Abendgebete

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Abendsegen

Der Herr segne dich und behüte dich.
Der Herr lasse sein Angesicht über dich leuchten und sei dir gnädig.

Der Herr wende sein Angesicht dir zu und schenke dir Heil.

Numeri 6,24-26

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Lectio Divina mit Ikone

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Vesper
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Die Laudes als Morgengebet und die Vesper als Abendgebet, nach der ehrwürdigen Überlieferung der Gesamtkirche die beiden Angelpunkte des täglichen Stundengebetes, sollen als die vornehmsten Gebetsstunden angesehen und als solche gefeiert werden(Sacrosanctum Concilium, 89a). Die jüdische Tradition, die Psalmen des Alten Testaments zu beten, wird im Christentum fortgeführt. Dabei werden für die Vesper insbesondere Psalmen mit abendlichen Motiven gewählt. Weitere Bestandteile sind bis heute christliche Hymnen und das Vaterunser.

Der jüdischen Überlieferung folgend, sieben- beziehungsweise dreimal am Tag zu beten, entwickelte die frühe christliche Kirche die Vorstufe des heutigen Stundengebets, das im Urchristentum noch gemeindegottesdienstlichen Charakter hatte. Als Abendgebet kam dabei der Vesper eine zentrale Rolle zu. Sie ist das kirchliche Abendlob, ein Teil des Stundengebets, das von allen Klerikern obligat zu verrichten ist, aber auch von Laien gebetet werden kann.

Die Vesper wird gefeiert, wenn es Abend geworden ist und der Tag sich schon geneigt hat, damit wir „Dank sagen für alles, was uns an diesem Tag zuteil wurde oder was wir recht vollbracht haben(Basilius der Große). Auch unserer Erlösung gedenken wir in diesem Gebet, das wir „wie Weihrauch vor dem Herrn“ emporsteigen lassen (vgl. Ps 141,2). „Das kann in tieferem Sinn auch von dem Abendopfer verstanden werden, das der Herr und Heiland beim Abendmahl den Aposteln weitergab, als Er die heiligen Mysterien in der Kirche einsetzte, oder von dem, das er am folgenden Tag als Abendopfer, das heisst am Ende der Zeiten, im Erheben Seiner Hände dem Vater zum Heil der ganzen Welt dargebracht hat.(Cassian)

Um unsere Hoffnung schließlich dem Licht zuzuwenden, das keinen Untergang kennt, „beten und bitten wir darum, dass von neuem das Licht über uns komme, bitten wir um das Kommen Christi, das uns die Gnade des unvergänglichen Lichtes schenken wird“. Zu dieser Stunde stimmen wir in den Gesang der Ostkirchen ein:

Heiteres Licht vom herrlichen Glanze deines unsterblichen, heiligen, seligen himmlischen Vaters: Jesus Christus. Dich verherrlichen alle Geschöpfe. Siehe, wir kommen beim Sinken der Sonne, grüßen das freundliche Licht des Abends, singen in Hymnen Gott dem Vater, singen dem Sohn und dem Heiligen Geist. Würdig bist du, dass wir dich feiern zu allen Zeiten mit heiligen Liedern, Christus, Sohn Gottes, Bringer des Lebens: dich lobpreise die ganze Erde. Amen.

Der Aufbau der Vesper:

  • Einzug
  • Eröffnung
    V: O Gott, komm mir zu Hilfe.
    R: Herr, eile mir zu helfen.
    Ehre sei dem Vater … (Gloria Patri)
  • Hymnus
    Wie bei den Laudes, so stimmt auch in der Vesper der Hymnus auf die Hore ein. Der Hymnus wechselt nach Wochentag oder besonderem liturgischem Gepräge des Tages.
  • Psalmen und Canticum
    In der Vesper werden
  • zwei Psalmen und
  • ein Canticum aus dem Neuen Testament gebetet.

Alle drei Lieder werden von Antiphonen umrahmt. Dabei deutet die Antiphon den Psalm im Licht des besonderen liturgischen Gepräges des Tages.

  • Lesung und Responsorium
    Die kurze Lesung aus der Heiligen Schrift wechselt je nach Wochentag, Kirchenjahrzeit oder Fest. Sie soll als echte Verkündigung des Wortes Gottes gelesen werden. Es kann aber auch eine hagiographische Lesung gewählt werden: ein Text eines Kirchenvaters oder Kirchenschriftstellers, der von dem gefeierten Heiligen oder Fest spricht oder darauf angewendet werdne kann.
    Auf die Lesung folgt das Responsorium (Antwortruf), der den Inhalt aufgreift.
  • Homilie (fakultativ)
  • Magnificat
    Das Magnificat, ein Canticum aus dem Neuen Testament, ist der Höhepunkt der Vesper. Das Magnificat hat eine eigene Antiphon.
  • Fürbitten für die Anliegen der Kirche und der Welt
  • Vater unser
  • Schlussoration
  • Entlassung
    Leiten ein Priester oder ein Diakon die Vesper, so erteilen sie den Schlusssegen. Steht ein Laie der Feier vor oder betet ein Einzelner die Vesper, so lautet die Schlussformel:
    V: Der Herr segne uns, er bewahre uns vor Unheil und führe uns zum ewigen Leben.
    R: Amen.
  • Auszug

Eine entsprechende körperliche Haltung bringt die angemessene innere Haltung des Beters vor Gott zum Ausdruck. So bekreuzigt man sich zur „Eröffnung“ mit dem „großen Kreuz“. Während des „Ehre sei dem Vater…“ verneigt sich der Beter vor dem dreieinen Gott. Der Höhepunkt im „Magnificat“ kann durch Verwendung von Weihrauch, mit dem der Altar, anwesende Priester und die Gemeinde inzensiert werden, verdeutlicht werden.

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Abendliches Beten – ein Vorschlag

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G e b e t   d e r  l i e b e n d e n  A u f m e r k s a m k e i t
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Auch wenn die Vesper eine wunderbare Gebetsweise für alle Christen (nicht nur für den Klerus) darstellt, wird es nicht jedem Laien in jeder Lebenssituation möglich sein, diese Tradition aufzunehmen und zu pflegen. Denken wir daran, dass Jesus uns das Gebet zum Vater, das Beten in Zurückgezogenheit, auch Beten ohne Unterlass ans Herz gelegt hat, aber nicht ausdrücklich das Stundengebet.

Das Gebet ist die Erhebung der Seele zu Gott oder die an Gott gerichtete Bitte um Güter, die seinem Willen entsprechen. Es ist immer eine Gabe Gottes, der kommt, um dem Menschen zu begegnen. Das christliche Beten ist die persönliche, lebendige Beziehung der Kinder Gottes zu ihrem unendlich guten Vater, zu seinem Sohn Jesus Christus und zum Heiligen Geist, der in ihren Herzen wohnt.(KKK 2558-2565, 2590)

Die folgende Gebetsweise will uns helfen, aufmerksam das eigene Leben mit Gott zu leben, Ihn in allem Geschehen zu finden, das Gespür für die verschiedenen Bewegungen der Seele zu verfeinern, um tiefer mit Gott vereint leben zu können. In allen Ereignissen unseres Lebens, in schönen und dunklen Stunden, im Heil und Unheil will Gott uns begegnen und wartet auf unsere Antwort.

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Mögliche Schritte für einen Tagesrückblick

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1. Vorbereitung (mich einfinden)

Mich in Stille vor Gott einfinden.
Ich will mit allem dasein, was ich bin und was zu mir gehört.

Ich nehme die Bewegungen meines Atems wahr
und spüre in den Leib hinein und frage mich:

Wer bin ich vor meinem Gott? Wie steht es um mich?

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2. Dank und Bitte

Staunend darf ich dasein vor Dir, Gott meines Lebens.
Ich danke Dir für das Empfangene, für Deine Liebe in allem.

Schenke mir die Offenheit, damit ich in Deinem Licht die Wirklichkeit
dieses Tages zulassen und erkennen kann.

Nur in Deinem Licht schaue ich das Licht.

Gib mir ein feines Gespür für die Kräfte im Leben,
die mich von Dir trennen.“

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3. Den Tag anschauen (Blick auf die Wirklichkeit)

Mit Liebender Aufmerksamkeit – ohne gleich zu werten – mich dem zuwenden,
was heute war:
In mir, durch mich, um mich …

Stunde für Stunde, Ort um Ort, Begegnung nach Begegnung an mir vorbeiziehen lassen;
es geht nicht um Vollständigkeit, sondern um Verweilen bei dem, was sich anbietet.
Empfindungen (Sinneswahrnehmungen), Gefühle (Freude, Ärger, Angst),
Gedanken, die ich hatte, können wieder aufsteigen, andere melden sich neu.

Wo nahm ich Spuren Gottes wahr, wo nicht?
Wo verspürte ich Gottes Geist,
wo nahm ich Widerstände und Verführungen des Bösen wahr?

„Herr, was wolltest Du mir mit all dem sagen?“

Vor Gott bringen, was ich wahrgenommen haben:
Was ist in mir da? Freude, Betroffenheit, Unruhe, Trauer.
Was war gut, was lässt mich hoffen?
Was ist da an Ungelöstem, an Wunden oder Schuld;
was beschäftigt mich jetzt noch, was macht mir jetzt noch zu schaffen?

Was will ich, kann ich alles in Gottes Hand legen?
Mein Empfinden vom Tag in einer körperlichen Geste oder in Worten ausdrücken.

Mich neu Gott anvertrauen:

„Herr, in deine Hände lebe ich mein Leben!“  

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4. Dank und Bitte um Verzeihung und Versöhnung

„Herr, ich möchte Dir danken für Deine Gegenwart und
für Dein Wirken in meinem Leben an diesem Tag.“

Gott um Verzeihung bitten für die Fehler:
Schenke mir Schmerz und Reue,
die mich offen machen für Deine versöhnende Liebe.

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5. Gott um Entschiedenheit bitten

Spüre ich neue Hoffnung in mir?
Drängt mich eine Sehnsucht zur treueren Nachfolge?

Schließlich bitten wir Gott um Kraft und Zuversicht zum Weitergehen.

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Die Übung mit dem Vaterunser oder einem anderen Gebet beenden.

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Ich schaue zurück

Herr, voll Dankbarkeit schaue ich auf den heutigen Tag zurück.

Was mir gelungen ist, dafür danke ich dir und deinem gütigen Schutz.
Was falsch und unrecht war, das empfehle ich deiner verzeihenden Barmherzigkeit.

Es segne und behüte mich der allmächtige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen.

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Du, Herr über Leben und Tod

Herr Jesus Christus!

Du bist Herr über Leben und Tod.
Dein ist der Tag.
Dein ist die Nacht.

Jede Nacht ist ein kleines Sterben,
jeder Tag ein Geschenk neuen Lebens.

Gib mir eine ruhige Nacht!
Lass mich zu einem neuen Tag erwachen,
der in deinem Geist und in deiner Nachfolge gelingen soll.

Amen.

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Wie war der Tag?

Haben wir diesen Tag gelebt, Herr, wie es dir gefällt?
Sind wir geduldig, schlicht und liebevoll gewesen?
Haben wir jenen genug Zeit gegeben, die zu uns kamen?
Haben wir ihre Hoffnung beantwortet, wenn sie fragten?
Haben wir sie umarmt, wenn sie weinten?
Haben wir sie zärtlich aufgemuntert, bis ihr Lachen wieder da war?
Haben wir in all ihren Leiden gebetet?
Haben wir Blumen gegeben mit dem Brot?
Haben wir deine Freude zum Blühen gebracht?
Sind wir unseren Brüdern immer Bruder gewesen?

Wenn das alles nicht so war, Herr, verzeihe uns.
Und selbst wenn es so war, es genügt nicht.
Umgib uns jeden Tag mit mehr Liebe,
Herr, bis zum großen Licht deiner Unendlichkeit.

Abendgebet der „Kleinen Brüder und Schwestern von Charles de Foucauld“

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Fürbitte

Herr Jesus Christus,
sei denen nahe, die in dieser Nacht wach sind und weinen,
und gebiete deinen Engeln, zu wachen über die,
welche schlafen.

Bring die Müden zur Ruhe.
Nimm die Kranken in deine Hut, o Herr Christus.
Segne die Sterbenden.
Schenke Linderung den Leidenden.
Erbarme dich der Angefochtenen.
Schirme die Fröhlichen
und uns alle um deiner Liebe willen.

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Herr, mein Gott, ich danke dir

Herr, mein Gott, ich danke dir,
dass du diesen Tag zu Ende gebracht hast.
Ich danke dir,
dass du Leib und Seele zur Ruhe kommen ließest.
Deine Hand war über mir und hat mich behütet und bewahrt.

Vergib allen Kleinglauben und alles Unrecht dieses Tages
und hilf, dass ich allen vergebe, die mir Unrecht getan haben.
Lass mich in Frieden unter deinem Schutz schlafen
und bewahre mich vor den Anfechtungen der Finsternis.
Ich befehle dir meinen Leib und meine Seele.
Gott, dein heiliger Name sei gelobt.

Dietrich Bonhoeffer

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Wir beten…

Wir beten für unsere Eltern, Vater und Mutter,
für unsere Kinder, eins ums andere,
für unsere Brüder und Schwestern, zusammen und einzeln,
für Verwandte und Freunde,
für alle Freunde der Familie,
für Lehrer und Lernende,
Untergebene und Vorgesetzte,
Kameraden, Berufsgenossen und Nachbarn,
für alle, die uns Gutes tun,
und alle, die uns Böses wünschen,
für Feinde und Neider,
Verleumder und Verfolger,
für die Lebenden und die Verstorbenen.

John Henry Newman

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Ein Gedanke zu “Abendgebete

  1. Mit 77 Jahren noch jeden Abend ein anderes Nachtgebet aus meinem tablet, Herr ich danke dir.
    Lasse mich noch etwas leben.

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