediationen vorgestellt, die auch in dem Büchlein „Beten ist einfach“ aus dem Stift Heiligenkreuz nachzulesen sind.

+

Die lichtreichen Geheimnisse

*

1.Tag / 1. Geheimnis

Jesus, der von Johannes getauft worden ist

Wer ist Christus mit etwa 30 Jahren? Er ist manchen als Sohn eines Tischlers aus Nazareth bekannt, aber für die Welt ist er ein Unbekannter. Ein Verwandter von Jesus ist viel berühmter, alle Welt kennt Johannes den Täufer, der nach einer inneren Vorbereitung in der Wüste jetzt als neuer Prophet in Israel auftritt.

Die Menschen sind von der Predigt des Johannes betroffen. Dieser verlangt radikale Unterwerfung unter Gott, alles andere sei Sünde. Johannes predigt seinen Glauben in aller Klarheit und zieht damit die Leute an den Jordan, den lebensspendenden Fluss im Wüstenland. Die Menschen sollen neu mit Gott zu leben beginnen, indem sie sich im Jordantal ins Wasser untertauchen lassen: Zeichen der Reinigung, Zeichen für das Bemühen, ein Leben nach dem Willen Gottes anzufangen.

So gut wie niemand kennt zu diesem Zeitpunkt Jesus, der bisher verborgen in Nazareth lebt. Er arbeitet dort als Handwerker wie sein Nährvater Josef, umsorgt von seiner Mutter Maria. Doch jetzt ist er gekommen, der große Tag der Offenbarung.

Johannes der Täufer steht als Prophet am Jordan, und die Menschen lassen sich in das Wasser des Lebens tauchen. Und Jesus kommt in großer Demut zum Fluß, steigt mit den anderen in das Wasser. Aber es ist nicht die Taufe der Buße, sondern die Taufe der Enthüllung!

Über Christus öffnet sich der Himmel, die Stimme des Vaters und das Herabsteigen des Geistes bezeugen: Er selbst ist das Leben. In Jesus lebt Gott mitten unter uns Menschen. Schau mit den Augen deines Herzens auf den offenen Himmel und auf Jesus: Du siehst einen gewöhnlichen Menschen vor Johannes dem Täufer stehen – doch der ist er nicht: Wer sich da zur Taufe niederbeugt, ist der ewige Sohn des ewigen Vaters, er ist Gott von Gott, Licht vom Licht, eines Wesens mit dem Vater von Ewigkeit.

Und als Jesus dann nach drei Jahren des öffentlichen Wirkens am Kreuz stirbt, da öffnet sich die Gnade der Gottheit endgültig für uns: Aus dem durchbohrten Herzen Jesu fließt der neue Jordan hervor – das Wasser der Taufe, das über dich schon geflossen ist, um dir neues Leben zu schenken. Nun bist du gefordert, die Nähe Jesu in deinem Leben zu suchen; dann lebst auch du unter einem offenen Himmel.

+

2. Tag / 2. Geheimnis

Jesus, der sich bei der Hochzeit in Kana offenbart hat

Jesus wirkt sein erstes Zeichen bei einer Hochzeit. Maria ist die Eingeladene, ihr Sohn Jesus und dessen Jünger begleiten sie. Immer wieder ist Jesus zu Gast bei den Menschen, den einfachen, den reichen, den angesehenen und den verachteten. Christus liebt das Feiern. Bei diesem Fest ist es wie im Leben: es gibt Höhepunkte und Pannen; bei diesem Fest geht der Wein aus. Wein steht für Lebensfreude, Lebenssinn, Lebensfülle. Eine Hochzeit ohne Wein ist wie die Sonne ohne Strahlen. Es ist Maria, die Jesus auf diesen Mangel aufmerksam macht.

Das kannst Du von Maria lernen: Wenn du dringend etwas brauchst, dann gehe zu Jesus und vertraue darauf, dass er es geben kann. Maria bittet Jesus, weil sie ihm alles zutraut. Allerdings hat Gott seine eigenen Regeln: Er ist kein Automat, wo man oben eine Bitte einwirft, und der erfüllte Wunsch unten herauskommt…

Obwohl Jesus scheinbar abweisend ist, gibt Maria den Dienern die Weisung: »Was Jesus euch sagt, das tut.« Hier erlebst du einen weiteren guten Rat Mariens für alle, die sich Christen nennen: Was er sagt, das müssen wir tun!

Die Diener haben den Sinn des folgenden Befehls sicher nicht verstanden, denn er ordnet an, hunderte Liter Wasser vom entfernt gelegenen Brunnen zu holen. Wer will schon Wasser trinken, wenn Wein gefragt ist? Vielleicht geht es dir auch so mit den Weisungen Jesu: Du denkst, das ist doch mühselig, das ist doch altmodisch, das macht doch gar keine Freude.

Doch die Diener folgen dem Rat Mariens: »Was er euch sagt, das tut!« Und gerade deshalb kann Jesus solch ein Wunder wirken: Wasser wird zu Wein, die Hochzeitsfeier ist gerettet.

Es ist so einfach. Wo du treu tust, was Jesus von dir will, da verwandelt sich alle Frustration und Sinnleere in Lebensfreude. Und damit du erkennst was Gott von dir will, höre auf Maria. Oder wie Papst Benedikt XVI. es formuliert: »Blicke mit Maria auf Jesus.«

+

3. Tag / 3. Geheimnis 

Jesus, der uns das Reich Gottes verkündet hat

Das allererste Wort, das Jesus bei seiner öffentlichen Verkündigung sagt, lautet: »Kehrt um, denn das Reich Gottes ist nahegekommen!« Jesus meint mit „Reich“ nicht ein irdisches Reich, er meint nicht ein bestimmtes Gebiet, nicht ein gesellschaftliches Machtgebilde auf Erden. Solche Reiche kommen und vergehen, Herrscher treten an und treten ab, Regierungen werden gebildet und wieder aufgelöst.

Das griechische Wort „basileia“ muss am besten mit „Königsherrschaft“ übersetzt werden. Dort, wo Gott als König in den Herzen der Menschen regiert, hat das Reich Gottes begonnen. Darum sagt Jesus auch beim Verhör vor Pontius Pilatus: »Meine Königsherrschaft ist nicht von dieser Welt!«

Jesus möchte, dass du auf das schaust, was hinter diesem irdischen Leben liegt. Denn die Herrschaft Gottes beginnt erst dort, wo du aufhörst, bloß weltlich zu denken. Deshalb fordert Jesus viel von dir: dass du deine Feinde lieben sollst, dass du großherzig geben sollst, dass du schmerzbereit verzeihen sollst, dass du auf keinen Fall an den Dingen dieser Welt hängen sollst.

Wo und wann beginnt das Reich Gottes? Ganz einfach. Schiebe den schweren Vorhang vor den Augen deines Herzens weg. Das Reich Gottes beginnt dort in dir, wo du beginnst, wie Jesus zu lieben. Gottes Herrschaft hat noch nicht begonnen, wenn du etwas anderes über dein Leben herrschen lässt: deine Karriere, dein Anerkanntwerden, deinen Erfolg, deine Zufriedenheit, dein Bankkonto.

Diesen Götzen hat Jesus den Kampf angesagt, denn sie führen zur Verhärtung deines Herzens und zu einer falschen Orientierung. Liebe Jesus von ganzem Herzen, sage ihm wie Maria, dass du ihm dienen willst, dann kann er seine Königsherrschaft in deinem Leben machtvoll aufrichten.

+

4. Tag / 4. Geheimnis

Jesus, der auf dem Berg verklärt worden ist

Jesus steht weithin sichtbar auf dem Berg. Er hat drei Jahre lang Wunder gewirkt: Lahme sind gesund aufgestanden, böse Geister sind aus den Besessenen ausgefahren, Blinde wurden sehend, Taube hörend. Und nun steht er auf dem Berg, während göttlicher Glanz aus ihm strahlt. In Jesus ist alles in Erfüllung gegangen, was Gott verheißen hat. Darum erscheinen plötzlich Mose und Elias. Denn das Gesetz, das Gott durch Mose gegeben hatte, ist durch Jesus erfüllt; und das Heil, das der Prophet Elias verkündet hat, ist durch Jesus leibhaftig anwesend.

Der verklärte Jesus strahlt uns an. In diesem Strahlen seines göttlichen Glanzes fühlen wir uns natürlich wohl. So wohl, wie sich Petrus, Jakobus und Johannes gefühlt haben, die der Herr mit auf den Berg genommen hat. Petrus verleiht diesem Ergriffensein, auch dieser Überforderung Ausdruck: »Es ist gut, dass wir hier sind. So soll es immer bleiben. Lasst uns drei Hütten bauen.«

Dieses wohlige Gefühl, wenn es uns innerlich gut geht, kennen wir. Aber Jesus bleibt nicht auf dem Berg der Verklärung. Er steigt hinunter, um nach Jerusalem zu gehen und dort zu sterben! Ein anderer Berg erwartet ihn, der Ölberg.

Dorthin wird er dieselben drei Jünger mitnehmen. Und dort wird Jesus in der Nacht vor seinem Tod Blut schwitzen. Auf dem Berg der Verklärung zeigt er seine wahre Gottheit; auf dem Ölberg enthüllt sich sein wahres Menschsein. Der viel geliebte Sohn des göttlichen Vaters leidet Todesangst.

Du musst bereit sein – an der Hand der Muttergottes – Jesus auf beide Berge zu folgen. Du wirst grausame Ölberg-Situationen durchleben, wo du dich von Gott und der Welt verlassen fühlst. Und du wirst Verklärungs-Erfahrungen haben, wo es dir göttlich wohl ums Herz wird, weil du von den Strahlen ewiger Liebe durchdrungen wirst. Vor dem einen brauchst du dich nicht wirklich zu fürchten; das andere kannst du in deinem Leben nicht wirklich festhalten. Am Ende aber steht die ewige Verklärung, auf die dir das Aufstrahlen Jesu auf dem Berg Tabor nur einen kleinen Vorgeschmack gibt.

+

5. Tag / 5. Geheimnis

Jesus, der uns die Eucharistie geschenkt hat

In der Nacht, bevor Jesus verraten wird, nimmt er Brot und deutet es mit den Worten: »Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird.« Dann – es sind nur mehr wenige Stunden bis zur qualvollen Kreuzigung – nimmt Jesus den Kelch mit Wein und deutet ihn als sein Blut: »Das ist das Blut des Neuen Bundes« und nennt sogar ausdrücklich den Zweck des Blutes: Es wird vergossen zur Vergebung der Sünden.

Jesus fasst durch diese Worte über das Brot und den Wein alles zusammen, was er in den vergangenen drei Jahren getan hat. Sein Leben wird zum Sakrament, zum heiligen Zeichen, denn er wollte ja die Herrschaft der Liebe Gottes in den Herzen der Menschen aufrichten.

Was versteht Jesus unter Liebe? Liebe ist für ihn ganz radikal. Nicht »Ich will geliebt werden!« – sondern »Ich will lieben!«.

Liebe ist für Jesus die Bereitschaft, sich von den Geliebten sogar weh tun zu lassen. Und wirklich, Jesus zeigt es uns, indem er sich von seiner Liebe zu uns Menschen nicht nur Schmerzen zufügen lässt, sondern sich von ihr sogar töten lässt.

Er schenkte Liebe und erntete das Gegenteil: feigen Verrat durch die eigenen Jünger; Verleumdung durch das eigene Volk; brutale Folter und Hinrichtung durch die heidnische Besatzungsmacht.

Am Kreuz vor den Mauern Jerusalems hängt Jesus als sichtbares Mahnmal der unsichtbaren Liebe Gottes. Der menschgewordene Gottessohn stirbt am Tag vor dem Paschafest, genau zu jener Zeit, als man im Tempel tausende Lämmer schlachtet. Darum zeigt der Priester bei jeder heiligen Messe die gebrochene Hostie: »Seht das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt.«

Darum hat der ewige Sohn Gottes in der Kammer von Nazareth einen menschlichen Leib aus der Jungfrau Maria angenommen, um diesen seinen Leib und sein Blut jetzt für dich hingeben zu können. Maria, die Jesus dem irdischen Leib nach geboren hat, und die den Liebestod des Gottessohnes unter dem Kreuz mitgelitten hat, lehrt uns, das unendliche Geschenk der Eucharistie zu schätzen.

Eine größere Liebe, als wir sie in der Eucharistie feiern, gibt es nicht, denn es ist die Liebe des Selbstopfers des Sohnes Gottes an uns Sünder. Die Eucharistie ist das Sakrament der vollkommenen Liebe.

 +

Hier geht’s zum Rosenkranzgebet

Zur Geschichte des Rosenkranzes

Hier findest du Mariengebete

*
Ein kleines Büchlein mit großem Inhalt:
Beten ist einfach
, P.Karl Wallner OCist, St. Benno; Auflage: Neuauflage (August 2010)
*

Wir freuen uns über deinen Beitrag:

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s