Teil 3 – Kampfplatz

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Teil 3 – Unser Beten als Kampfplatz

Nach der ein wenig trocken anmutenden Einleitung gelangen wir zu einer sehr praktischen, zutiefst menschlichen Betrachtung. Schließlich wollen wir nicht so tun, als ob unser Beten, nachdem wir uns ein wenig mit Theorie gerüstet haben, nun so einfach und friedlich voranginge.

Auch Teresa wurde davor nicht bewahrt: Durch eigene, schmerzliche Erfahrungen wurden ihr Fehlhaltungen deutlich, auf die sie uns aufmerksam macht. Teresa wusste, welch großen Einfluss konkrete Lebensumstände und zwischenmenschliche Beziehungen, in die jeder Mensch hineingestellt ist, auf unser Gebet haben. Wenn also unsere Gedanken gerade durch intensive Erlebnisse gefesselt werden…

Die Zeit des Gebets ganz Gott schenken

Die beste Möglichkeit für ein Zurückfinden zum Gebet sah Teresa im Nachdenken, wo Gott zu finden sei. Als Orientierungshilfe sah sie die Schriften des hl. Augustinus, durch den ihr der Weg in ihr Inneres als Ort der Begegnung mit Gott klar vor Augen geführt wurde. „Gott ist überall, darum ist dort, wo Gott ist, auch der Himmel (…) Seht, der hl. Augustinus erzählt, er habe Gott überall gesucht und ihn schließlich in seinem eigenen Inneren gefunden (…) für unsere zerstreute Seele gilt es zu erkennen, dass sie nicht zum Himmel aufsteigen und nicht laut rufen muss, um sich mit Gott zu unterhalten und sich an ihm zu erfreuen.“ (Camino 28,2)

Eine gute Hilfe bei Ablenkungen vom Gebet ist es, die Zeit des Gebets ganz Gott zu schenken, und nicht mehr über sie verfügen zu wollen.

„Überlassen wir ihm doch das bisschen Zeit, die ihm zu schenken wir uns entschlossen haben! Es ist sehr wenig im Vergleich zu der Zeit, die wir für uns selbst und auch andere, die uns keinen Dank dafür wissen, vergeuden (…) Tun wir es mit freiem Geist (…) trotz all der Mühen, die wir dabei vielleicht auf uns nehmen müssen (…) Diese Zeit darf ich nicht mehr als mir gehörig betrachten“ (Camino 23,2).

Wie offen Teresa über ihr Gebetsleben spricht! „Ich konnte über 14 Jahre lang ohne Buch nicht einmal Betrachtung halten. Sicher gibt es viele Menschen, denen es genauso geht (..) Einige haben einen so unruhigen Geist, dass sie sich auf nichts konzentrieren können, ständig schweifen ihre Gedanken umher, so dass sie sich in tausend Nichtigkeiten und Zweifel verlieren, wenn sie an Gott denken wollen“ (Camino 17,3).

Sich für das Gebet zurückziehen

Bei derartigen schmerzlichen Erfahrungen rät die heilige Teresa, sich in die Einsamkeit zurückzuziehen, und sich die Gegenwart Gottes im Inneren der Seele bewusst zu machen:

„Ich bitte euch nun nicht, über ihn nachzudenken, vielerlei Gedanken zu fassen oder tiefsinnige Betrachtungen anzustellen; ich bitte euch nur, dass ihr ihn anschaut“ (Camino 26,3).

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Das geistliche Auge auf Gott zu richten, ist nach Teresa der einzige Weg, um mit den Schwierigkeiten fertig zu werden. Aller Schaden komme, weil man die Augen zu wenig auf Gott richte: Würde man auf den Weg der Liebe achten, käme man schnell ans Ziel. Weil man den Blick oft nicht auf diesen wahren Weg richte, gerate man auf Abwege.

Doch selbst wenn man in Treue an diesem Gebet festhalte, kämen Zeiten der Dürre, der Trockenheit, in denen man Gott nicht wahrnehme und an seiner Existenz zweifle! (Vida 14,9)

Die Erfahrung des Zweifelns

Teresa sieht diese Erfahrung der Dürre als Zeit der Erprobung und Reinigung, die von einer physisch bedingten Beeinträchtigung des Gebets zu unterscheiden ist: Krankheit, aber auch Wetterfühligkeit etc. führen dazu, dass wir uns nicht immer in der Lage sehen zu tun, was wir möchten. In diesen Fällen soll die Seele aus Liebe zu Gott für den Leib da sein, bis dieser wieder für die Seele da ist: Heilsame Entspannungen wie gute Gespräche oder Spaziergänge bereiten Leib und Seele wieder auf kommende Begegnungen mit Gott vor.

„Es ist eine wichtige Angelegenheit, die Seele nicht an die Kandare zu nehmen, sondern sie zu ihrem größeren Fortschritt mit Sanftheit zu führen“ (Vida 11,15).

Die Hilfe eines geistlichen Begleiters

Eine große Hilfe ist es nach Teresa, wenn wir uns vor allem in Zeiten der Trockenheit dem Rat eines geistlichen Begleiters anvertrauen. Er oder sie sollte über gutes Urteilsvermögen und Erfahrung verfügen, und auch in geistlichen Angelegenheiten gut unterrichtet sein. Dabei sollten wir darauf achten, gerade am Anfang unseres Weges auf klugen Rat zu hören, und mit entstehenden Fortschritten vermehrt positive Herausforderungen suchen, damit unserer Seele und unsere Beziehung zu Gott wachsen möge!

Teresa selbst war der Versuchung erlegen und hatte das innere Beten eine geraume Zeit aufgegeben. Im Rückblick hat sie diese Erfahrung als die schlimmste Versuchung ihres Lebens bezeichnet: „So begann ich, von Eitelkeit zu Eitelkeit, von Gelegenheit zu Gelegenheit, mich so in weltlichen Dingen zu verstricken, dass ich mich sogar schämte, mich einer so besonderen Freundschaft, wie es das Verweilen im Gebet ist, Gott erneut zuzuwenden! (…) Auch kam mir der Geschmack und die Lust an einem tugendhaften Leben abhanden, je mehr die Sünden zunahmen!“ (Vida 7,1).

Sich aus Demut oder Scheu nicht an Gott wenden?

Wenn man sich vom inneren Gebet entfernt, spielt man mit der Nabelschnur, mit der Verbindung zu Gott. In keinem Fall soll man sich durch die bevorstehenden Schwierigkeiten vom Beten abschrecken lassen. Das Ziel, die lebendige Begegnung mit Gott und die ersehnte Vereinigung im ewigen Leben, müsse man im Blick behalten.

„Ich glaube, den Weg zu verlieren, bedeutet nichts anderes, als vom inneren Beten abzulassen.“ (Vida 19,12)

Aus vermeintlicher Demut hatte Teresa sich vom inneren Gebet zurückgezogen, weil sie meinte, unwürdig zu sein, Gott zu begegnen.

„Wie groß war meine Blindheit! Wo glaubte ich denn Abhilfe zu finden, mein Herr, wenn nicht bei dir? Was für ein Unsinn, das Licht zu fliehen, nur um immer wieder zu straucheln, …mich von Halt an der Säule und dem Stab zu entfernen, der mich stützen soll, um nicht so tief zu fallen! (…) Ich meine, dass ich nie mehr eine so große Gefahr durchgemacht habe wie diese Erfindung, die mir der Böse unter dem Vorwand der Demut eingab!“ (Vida 19,10)

Die Entwicklung des geistlichen Weges führt zu Entschlossenheit, Mut und dem festen Glauben, dass Gott uns auf den Weg des Heils führt. Dabei überantworten wir Gott unser eigenes Leben seiner Führung, wodurch wir zu tiefer Zufriedenheit, Dankbarkeit, Freude und Gelassenheit finden.

Die Anmaßung im Beten

Demgegenüber erscheint das Streben nach mystischen Erlebnissen, geistlichen Wohlgefühlen, und Sehnsüchte nach außergewöhnlichen Tröstungen als anmaßend. In einer solchen Haltung gegenüber Gott, so Teresa, offenbare sich Unzufriedenheit und Undankbarkeit, die zeigen, dass wir noch nicht in der Sehnsucht verwurzelt sind.

Da Gott die Beziehung zu jedem Mensch anders gestalte, ist es im weiteren nicht förderlich, sich mit anderen zu vergleichen. Wir sollen vielmehr alles Gott überlassen! „Er ist weise und mächtig. Er weiß, was euch angemessen und was ihm angemessen ist, es sind seine Urteile.“ (Camino 17,7) Teresa erachtet es als ein Zeichen dafür, dass Gott eine Seele wie eine starke behandelt, wenn sie Trosterfahrungen entbehren muss. Da Gott jeden kenne und wisse, wozu er geeignet sei, soll sich der Mensch für jeden Weg bereithalten, den Gott ihn weise und sich nicht mit anderen vergleichen.

Wir müssen eine heilige Kühnheit besitzen!

Eine Beherztheit wünsche ich für die Menschen, die uns in der Demut immer mehr wachsen lässt. Eine heilige Kühnheit müssen wir besitzen. Denn Gott hilft den Starkmütigen; bei ihm gibt es kein Ansehen der Person (Camino 17,12). Gott achtet unsere Freiheit, er tut also unserem Willen keinen Zwang an, und nimmt nur, was wir ihm geben; aber Gott schenkt sich dem Menschen erst ganz, wenn man sich ihm ganz schenkt. Diese Hingabe mündet nach Teresa im absichtslos und selbstlos erwiesenen Dienen. Dieser Dienst ist Ausdruck der Liebe zu Gott und seiner Schöpfung; er besteht nicht in tränenreichen Wohlgefühlen oder zärtlichen Empfindungen, sondern finde in Gerechtigkeit, Starkmut und Demut seinen Ausdruck.

Das Kreuz Jesu als festes Fundament

Als festes Fundament erweist sich dabei die Entschlossenheit, Jesus auf dem Weg des Kreuzes nachzufolgen.
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„Es ist eine wichtige Angelegenheit, dass die Seelen […] von Anfang an mit dem Entschluß hineingehen, einzig Christus beim Kreuztragen zu helfen.“  (Vida 15,11) „Wie groß euch die Prüfungen auch vorkommen und wie schmerzlich sie für euch sein mögen: Ihr werdet Trost finden, wenn ihr erkennt, wie lächerlich klein sie im Vergleich zu denen sind, die der Herr erduldet hat.“ (Camino 26,7)

Nur auf diese Weise sind wir tatsächlich in der Lage, auch Erfahrungen der Gottferne und Verlassenheit, der Sinn- und Trostlosigkeit als Teilhabe am Kreuz Christi anzunehmen. „Umfangt dieses Kreuz„, denn es zeigt euch den Weg der Liebe, der Schmerzen, und des ewigen Trostes.

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Fortsetzung siehe >>>Teil 4

4 Gedanken zu “Teil 3 – Kampfplatz

  1. Hallo, zunächst interessiert mich, wer bist Du, der Schreiber und Übersender dieser Nachrichten? Ich bin nicht „schlau genug am Computer“ dies herauszubekommen.
    Das Buch scheint mir sehr gut und geeignet für „unsere Anbetungsgemeinschaft in Schifferstadt“. Ich bin gespannt auf Deine Antwort.

    1. Liebe Irene,
      ich heisse Stefan, habe die Zusammenfassung dieses Buches über die Spiritualität der großen Teresa gestaltet, und mehr über die Betreiber dieses Blogs erfährst du, wenn du oben links in der Leiste auf „Info“ klickst und ein paar Worte zu meiner Frau und mir liest.

      Die Quelle dieser Zusammenfassung (das Buch) ist am Ende der Serie angeführt:

      Teresa von Avila begegnen (aus der Reihe Zeugen des Glaubens), Maria Antonia Sondermann, Sankt Ulrich Verlag (2007)

      Wenn du mehr Infos brauchst, dann gib einfach Bescheid!

      Im Gebet verbunden,
      Stefan

  2. Das Buch ist sehr hillfreich und Gottsuchenden zu empfehlen. Es eignet sich für unsere Anbetungsgemeinschaft in Schifferstadt und ich überlege, es zu bestellen.

    1. Hallo Irene,
      einfach zur Info weise ich nochmal darauf hin, dass
      der vorliegende Text eine Zusammenfassung dieses Buches ist:
      Teresa von Avila begegnen (aus der Reihe Zeugen des Glaubens), Maria Antonia Sondermann, Sankt Ulrich Verlag (2007)
      LG und GS!

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