Impuls zum Ave Maria

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Schreiben Sie das Ave Maria in unserer heutigen Sprache auf!“ Zunächst überrascht die Kommunionmütter dieser Auftrag zur Vorbereitung auf die Kommunionstunde mit den Kindern. Im Advent lernen unsere Kommunionkinder das Ave Maria als zentrales Mariengebet kennen. Beim gemeinsamen Lesen in der Bibel zeigt sich, dass der Anfang des Ave Maria mit dem Gruß des Engels und der Elisabeth an Maria im Lukasevangelium zu finden ist.

Der Engel Gabriel grüßt Maria als Begnadete, als Auserwählte. Keinem Mann im Alten und Neuen Testament gilt, was der Engel Maria gesagt hat: „Du bist voll der Gnade. Der Herr ist mit dir.“ (Lk 1,28)

Durch den Engel grüßt Gott selbst Maria als erwählte Mutter seines Sohnes. Wenn wir Maria verehren, dann greifen wir den Gruß des Engels, aber auch den Lobpreis der Elisabeth auf. Erfüllt vom Heiligen Geist ruft Elisabeth bei der Begegnung mit der schwangeren Cousine Maria: „Gesegnet bist du mehr als alle anderen Frauen, und gesegnet ist die Frucht deines Leibes. Wer bin ich, daß die Mutter meines Herrn zu mir kommt?“ (Lk 1,42-43).

Beim Beten des Ave Maria bekennen wir heute mit Elisabeth: „Du bist gebenedeit (gesegnet) unter den Frauen, und gebenedeit (gesegnet) ist die Frucht deines Leibes, Jesus“. Und Marias Antwort? Sie weiß keine andere, als Gottes Größe zu rühmen: „Meine Seele preist die Größe des Herrn.“ (Lk 1,46).

Marias Glaube, der sich darin ausdrückt, ist ein freudiger Glaube. Wenn sie in ihrem Loblied singt: „Von nun an preisen mich selig alle Geschlechter,“ dann deshalb „weil der Mächtige Großes an ihr getan hat.“ (Lk 1,48-49)

Maria führt uns immer zum Lob ihres Schöpfers und Erlösers, nie zu sich selbst. Marienverehrung hat im Lobpreis Gottes ihren Sinn und ihr Ziel. Ebenso stellen die Aussagen über Maria in der Theologie immer auch Aussagen über Gott und über sein Heilshandeln an uns Menschen dar. Wenn wir etwa am 8. Dezember das Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria feiern, dann feiern wir die unumstößliche Zusage Gottes für alle Menschen. Wovor Maria von ihrem Lebensbeginn an bewahrt blieb, schenkt Gott uns mit der Taufe.

Den zweiten Teil des Ave Maria hat die Kirche formuliert; er beginnt mit einer Anrufung: „Heilige Maria, Mutter Gottes!“ Das Konzil von Ephesus im Jahre 431 bekennt und ruft Maria als Gottesgebärerin an. Die Anrufung „Gottesgebärerin“ finden wir schon in einem der ältesten Mariengebete, das bis ins 3. Jahrhundert belegt ist: „Unter deinen Schutz und Schirm fliehen wir, Gottesgebärerin.“ Wörtlich lautet das ursprüngliche Gebet ohne die späteren Zusätze: „Unter den Schutz deiner mütterlichen Barmherzigkeit flüchten wir uns, Gottesgebärerin. Verschmähe nicht unsere flehentlichen Hilferufe in dieser Not, in der wir uns befinden! Sondern aus der Gefahr reiße uns heraus! Erlöse uns!“ Ein Hilferuf zur Gottesmutter aus der Märtyrerzeit vermutlich unter Kaiser Diokletian.

Bei der Mutter Jesu, in ihrer mütterlichen Barmherzigkeit, weiß sich der Christ in Not und Verfolgung geborgen. Der Beter greift auf die Worte Mariens vom barmherzigen Gott zurück: „Er erbarmt sich von Geschlecht zu Geschlecht…“ (Lukas 1,50) und sucht bei Maria und mit ihr letztlich Geborgenheit beim barmherzigen Gott. Dann kann er bitten und flehen wie ein Kind: „Verschmähe nicht unsere Hilferufe! … Reiß uns aus der Gefahr! Erlöse uns!“

Mit der Anrufung im Ave Maria verbindet die Kirche seit dem 14./15. Jahrhundert die Bitte um die Fürsprache der Muttergottes „jetzt und in der Stunde unseres Todes.“ In Todesgefahr suchen die Beter Zuflucht und Trost bei Maria, der Mutter. Es ist die Zeit der großen Pestseuchen, die die Städte entvölkern. Es ist die Zeit, in der die Pietá entsteht: Maria mit dem toten Sohn auf ihrem Schoß. Die Franziskaner dichten um 1300 das „Stabat Mater“ – Christi Mutter stand mit Schmerzen – und bitten: „Gib mir teil an deinem Schmerz!“ Teilhaben am Schmerz der Mutter und in ihrem Leid das eigene Leid spüren, durchleiden und annehmen lernen. Darum geht es. Dann finden wir mit Maria ins Leben zurück.

Übrigens unsere Kommunionmütter haben das Ave Maria mit wunderbaren Worten für die Kinder und für sich in unsere Sprache übersetzt und mit Leben gefüllt. Vielleicht finden Sie selbst einmal Zeit und Muse und schreiben das Ave Maria ebenfalls mit ihren ganz persönlichen Worten für sich auf.

(Copyright Angela Eckart, Bistum Mainz)

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